Katholisches Männerwerk - Professor Dr. Matthias Müller-Reichart referierte zum Thema „Sind die Risiken noch überschaubar?“ Digitalisierung ist nicht zu unterschätzen

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Matthias Ernst
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Professor Dr. Matthias Müller-Reichart (Mitte) referierte über die zunehmenden Risiken in der Welt auf Einladung des katholischen Männerwerkes, vertreten durch Hermann Freitag (links) und Pfarrer Bernhard Metz. © Matthias Ernst

Sind die Risiken noch überschaubar? Professor Dr. Matthias Müller-Reichart hielt einen Vortrag beim katholischen Männerwerk im Gesellenhaus in Königshofen.

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Königshofen. Mit dem Dekan der Wiesbaden Business School in Wiesbaden hatten Hermann Freitag und Bernhard Metz erneut einen hochkarätigen Referenten für ihre Reihe: „Abend der Besinnung“ gewinnen können. Professor Dr. Matthias Müller-Reichart ist ein ausgewiesener Fachmann für die Bewertung von Risiken für die Gesellschaft.

Der aus Würzburg stammende Wissenschaftler ist neben seiner Lehrtätigkeit an der Wiesbaden Business School auch Berater der Versicherungsbranche und der Europäischen Union in Brüssel und Straßburg.

Berufswunsch Priester

Eigentlich, so stellte er sich vor, wollte er katholischer Priester nach seinem Abitur werden. Doch diesem Weg stand der Zölibat im Weg. Er hatte da schon seine heutige Frau kennengelernt, mit der er aktuell vier Kinder hat und ein glücklicher Familienvater sei.

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So wurde es nichts mit der klerikalen Ausbildung, dafür studierte er Betriebswirtschaftslehre in Passau und Würzburg und im Nebenfach Theologie. Nach seiner Promotion arbeitete er in der Versicherungsbranche und folgte 2001 einem Ruf der Universität auf seine derzeitige Professorenstelle.

„Risiko bedeutet, dass wir in einer Welt leben, die sich täglich verändert“, begann er mit einer Definition seinen abwechslungsreichen Vortrag, der vielen im Saal die Augen öffnete. „Die sich ändernden klimatischen Verhältnisse stellen vor allem die Versicherungsbranche vor große Herausforderungen, aber auch uns Menschen selbst. Wir müssen uns auf mehr Naturkatastrophen einstellen und eine wachsende Klimaerwärmung. Und auch die Niedrigzinsphase birgt viele Risiken für die Gesellschaft.“ So sei es ungeheuer schwer, vernünftige Renditen zu erwirtschaften und so für sein Alter vorzusorgen.

Bevölkerung schrumpft

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Die Menschen würden immer älter und auch dies werde das Zusammenleben in der Gesellschaft verändern, glaubt Müller-Reichart. Ohne nenneswerte Zuwanderung werde Deutschland bis zum Jahr 2060 auf 67,5 Millionen Einwohner schrumpfen und selbst bei starker Zuwanderung wie letztmals 2015 werde die Bevölkerung auf 73,05 Millionen Einwohner zurückgehen. Außerdem seien bis dahin 75 Prozent aller Haushalte ein oder zwei Personen Haushalte.

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Das „Langlebigkeitsrisiko“ sei eine nicht zu unterschätzende Gefahr, fuhr der Wissenschaftler fort. Es müssten neue Formen der Altersvorsorgesysteme eingeführt werden – und zwar jetzt schon – war sein Appell an die Politik. Dies gelte auch für die Krankenversicherung. Auch die Ausweitung der Digitalisierung sei nicht zu unterschätzen.

Die digitale Revolution berge viele Chancen, aber auch Risiken. Die Großkonzerne seien heute schon riesige Datenkraken, „die alles über uns wissen, teilweise mehr als wir selbst.“

Darin sieht Müller-Reichart eine besonders große Gefahr, denn niemand kontrolliere, wie diese Daten genutzt würden. Auch die Gentechnik bringe nicht nur Vorteile.

Bereits heute sei es möglich, sich das Wunschkind selbst zusammenzustellen. Technisch wäre es kein Problem, aber ethisch sehr bedenklich. Hier müssten sichere Überwachungsmechanismen eingeführt werden, sonst entwickele sich die Menschheit in die falsche Richtung. Eine Zersplitterung der EU in Einzelstaaten, wie sie von den Nationalisten derzeit gefordert würde, werde besonders Deutschland schaden. Wir seien auf eine starke Gemeinschaft angewiesen, vor allem vor der Tatsache, dass China mit Macht daran arbeite, eine Weltmacht zu werden.

„Wenn Europa nicht zusammensteht, wird es gegen China und die USA untergehen“, so seine These. Deutschland habe eine moralische Verantwortung mit seinem christlichen Weltbild und könne sich nicht auf eine Zuschauerrolle zurückziehen.

„Wir befinden uns in einer vernetzten Welt und das macht es besonders schwierig, auf einzelne Risiken zu reagieren. Nur bei Betrachtung des Gesamten mit all seinen Auswirkungen könne es gelingen, „dass wir die freiheitlich-christlichen Grundwerte auch weiter leben können. Wir brauchen eine bessere Risikokultur“ war seine Schlussforderung.“

Pfarrer Bernhard Metz würdigte Matthias Müller Reichart für seine offenen Worte, die einmal mehr zeigten, wie wichtig es sei, sich aus erster Hand zu informieren. Genau deshalb gebe es den Tag der Besinnung, der im nächsten Jahr mit einem neuen Referenten sicher wieder für eine Horizonterweiterung sorgen werde.