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Leserbrief - Zu „Was lernen Manager von der Natur?“ (FN 3. September) „Die Zeichen der Natur auch korrekt lesen”

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Sehr geehrter Herr Professor Hilpert, wie Recht Sie haben. In dem Interview durch Diana Seufert stellen Sie heraus, dass Manager von der Natur viel lernen können. Beeindruckt hat das Beispiel mit den Wölfen. Doch vor dem „Von der Natur lernen“ steht die Prämisse, dass man die Zeichen der Natur korrekt lesen kann.

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Leider hat der Mensch dies verlernt. So wie Sie in manchen Unternehmen erkannten, dass manche Führung vom gesunden Menschenverstand kaum mehr erreicht wird, verhält es sich mit öffentlichen Verwaltungen und der Politik.

Dr. Seel konnte um 1980 die Natur noch lesen und hat erkannt, dass man im Ahrtal etwa alle 100 Jahre mit katastrophalen Hochwässern rechnen muss. Dennoch wurde die enge Flussaue der Ahr zugebaut, in direkter Flussnähe Campingplätze angelegt, der Fluss begradigt. Nirgendwo auf den schrecklichen Bildern nach dem 14. Juli 2021 sah man Anzeichen für konstruktiven Hochwasserschutz, der Schäden und Opfer an Mensch und Siedlungen hätte mildern können.

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Prof Hilpert aus Oberlauda fragt, was lernen Manager von der Natur?

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Von
Diana Seufert
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Wen wundert es, dass der Mensch auch beim Klimawandel die Natur nicht mehr lesen kann oder will. Im Taubertal wird über Schäden in den Wäldern durch Trockenheit berichtet. Tatsächlich tritt hier etwa alle Jahrzehnte größere Trockenheit auf. Die trockensten Jahre seit 1881 waren 1920 und 1921. Wo man Wein anbaut, spricht man über Silvaner und Tauberschwarz, aber „Fichte“ ist ein Fremdwort. Die Fichte war wegen regelmäßiger Trockenheit noch nie ein natürlicher Baum des Taubertales. Vergessen ist längst, dass die Entdeckung der Heilquellen 1826 nur aufgrund niedriger Tauber nach einem trockenen Hitzesommer möglich war. 1826 war ein Jahr mit herausragender Trockenheit für ganz Mitteleuropa. Seine Klimageschichte ist gekennzeichnet von einem ständigen Wechsel zwischen wärmer und feuchter und kälter und trockener.

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Nach konzentriertem Lesen der Natur weiß die US-Weltraumbehörde NASA, dass die Sonne maßgeblich die Erwärmung und Abkühlung der Atmosphäre bestimmt. Sie steuert damit auch die Lage und Intensität des Jetstreams. Dieses Starkwindband steuert wiederum Wetter und Klima in Mitteleuropa.

Sie werden mir weiter zustimmen, dass man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen sollte. Ein Teil der Klimawissenschaft errechnet aber aus Äpfel und Birnen einen Mittelwert und stützt darauf die Notwendigkeit einer Energiewende zum Schutz des Klimas. „Äpfel und Birnen“ sind die völlig unterschiedlichen Klimaentwicklungen der einzelnen Klimaregionen der Erde. In den Tropen begann eine stetige Erwärmung bereits um 1820. Die Arktis zeigt einen starken zyklischen Klimaverlauf. Um den westlichen Indischen Ozean dauerte die Klimaerwärmung genau ein Jahr. Mit dem stärksten El Nino des 20. Jahrhunderts wurden dort die klimatischen Bedingungen mit einem Schlag umgestellt. Aus mittleren Klimadaten kann man keine Aussage auf die tatsächliche Ursache treffen. Kein Manager einer Unternehmensgruppe gründet seine Entscheidungen auf pauschalen Mittelwerten. Er wird sich immer die einzelnen Teilfirmen genau anschauen und deren konkrete Entwicklung bewerten.

Auf Grönland hat sich die Schmelze in ein Anwachsen der Schneemasse umgekehrt. In der gesamten Arktis waren in den 90er Jahren die Temperaturen überdurchschnittlich hoch, seit einigen Jahren liegen sie aber wieder unter dem Durchschnitt. Der Rückgang des Meereises scheint gestoppt zu sein. Die Natur scheint an einem neuen Kapitel zu schreiben, möglicherweise einem neuen Kapitel der Abkühlung.

Es liegt an uns, ob wir unsere Entscheidungen nahe oder fern des gesunden Menschenverstandes treffen.

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Danke für Ihre aufklärenden Worte, Herr Professor Hilpert.

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