Geburtstag - Anna Margarete Wendel feiert heute im Lotte-Gerok-Haus in Lauda ihren 95. Geburtstag Charakterstark, offen und stets hilfsbereit

Lesedauer: 

Lauda. Als Anna Margarete Wendel 1920 in Flensburg auf die Welt kam, hieß Deutschland noch "Deutsches Reich" und die "Goldenen Zwanziger" standen noch bevor. Als jüngere von zwei Schwestern wuchs Annegret, wie sie genannt wurde, in einer der nördlichsten Städte Deutschlands an der Grenze zu Dänemark auf. Geprägt durch ihr offenes und gastliches Elternhaus war auch Annegret Wendel herzlich, aufgeschlossen, kontaktfreudig und hilfsbereit, was sich nie geändert hat.

AdUnit urban-intext1

Nach ihrer Ausbildung zur Sekretärin kam sie durch den Krieg nach Norwegen, wo sie als Stabshelferin tätig war. Kurz vor Kriegsende lernte sie ihren Ehemann in spe, Emil Wendel, kennen. "Er war ein sehr gut aussehender Mann", beschrieb Anna Margarete Wendel ihre große Liebe, die 2008 im Alter von 94 Jahren gestorben ist. Im Gegenzug trug Emil Wendel seine "Dede", wie er sie nannte, auf Händen. 1945 heirateten Annegret und Emil Wendel, nachdem sie im Grunde desertiert waren.

Doch die schweren Zeiten, in denen sie sich auf Bauernhöfen und in Scheunen verstecken mussten, hatten das Paar zusammengeschweißt. Und zusammen schlugen sie sich dann auch bis nach Emil Wendels Heimatstadt Frankfurt am Main durch, wo ihre Kinder Heidemarie, Dorothea und Holger zur Welt kamen.

In Frankfurt engagierte sich Annegret Wendel, die auch Rettungsschwimmerin gewesen ist, sehr in der Wartburgergemeinde, mit der sie - auch nach ihrem Wegzug - eng verbunden war. Bis zu ihrem Ruhestand 1960 war sie in verschiedenen Helferkreisen, Gremien, der Kleiderkammer und als Sekretärin im Pfarrbüro tätig. Auch im Kirchenchor war sie aktiv.

AdUnit urban-intext2

Ein schwerer Schlag war es für Annegret und Emil Wendel, als ihr Sohn 1994 an einem Tumor starb. Doch wo Schatten ist, gibt es auch Licht, zum Beispiel in "Form" von Jochen, geboren 1970. Als einziger Enkel war er immer sehr wichtig für seine Großeltern - und ist es bis heute. Denn auch, wenn die nun 95-Jährige von ihrer demenziellen Erkrankung gezeichnet ist und eine Makuladegeneration sie seit 2005 sukzessiv erblinden ließ: auf den Besuch ihres in Bad Aibling wohnenden Enkels, dessen Frau und die drei Urenkel freut sich die Seniorin, die seit 2008 pflegerisch betreut wird.

Aufgrund ihrer Erblindung war für die "Kämpfernatur", die sich bis zu diesem Zeitpunkt selbst versorgt hatte und dabei von ihrem Mann unterstützt worden war, ein Leben alleine und ohne fremde Hilfe nicht mehr möglich.

AdUnit urban-intext3

Bis zu ihrer Erkrankung hat Annegret Wendel gern gelesen - vor allem moderne Klassiker und Werke gegenwärtiger Autoren wie Eveline Hasler. Auch Kreuzworträtsel und Handwerksarbeiten wie Stricken musste sie irgendwann aufgeben. Seit September 2014 lebt sie im Lotte-Gerok-Haus - nur noch wenige Minuten von ihrer Tochter und Schwiegersohn Albrecht Krämer entfernt. Heute feiern sie gemeinsam mit den engagierten Pflegern Joana Dosch und Sascha Haag den Geburtstag der Jubilarin. Enkel und Urenkel gratulieren heute aus der ferne - und die Fränkischen Nachrichten schließen sich den Glückwünschen an. bpd