AdUnit Billboard
Hier hat der Leser das Wort - Offener Brief an die Bürgermeister von Lauda-Königshofen, Grünsfeld und Wittighausen

„Ein bisschen Barrierefreiheit auf der Frankenbahn gibt es nicht“

Von 
Leserbrief-Schreiber: Ulf-D. Schwarz
Lesedauer: 

Sehr geehrte Herren Bürgermeister, mit großem Interesse haben wir den Artikel zu den geplanten Modernisierungs- und Ausbaumaßnahmen der Haltestationen entlang der Frankenbahn (Wittighausen, Grünsfeld und Gerlachsheim) am 22. März in den FN gelesen. Auch wenn wir als Fahrgastbeirat der Westfrankenbahn nicht (mehr) direkt für diesen Streckenabschnitt zuständig sind, erlauben wir uns, Sie auf Fehler in den dargestellten Planungen hinzuweisen, die aus unserer Sicht bestehen.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Grundsätzlich finden wir Ihre Aussage, Herr Bürgermeister Wessels, dass eine vollständige Barrierefreiheit bei den Zu- und Abgängen aus finanziellen Gründen nicht umsetzbar sei, rechtlich nicht haltbar. Wir verweisen hier auf § 3 BGG in Verbindung mit § 7 L-BGG. Das BGG (Behindertengleichstellungsgesetz) definiert im § 4, dass „bauliche ... Anlagen“ barrierefrei sind, „wenn sie für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind.“

Ein „bisschen“ Barrierefreiheit gibt es nicht. Da wir davon ausgehen, dass dieses Bauwerk wieder über 100 Jahre Bestand haben soll, darf Barrierefreiheit nicht an finanziellen Mitteln scheitern.

Ein weiteres und noch gravierenderes Problem ist die im Artikel beschriebene Bahnsteighöhe von 76 Zentimeter. Diese Höhe gilt grundsätzlich für den Fernverkehr der Deutschen Bahn.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Im Nahverkehr orientiert man sich an der Bahnsteighöhe von 55 Zentimeter, die im Übrigen auch an den Bahnhöfen in Lauda und Tauberbischofsheim realisiert ist. Grundsätzlich sind wir der Meinung: Die Bahnsteighöhen und die eingesetzten Züge müssen miteinander harmonieren. Sowohl die Westfrankenbahn, als auch Go-Ahead Baden-Württemberg setzen aktuell Züge ein, die zu einer Bahnsteighöhe von 55 Zentimeter passen.

Daher ist es für uns in keiner Weise nachvollziehbar, warum die Bahnsteighöhen an den Zughalten Wittighausen, Grünsfeld und Gerlachsheim, aber im Prinzip komplett entlang der Frankenbahn, auf 76 Zentimeter umgebaut werden sollen.

Weiter muss bei den Bahnsteiglängen sichergestellt werden, dass auch ein GoAheadTriebwagen in Doppeltraktion in den betreffenden Stationen halten kann. Die im Zeitungsartikel angesprochenen Umbaukosten in einem Gesamtvolumen von fünf Millionen Euro sollten es im Sinne des Steuerzahlers und natürlich erst recht im Interesse von behinderten und/oder älteren Menschen wert sein, dass nur sinnvolle und keine halbherzigen Maßnahmen zur Barrierefreiheit umgesetzt werden. Wir möchten Sie daher bitten, bei den anstehenden Planungen mit der „DB Station&Service AG“ und dem Land Baden-Württemberg deutlich zu machen, dass Barrierefreiheit auch dergestalt umgesetzt wird, dass am Ende Menschen mit einer Mobilitätseinschränkung an den Haltestationen ohne fremde Hilfe an und vom Bahnsteig in die Züge kommen können. Denn diese Menschen kann man schlecht auf den nächsten Umbau in 100 Jahren vertrösten. Selbstverständlich stehen wir Ihnen als Gesprächspartner zur Verfügung und würden uns sehr freuen, wenn Sie uns in den weiteren Beratungs- und Diskussionsprozess aktiv einbinden.

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1