Forstwirtschaft - Gemeinderat informierte sich bei traditionellem Waldrundgang über die Ziele der nächsten Jahre Die Förderung der Eiche hat Vorrang

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Peter D. Wagner
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Einen Überblick über den Kommunalforst der Stadt Lauda-Königshofen verschafften sich der Gemeinderat und Bürgermeister Thomas Maertens bei einem öffentlichen Rundgang im Wald zwischen Lauda und Heckfeld unter Führung von Karlheinz Mechler, stellvertretender Forstamtsleiter des Main-Tauber-Kreises sowie Leiter des Forstamts Sachgebiet Süd, und dem lokalen Forstamtsrevierleiter Ulrich Stier.

© Peter D. Wagner

Lauda-Königshofen. Einen Überblick über den Kommunalforst der Stadt Lauda-Königshofen verschafften sich der Gemeinderat und Bürgermeister Thomas Maertens bei einem öffentlichen Rundgang im Wald zwischen Lauda und Heckfeld unter Führung von Karlheinz Mechler, stellvertretender Forstamtsleiter des Main-Tauber-Kreises sowie Leiter des Forstamts Sachgebiet Süd, und dem lokalen Forstamtsrevierleiter Ulrich Stier.

Der Stadtwald Lauda-Königshofen in Fakten und Zahlen

  • Der Stadtwald Lauda-Königshofen umfasst eine forstliche Betriebsfläche von insgesamt 988 Hektar.
  • Eichenmischwälder befinden sich auf rund einem Drittel des Kommunalwaldes.
  • Auf 71 Prozent der Waldfläche stocken Laubbäume, mit Eiche als klar führende Baumart
  • Bemerkenswert hoch ist der Anteil von Waldkiefer und Douglasie mit jeweils etwa zehn Prozent.
  • Der Holzvorrat liegt derzeit bei 324 Festmeter pro Hektar, was sowohl ein Spitzenwert in der Region darstellt als auch gegenüber der Vorinventur deutlich zugenommen hat.
  • Die betriebswirtschaftliche Situation stellt sich sehr gut dar. Durchschnittlich wurden jährlich rund 125 000 Euro Gewinn aus dem Wald erwirtschaftet, was je geernteten Festmeter etwa 25 Euro entspricht.
  • Die neue, seit 1. Januar für die kommenden zehn Jahre gültige Forsteinrichtungsplanung sieht einen Hiebsatz von jährlich etwa 5500 Festmetern und insgesamt von etwa 55 000 Festmetern vor, der zwar knapp unter der letzten Forsteinrichtungsplanung, jedoch genau auf dem damaligen Vollzugsniveau liegt.
  • Die geplanten Pflanzmaßnahmen belaufen sich auf gut zehn Hektar, wobei das Einbringen der sehr zukunftsträchtigen Douglasie auf sieben Hektar und Eiche auf 2,5 Hektar deutlich im Vordergrund steht.
  • Pflegemaßnahmen von Jungwüchsen sind auf rund 112 Hektar und damit knapp unter Vollzugsniveau erforderlich und geplant, um eine positive Qualitätsentwicklung sicherzustellen.
  • Ästungen sind bei etwa 1200 Bäumen notwendig und sinnvoll. pdw
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Bei dem rund zweistündigen Besichtigungsrundgang stand insbesondere im Mittelpunkt, wie sich die betrieblichen und waldbaulichen Zielsetzungen im Rahmen der Forsteinrichtungsplanung auf die Bewirtschaftung des Stadtwaldes auswirken. Dies wurde exemplarisch an kommunalen Forstbeständen im "Großen Eichwald" und im Distrikt "Eisberg" aufgezeigt und erörtert.

"Die Stadt Lauda-Königshofen wünscht sich eine verantwortungsbewusste, nachhaltige Nutzung und Pflege des Waldes mit regelmäßig wiederkehrenden lenkenden Eingriffen von mäßiger Eingriffsstärke im Sinne der Auslese und Förderung qualitativ bester Bäume, der Betriebssicherheit, der Vorratspflege sowie der Ernte nach qualitätsabhängigen Zieldimensionen", lautete ein Ratsbeschluss zur Zielsetzung der Waldbewirtschaftung im Stadtwald Lauda-Königshofen vom April 2015.

Definierte Naturziele seien eine konsequente Förderung der Eiche, das Anstreben eines langfristigen Anteils von 20 Prozent bei den raschwüchsigen Nadelbäumen sowie ein Nutzungsverzicht in ausgewählten strukturreichen Waldbeständen.

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"Vorrang hat die Förderung der Eiche und dabei unter anderem auch eine Erhaltung des Starkholzvorrates", unterstrichen Mechler und Stier im Rahmen der Besichtigung eine dem Ratsbeschluss und den definierten Naturzielen gemäßen Devise bei der Bewirtschaftung und Pflege des Kommunalforstes. Dementsprechend standen Eichenbestände auch bei der Waldbegehung im speziellen Fokus.

31 Prozent Eichen

Derzeit betrage der Eichenanteil im Stadtwald 31 Prozent, zumal die Eiche die Charakterbaumart im Taubertal sei. In den Baum- und Althölzern sei es besonders deutlich zu erkennen, dass die Buche der Eiche in die Krone wachse und diese allmählich zum Absterben bringe. Zudem könnten sich Buchen, Hainbuchen, Bergahorn und manch weitere Laubholzarten bereits bei geringen Lichtverhältnissen verjüngen und halten.

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Falle Eichensamen auf diese Fläche, gelange der Sämling zwar zum Keimen und könne sich zwei Jahre lang halten, vergehe jedoch dann aus Lichtmangel. Daher betrage der Eichenanteil im Naturverjüngungsvorrat lediglich ein Prozent.

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Deshalb seien forstliche Maßnahmen darauf ausgerichtet, gute Wuchsbedingungen für Eichen zu schaffen und die Konkurrenz "auszuschalten", unter anderem durch Freihalten der Eichenkrone mittels Einschlag von einwachsenden konkurrierenden Baumarten sowie Begünstigung der Verjüngung von Eichenbeständen, auch wenn dies sehr viel Arbeits- und Zeitaufwand erfordere.

Der Anteil wuchskräftiger Nadelbäume wie Fichten, Tannen, Lärchen und insbesondere Douglasie betrage aktuell nur mehr 17 Prozent sowie im Verjüngungsvorrat mit jungen Bäumen unter dem Schirm von Mutterbäumen sogar lediglich 0,5 Prozent.

"Will man diese Entwicklung aufhalten, müssen konsequent neue Nadelbaumstrukturen begründet werden", erklärten Mechler und Stier.

Die Forsteinrichtung habe die Bestände identifiziert, die in Nadelbäume verjüngt werden sollten. Diese Flächen müssten unter anderem eingezäunt werden. Nach Angaben der beiden Forstexperten wolle man im Kommunalwald langfristig einen Nadelholzanteil von rund insgesamt 20 Prozent bzw. einen Douglasienanteil von 17 Prozent anstreben.

Hervorragende Marktpreise

Auch wenn der Markt seit Längerem eine sehr starke Nachfrage nach Eichenholz erlebe, hätten sich viele Holzverarbeiter auf Nadelholz spezialisiert, weil diese Baumarten "industriell" und somit rationell verarbeitet werden könnten, während Laubbäume in der Regel "handwerklich" verarbeitet werden müssten. Gleichwohl seien die Marktpreise für Eichenholz nach wie vor im Durchschnitt außergewöhnlich hoch, wie sich auch auf den jährlichen Stammwertholzsubmissionen wiederholt gezeigt habe.

Stilllegungsflächen

Im Stadtwald als "Extensivbestände" seien laut Mechler inzwischen 77,4 Hektar Fläche ausgewiesen, von denen knapp die Hälfte (31,8 Hektar) "Stilllegungsflächen" als potenzielle Waldrefugien seien, in denen zukünftig keine Nutzungen mehr erfolgten. In den restlichen Extensivbeständen seien nur geringe Nutzungen geplant, mit dem Ziel des Erhalts besonders markanter Einzelbäume gegen nachdrängende Konkurrenz oder der Verkehrssicherung an Wegen und Straßen.

Als Extensiv- oder Stilllegungsbestände seien Flächen eingeordnet worden, die unter anderem aufgrund schwacher Standorte oder unzulänglichen Lage und Erschließungssituation keine regelmäßige Nutzung ermöglichten. Zugleich wiesen Mechler und Stier darauf hin, dass ökologische Verbesserungen bei Stilllegung von Flächen sogenannte "Ökopunkte" für kommunale ökologische Ausgleichs- und Kompensationsmaßnahmen bringen würden.

"Wir wollen bei Maßnahmen wie etwa größeren Einschlägen und Räumungen für Neubepflanzungen und Verjüngungen die Sorgen der Bürger mit Offenheit und fachlich fundierter Information begegnen", hob Maertens übereinstimmend mit Mechler und Stier hervor. Damit wolle man eine womöglich bessere Akzeptanz zuweilen erforderlicher größerer Forstmaßnahmen erreichen.

Positive Ergebnisentwicklung

Eine erneut positive Ergebnisentwicklung der städtischen Forstwirtschaft auch in finanzieller Hinsicht konnte im Anschluss an die Begehung des Kommunalwaldes der Kämmerer und Wirtschaftsamtsleiter der Stadt Lauda-Königshofen, Günter Haberkorn, vermelden. Demnach habe im Jahr 2014 ein Ergebnis von fast 200 000 Euro erzielt werden können.

Für 2015 betrage, so Haberkorn, das Überschussergebnis laut Plan 56 000 Euro sowie für 2016 etwa 65 000 Euro.