Katholischer Kindergarten - Nach den Sommerferien geht in Oberbalbach die erste inklusive Einrichtung ihrer Art im Altkreis Tauberbischofsheim an den Start / Raum für bis zu sieben Kids mit Handicap Ein wichtiger Schritt hin zu mehr Normalität

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Klaus T. Mende
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Große Freude herrscht, nicht nur bei den 16 Kids der augenblicklichen Gruppe, im Kindergarten Oberbalbach über den baldigen Start des inklusiven Kindergartenprojekts. Auch Karen Hartmann-Mathes (links) von der Kita Villa Fröhlich und Kiga-Leiterin Jutta Retzbach sind gespannt und neugierig auf das, was da kommen mag. © Klaus T. Mende

Ein Schritt hin zur Normalität: Im September nimmt im Kindergarten Oberbalbach eine zweite Außengruppe der Kita Villa Fröhlich ihre Arbeit auf – als Pilotprojekt im Altkreis Tauberbischofsheim.

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Oberbalbach. Inklusive Kindergartengruppen als Regelform – davon ist Deutschland noch ein gutes Stück entfernt. Der Wille bei Eltern, Erziehern und Trägern solcher Einrichtungen ist aber riesengroß. Doch bürokratische und gesetzliche Hürden machen diese Pläne alles andere als zu einem einfachen Unterfangen.

Nicht so in Oberbalbach, der dortige Kindergarten mutiert nämlich jetzt zum Vorreiter im Altkreis Tauberbischofsheim – sehr zur Freude von Leiterin Jutta Retzbach und Karen Hartmann-Mathes von der Krautheimer Kita, die unter dem Dach der dortigen Andreas-Fröhlich-Schule für körperbehinderte Kinder und Jugendliche beheimatet ist.

Viele Anfragen

„Mit großem Erfolg gibt es seit gut zweieinhalb Jahren solch eine Außengruppe im katholischen Kindergarten St. Johannes in Bad Mergentheim“, erklärt Hartmann-Mathes einen der Beweggründe dafür, derartige Pläne nun auch in dem Lauda-Königshöfer Stadtteil zu realisieren. „Seitdem haben sich zunehmend mehr Eltern, auch aus dem nördlichen Kreis, für die dortige Gruppe interessiert.“ Mit der Folge, dass schnell eine Warteliste geschaffen worden sei, nachdem die sechs Plätze dort in kurzer Zeit belegt gewesen seien.

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Die guten Erfahrungen sowie die durchweg positiven Rückmeldungen von Eltern, Team und Kindern hätten die Verantwortlichen der Kita Villa Fröhlich ermutigt, nach einem weiteren gemeinsamen Standort Ausschau zu halten – „und die Wahl ist auf Oberbalbach gefallen“.

Einrichtung ist prädestiniert

Nachdem diverse Hürden erfolgreich gemeistert worden seien, so Hartmann-Mathes weiter im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten, habe sich die Einrichtung in der Balbachtalstraße schnell als solche herauskristallisiert, die dafür prädestiniert sei – und zwar aus mehreren Gründen: Offenheit, Engagement, Unkompliziertheit und Herzlichkeit des Teams und des Trägers, die Barrierefreiheit des Gebäudes, ansprechende Gruppenräume und ein Außengelände mit zahlreichen Bewegungsmöglichkeiten für Kinder mit motorischen Beeinträchtigungen sowie die Umgebung der Einrichtung mit ihren zahlreichen Gelegenheiten zu Aktivitäten.

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Von den ersten Gesprächen bis zur Umsetzung habe etwas mehr als ein Jahr gedauert, führt Karen Hartmann-Mathes weiter aus. In dieser Zeit hätten Erzieherinnen aus Oberbalbach in der Kurstadt hospitiert, weiterhin habe ein Infoabend für die Eltern stattgefunden und die künftige Gruppenleitung der Kita Villa Fröhlich sei zu einer Hospitation im Balbachtal gewesen.

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„Die Gruppe wird zunächst mit zwei Kindern im Alter von drei oder vier Jahren ab September starten“, freut sich Jutta Retzbach. Später könnten in dem Kindergarten sogar bis zu sieben Kinder mit motorischen Beeinträchtigungen betreut werden. Sie sei mit ihrem Team gespannt auf das Kommende und gehe die neue Aufgabe mit großer Freude an. Sie zeigt sich überzeugt, dass die Neuankömmlinge recht schnell Anschluss fänden und fest in die bestehende Gruppe integriert würden. Kinder mit Handicap könnten von jenen ohne profitieren und viel lernen – umgekehrt sei dies auch der Fall. Letztlich sei dies ein gegenseitiges Geben und Nehmen mit dem Ziel, Berührungsängste weiter abzubauen und Begriffe wie Respekt und Anerkennung in den Vordergrund zu rücken.

Den Erwartungen gerecht werden

Jutta Retzbach ist guter Dinge, dass ihre Einrichtung die Vorreiterrolle auf diesem Gebiet sehr gut ausfülle und allen Erwartungen gerecht werde. Ihr Optimismus dahingehend sei auch deswegen recht groß, weil in Oberbalbach wirklich alle an einem Strang zögen. „Vor allen Dingen die Eltern unserer Kinder waren dem Ganzen von Anfang an sehr offen gegenübergestanden.“

Kindern mit und ohne Handicap steht in Zukunft jeweils ein identischer Gruppenraum zur Verfügung. „Doch sie sollen auch bewusst sehr viel Zeit miteinander verbringen“, sagen Jutta Retzbach und Karen Hartmann-Mathes übereinstimmend. Das bestehende Kindergartenteam erhält dabei im Übrigen tatkräftige Unterstützung durch weiteres qualifiziertes Personal zu den üblichen Öffnungszeiten.

Jetzt stehe man erwartungsvoll in den Startlöchern und sei guter Dinge, dass dies nicht das letzte Projekt seiner Art im Altkreis Tauberbischofsheim bleibe.

Redaktion Mitglied der Main-Tauber-Kreis-Redaktion mit Schwerpunkt Igersheim und Assamstadt