Auftakt am 26. Februar - Gesprächsinitiative befasst sich mit Bundesstraßen und Bahnkreuzungen bei Königshofen / Probleme und Chancen ausloten Ebnet „runder Tisch“ Weg aus Sackgasse?

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Klaus T. Mende
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Der Doppel-Bahnübergang in Königshofen erregt seit vielen Jahren die Gemüter. Jetzt scheint Bewegung in die Sache zu kommen. © Klaus T. Mende

Lauda-Königshofen. Lange Wartezeiten am Doppel-Bahnübergang in Königshofen sind für viele ein großes Ärgernis. Jetzt kommt Bewegung in die Sache: Für Freitag, 26. Februar ist ein erster „runder Tisch“ anberaumt.

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Und das ist noch nicht alles – bei dieser Zusammenkunft soll unter anderem auch über die Möglichkeiten einer Ortsumgehung gesprochen werden. Sie würde für eine deutliche innerörtliche Verkehrsentlastung in der Messestadt, gleichzeitig aber auch für eine bessere und schnellere Anbindung an Lauda sorgen – vor allen Dingen für das Gewerbe.

Vielen Einwohnern dürfte die Ist-Situation ebenso ein Dorn im Auge sein wie zahlreichen Verkehrsteilnehmern. Die beiden Bundesstraßen 290 und 292 stellen vor allen Dingen aufgrund des viel diskutierten Doppel-Bahnübergangs nicht nur in Stoßzeiten ein Nadelöhr dar, weshalb es teilweise zu sehr langen Wartezeiten kommt.

Die Initiative ergriffen

Dass jetzt Bewegung in die Sache kommt, ist das Verdienst der örtlichen Bundestagsabgeordneten Nina Warken (CDU), die, unterstützt von ihrem Kollegen Alois Gerig (CDU), die Initiative ergriffen hat. Sie hat sich wegen des jahrzehntelangen unbefriedigenden Zustandes im mittleren Taubertal direkt an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gewandt – mit Erfolg. Dieser hat die Angelegenheit zur Chefsache erklärt – und seinen Staatssekretär Steffen Bilger beauftragt, sich der Sache anzunehmen.

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„Ja, es wird am Freitag, 26. Februar, online einen ersten ,runden Tisch’ dazu geben“, bestätigt Nina Warken entsprechende Informationen der Fränkischen Nachrichten. Nachdem sich lange Zeit nichts getan habe, sei dies zunächst einmal eine gute Nachricht für die Bevölkerung. Und die Tauberbischofsheimer Abgeordnete sagt bereits jetzt zu, auch in Zukunft „an der Sache dran zu bleiben“.

Bestandsaufnahme

Zum Auftakt des „runden Tisches“ käme man zusammen, um zunächst einmal eine Art Bestandsaufnahme zu machen. „Wir wollen mit allen Beteiligten die Probleme erörtern und die Chancen ausloten, welche Lösungen es geben könnte“, blickt Warken nach vorn – wohlwissend, dass dies sicherlich ein längerer Prozess sein dürfte. Sie sei aber zuversichtlich, dass dieses Treffen der Beginn dafür sein könnte, die Weichen dahingehend zu stellen, ein Gesamtverkehrskonzept auf den Weg zu bringen, mit dem mehrere Fliegen (Doppel-Bahnübergang, Ortsumgehung Königshofen, Anbindung an Lauda) mit einer Klappe geschlagen würden, zumal die Ortsumgehung ohnehin als „vordringlicher Bedarf“ vom Bundesverkehrsministerium eingestuft werde.

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Staatssekretär Steffen Bilger höchstselbst wird die Premiere des „runden Tisches“ leiten, an dem unter anderem neben MdB Nina Warken und MdB Alois Gerig, Vertreter der Lauda-Königshöfer Stadtverwaltung mit Bürgermeister Dr. Lukas Braun an der Spitze, Experten für die Bereiche Bahn und Ortsumgehung aus dem zuständigen Fachgebiet des Ministeriums sowie Mitglieder der Bürgerinitiative „Pro Königshofen“ teilnehmen sollen. Wer noch hinzustößt, werde in Kürze besprochen, so Nina Warken.

Neue Entwicklung

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„Ich bin Frau Warken für diese Gesprächsinitiative sehr dankbar“, freut sich auch Bürgermeister Dr. Lukas Braun, dass sich bei dieser Thematik eine neue Entwicklung aufzeigt. „Es macht Sinn, die beiden Bundesstraßen im Stadtgebiet samt Bahnkreuzungen und verkehrstechnischen Querverbindungen einmal in der Gesamtschau zu betrachten.“ Der Schultes zeigt sich vorsichtig optimistisch, dass sich jetzt ein Weg aus der Sackgasse finden lasse.

Die Königshöfer Karl Stark und Roland Stein setzen sich seit langer Zeit für eine Veränderung der gesamten Situation ein. „Die Bürgerinitiative ,Pro Königshofen’ sieht in der Schließung der beiden Bahnübergänge eine wesentliche Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in Lauda-Königshofen.“ In ihrem Antrag auf Beseitigung der schienengleichen Bahnübergänge vom 9. April 2018 an den damaligen Bürgermeister und die Gemeinderäte habe die BI dies mit der hohen Anzahl an Personen- und Güterzügen, die täglich die Bahnübergänge an der B 292 queren (etwa 120), begründet. Inzwischen habe sich diese Anzahl durch die Taktverdichtungen auf beiden Strecken deutlich erhöht, erklären beide gegenüber unserer Zeitung. Eine Besonderheit sei außerdem, dass der Bahnübergang der Strecke Lauda-Osterburken in einer Kurve liege und daher eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h vorgeschrieben sei. Entsprechend länger seien die Schranken geschlossen (an Werktagen insgesamt mehr als acht Stunden).

Eine Schließung der Bahnübergänge bedeute nicht nur die Beseitigung einer Gefahrenquelle. Die lange vor der Schranke wartenden Fahrzeugführer schalteten nicht immer den Motor ab – vor allem nicht im Winter. Daher sei auch der Umweltschutz ein weiteres Argument. Hinzu komme, dass Feuerwehr, Krankenwagen oder Notärzte im Einsatz ebenfalls lange vor geschlossenen Schranken in Königshofen warten müssten.

Einzige Anbindung

„Bei Hochwasser in Lauda ist die B 292 die einzige Anbindung an die B 290. Auch hier würde eine Beseitigung der Bahnübergänge in Königshofen den Verkehrsfluss von und nach Lauda verbessern“, so die Auffassung von Stark und Stein. Eine entsprechende Verkehrsplanung, die nicht nur Königshofen betreffe, sondern auch Lauda mit einschließe, würde zudem den täglichen Stau in Lauda von und zur B 290 (Laudaer Dreieck) erheblich entlasten sowie eine direkte Anbindung des Baugebiets „Großer Flur“ an B 290 und 292 ermöglichen. Das Gewerbegebiet in Lauda könnte schneller und besser erreicht werden, zudem würde die Hauptstraße in Königshofen entlastet werden, weil der Schwerlastverkehr dann nicht mehr den Umweg über Königshofen nehmen müsste.

Wohl wenig bedeutsam

„Dies alles scheint aber für Landes-Verkehrsminister Hermann wenig bedeutsam zu sein. Mit Schreiben vom 11. Juli 2018 teilte er mit, dass keine sicherheitsrelevanten Probleme am Bahnübergang in Königshofen festgestellt worden seien“, resümieren die BI-Frontleute. Als Grund für die Ablehnung des BI-Antrags auf Schließung der Bahnübergänge habe Hermann das FFH-Gebiet angeführt, das bereits bei der Trassenfindung der Ortsumgehung im Zuge der B 290 „der zwingende Ausschlussgrund“ gewesen sei. Die zu überbauende Fläche bei einer Schließung der Bahnübergänge sei aus ihrer Sicht jedoch eine andere als die beanspruchte Fläche des FFH-Gebiets bei der Westumgehung der B 290, die von Minister Hermann bekanntlich wegen 67 Quadratmetern nicht genehmigt worden sei.

Inwieweit die Schließung der Bahnübergänge das FFH-Gebiet tatsächlich tangieren würde, sei noch gar nicht überprüft worden. „Es ist daher nicht gerechtfertigt, die Fläche, die bei der Schließung der Bahnübergänge überbaut werden müsste, mit der überbauten Fläche im Zuge der Westtrasse gleichzusetzen“, ist abschließend zu erfahren.

Indessen dürften vor allem viele Königshöfer Bürger Hoffnungen in den „runden Tisch“ setzen, dass er für bei diesem Dauerbrenner eine neue Richtung aufzeigt.

Redaktion Mitglied der Main-Tauber-Kreis-Redaktion mit Schwerpunkt Igersheim und Assamstadt