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Konzert im Martin-Schleyer-Gymnasium - Blockflötist meditierte und inspirierte erfrischend

Blockflötist Hans-Jürgen Hufeisen ist ein Barde mit Atempausen für die Seele

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ferö
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Nicht abgehoben, sondern mittendrin: Komponist und Blockflötist Hans-Jürgen Hufeisen. © Felix Röttger

Lauda. Eigentlich sollte der Flötenvirtuose Hans-Jürgen Hufeisen mit Oskar Göpfert als Klavierbegleiter bereits im November letzten Jahres zusammen mit einem von Tina Zaß geleiteten Projektensemble aus Flötengruppen im Taubertal konzertieren. Die Corona-Pandemie machte dem Bildungszentrum Tauberbischofsheim, der Diözesanen Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung der Erzdiözese Freiburg und der Schule für Musik und Tanz im Mittleren Taubertal einen Strich durch die Rechnung.

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Umso glücklicher zeigten sich jetzt die gemeinsamen Veranstalter, den weltbekannten Flötisten, der seit zwanzig Jahren auch die Kirchentage in Deutschland musikalisch bereichert, in der um 19 Uhr noch vom Sonnenlicht durchfluteten Aula des Martin-Schleyer-Gymnasiums in Lauda begrüßen zu können.

Es folgte ein ganz außergewöhnliches Konzerterlebnis mit Blockflöten, die landläufig als „Anfängerinstrument“ angesehen werden. Dabei wird übersehen, dass keine Instrumentenfamilie von der kleinen Piccolo-Flöte bis hin zur großen Bassflöte so viele Mitglieder aufzuweisen hat. Für diesen Abend hatte Hans-Jürgen Hufeisen eine Alt-, Sopran- und Pikkoloflöte mitgebracht, die Instrumentenbauer Matthias Beck, der auch schon als Trompeter mit Hufeisen Konzerte gab, eigens für ihn gebaut hatte. Bei pfleglicher Behandlung haben diese hochwertigen Flöten eine Lebensdauer von bis zu dreißig Jahren, wie vom Künstler zu erfahren war. Unglaublich vielfältig war das Kaleidoskop von Tönen mit diesen Instrumenten.

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Kein Abgesang der Blockflöte

Dem durchaus auch für ihn drohenden Abgesang der Blockflöte arbeitet Hufeisen bei Tourneen mit attraktiven Unterrichtsangeboten an seinen jeweiligen Konzertorten entgegen. Er freute sich deshalb sichtlich über das große Projektensemble mit der ganzen Instrumentenbreite der Blockflöte.

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Dirigentin Tina Zaß hatte das Ensemble, in das sich auch Musikschulleiter Edgar Tempel eingereiht hatte, hörbar mit Akribie vorbereitet und trat auch im Duett mit dem Stargast auf. Dessen stupende Fingerfertigkeit erlaubte anspruchsvolle Bearbeitungen reizvoller Melodien, die er in den Kontext einer kontemplativ-optimistischen Betrachtung über die Welt stellte. Für ihn stehen die Sterne gut und ändern sich nicht, nur unsere Sichtweise; etwa auf die Venus als Abend- oder Morgenstern. Hufeisen erinnerte an den Mai als Marienmonat brachte mit zart-schwebenden Klängen das „Ave Maria“ von Bach und Gounod zu Gehör. Atemlos lauschte das tief berührte Publikum.

Eigene Bearbeitungen

Von Reisen nach Irland hatte der Komponist Weisen mitgebracht, die er für ein Blockflöten-Ensemble transkribierte und in Lauda als Moderator kommentierte. Er erinnerte an den Torf, der schon von den Kelten als Lebensspender gefeiert wurde, oder auch an das Phänomen der im Winter blühenden Christrose. Angetan zeigte sich Hufeisen von dem „Palmentanz“, ein reizvolles Stück des israelischen Akkordeonisten Amitai Ne´emen, das er für die Blockflöte fortschrieb. Als berückendes Tongemälde entfaltete sich die Komposition „Feuerwalzer“.

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Der 68-jährige Künstler aus Zürich beeindruckte mit starker Bühnenpräsenz, wobei er mitten im Ensemble agierend intensiven Kontakt mit den Mitwirkenden und dem Publikum suchte. Die besondere Stimmung im Saal kommentierte er prompt: „Vor 1000 Jahren wäre ich Barde gewesen.“ Das von Mozart vertonte Volkslied „Komm, lieber Mai“ war dann eine weitere bekannte Melodie, die zu hören war. Neben dem Können des Solisten beeindruckte das faszinierende Zusammenspiel der schneller und langsamer schwingenden hohen und tiefen Flöten. Engel schwebten mit dem berückend vorgetragenen Wiegenlied „Abendsegen“ aus Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ in die Laudaer Aula ein. Spontan versprach Hufeisen ein weiteres gemeinsames Konzert, für das er dann einen Ensemble-Satz schreiben werde. Eine zweifach wundersame Nachricht, die von den Mitspielern und dem Publikum mit großem Enthusiasmus aufgenommen wurde. Die Blockflöte ohne Zukunft? Von wegen …. ferö

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