Corona-Krise - Birgit und Reinhard Vollmer aus Königshofen stranden in Simbabwe / Der 85-jährige Konrad Sinner aus Lauda muss Türkei-Aufenthalt abbrechen Ein Traumurlaub wird zum Abenteuer

Von 
Thomas Schreiner
Lesedauer: 
Der 85-jährige Konrad Sinner aus Lauda musste seinen Urlaub in der Türkei abbrechen und wurde vorzeitig ausgeflogen. © Sinner

Grenzen dicht, Flüge gestrichen: Tausende Deutsche saßen oder sitzen im Ausland fest. Die FN unterhielten sich mit drei Bürgern aus Lauda-Königshofen, die im Urlaub davon überrascht wurden.

AdUnit urban-intext1

Lauda-Königshofen. Wilde Tiere, schönes Wetter, fünf Wochen Zeit: Birgit und Reinhard Vollmer aus Königshofen freuen sich auf viele Eindrücke und tolle Erlebnisse, als sie Mitte Februar Richtung Afrika aufbrechen. Nichts deutet damals auf eine weltweite Corona-Krise hin. Alle Flüge gehen planmäßig, es gibt für Afrika keinerlei Reisewarnungen in diese Richtung vom Auswärtigen Amt und auch sonst spricht damals nichts dafür, dass nur vier Wochen später die Welt von jetzt auf nachher aus den Fugen gerät. Am Schluss endet ihr Traumurlaub jedoch als Alptraum, in dem die Deutsche Botschaft in Simbabwe nicht gut wegkommt. Konrad Sinner, ehemaliger Lehrer an der Grund- und Hauptschule in Lauda, wird in der Türkei überrascht. Auch er hat seine ganz persönliche Corona-Geschichte erlebt.

Zunächst verläuft die Reise von Birgit und Reinhard Vollmer nach Plan. Von Frankfurt fliegt das Ehepaar nach Sansibar und über Daressalam geht es dann quer durch Tansania weiter nach Sambia. Sie genießen das schöne Wetter, die Gastfreundschaft der Afrikaner aber auch die tolle Tierwelt und atemberaubende Landschaften. Vorläufiger Höhepunkt sind dann die Victoria Fälle in Sambia, bevor es weiter ins benachbarte Simbabwe geht.

„Am 16. März, also vier Wochen nach unserem Start in Tansania, erhielten wir die Information, dass die Grenzen wegen Corona dichtgemacht würden“, erinnert sich Reinhard Vollmer. Ihre Tochter wendet sich daraufhin von Deutschland aus an die Deutsche Botschaft in Harare: „Aktuell ist der einzige Grenzübergang zu Lande zwischen Simbabwe und Südafrika bei Beitbridge weiter geöffnet. Nach hiesiger Information soll sich das in nächster Zeit nicht ändern. Ihre Eltern sollten sich direkt an den Veranstalter wenden. Eine Rückholaktion ist für Simbabwe auf absehbare Zeit nicht geplant“, gibt der Leiter des Konsulats Entwarnung.

Von Südafrika abgewiesen

AdUnit urban-intext2

Als sie jedoch am 18. März am Übergang Beitbridge ankommen, werden sie von den südafrikanischen Grenzbeamten abgewiesen. „Die Grenze ist für Ausländer geschlossen“ heißt es dort. Betroffen ist neben den Vollmers auch ein amerikanisches Ehepaar.

Gemeinsam organisieren sie dann aufgrund der schlechten Versorgungslage zunächst den Sprit für die rund 800 Kilometer lange Rückfahrt zu den Victoria Fällen, diesmal allerdings auf simbabwischer Seite, denn bei einer erneuten Ausreise nach Sambia müssten sie sich zunächst erst einmal 14 Tage in Quarantäne begeben. „In die Supermärkte durften wir als Europäer nicht mehr hinein, weil man Angst hatte, dass wir an Corona erkrankt sind“, erinnert sich Reinhard Vollmer. Zu diesem Zeitpunkt gibt es in Simbabwe noch keinen einzigen Coronafall.

AdUnit urban-intext3

Ihr Plan jetzt: Von Simbabwe ins benachbarte Botsuana ausfliegen und vor dort dann weiter nach Äthiopien und zurück nach Frankfurt.

Ungewissheit bis zum Abflug

AdUnit urban-intext4

In der Ungewissheit, ob dieser Plan auch aufgeht, treffen sie abgekämpft und übermüdet am Airport der Vic Falls ein. Dort erfahren sie, dass der nächste Flieger ausgebucht sei, eventuell bestehe aber am nächsten Tag noch eine Möglichkeit. Wie sich später herausstellt, schaffen es Birgit und Reinhard Vollmer dann, mit der letzten Maschine nach Gaborone in Botsuana. Von dort ging es schließlich nach Addis Abeba in Äthiopien. „Dort ist die Situation sehr beängstigend, der Flughafen brechend voll mit gestrandeten Reisenden aus aller Welt“, berichtet Reinhard Vollmer im Gespräch mit den FN. „Es gibt nur noch eine Maschine nach Deutschland und alle dort gestrandeten Urlauber wollen mit.“

Sie haben Glück. Mit dem allerletzten Flug von Ethiopian Airlines nach Frankfurt landen sie am 23. März nach 28 Stunden übermüdet aber gesund und wohlbehalten wieder in Deutschland.

„Hätten wir von der Deutschen Botschaft in Harare nicht die Falschauskunft bekommen, dass der Grenzübergang Beitbridge von Botsuana nach Südafrika geöffnet sei, hätten wir nicht nur einige 1000 Euro Kosten für zusätzliche zum Teil nun völlig überteuerte Flüge, sondern auch noch zwei hektische nervenaufreibende Tage gespart. Wir erhielten auch keine Auskunft, ob eine Ausreise nach Südafrika in den Transitbereich des Flughafens von Johannesburg möglich ist“, kritisiert Vollmer die Informationspolitik der deutschen Botschaft in Harare. „Sehen Sie zu, dass Sie gesund bleiben“, hörten sie dort lapidar.

Ein mitreisendes amerikanisches Ehepaar sei dagegen mehrfach von der US-Botschaft angerufen worden und habe von dort auch sämtliche Informationen über Flüge erhalten.

Zum 18. Mal verbrachte der 85-jährige Konrad Sinner, vielen Bürgern noch als Lehrer an der Grund- und Hauptschule in Lauda bekannt, seinen Urlaub in der Anlage Miracle bei Antalya in der Türkei. Bei seiner Ankunft am 4. März waren etwa 650 Personen aus allen möglichen Ländern dort. Am 15. März erhielten die Touristen die Nachricht, dass Präsident Erdogan den Flughafen Antalya am 20. März schließen werde.

„Ich hatte bis 25. März gebucht. Zunächst erfuhr ich, dass ich bis dahin bleiben müsse. Bei einem Anruf beim Reiseveranstalter wurde mir aber versichert, dass alle Gäste ausgeflogen werden. An der Rezeption standen die Leute dicht gedrängt, um zu erfahren, wann der Heimflug stattfindet“, so Konrad Sinner gegenüber den FN. Die meisten Hotels schlossen am 21. März.

Polizei half weiter

Durch den befreundeten Manager erfuhr er dann, dass er am nächsten Tag abends nach Köln ausgeflogen werde. Andere Touristen aus Dresden mussten in den Flieger nach München bzw. Düsseldorf. „In Köln fuhr ich nach nach Siegburg/Bonn. Dort angekommen hieß es, der ICE fällt aus, die Strecke nach Frankfurt ist durch Vandalismus blockiert. Dann wandte ich mich an die Polizei. Sie half mir nach Köln“, erinnert er sich. Um 3.19 Uhr ging es für ihn dann im ICE auf Umwegen nach Frankfurt und Würzburg. Sein Sohn holte ihn schließlich dort am Bahnhof ab.

Redaktion