Ausstellung - "Ist zum Kotzen" in der Geschäftsstelle der Sparkasse Tauberfranken in Lauda zu sehen "Auch ohne Alkohol kann man feiern"

Lesedauer: 

Bei der Eröffnung (von links) der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Tauberfranken, Peter Vogel, Landrat Reinhard Frank, die Beauftragte der Bundesregierung für Drogenfragen, die Abgeordnete Marlene Mortler, und der Vorsitzende des Fördervereines des Aktionskreises Suchtprophylaxe, MdB Alois Gerig.

© Herbert Bickel

Lauda. "Jede Droge ist ein Betrug am Gehirn": Dies ganz abgesehen von den Folgeschäden, bekräftigte die Beauftragte der Bundesregierung für Drogenfragen, Marlene Mortler, als sie nun im Rahmen ihrer Kampagne gegen Missbrauch einen Zwischenstopp im Taubertal einlegte. Im Beisein einer illustren und umfangreichen Gästeschar eröffnete die CSU-Bundestagsabgeordnete aus dem Nürnberger Land am späten Mittwochnachmittag in der Geschäftsstelle der Sparkasse Tauberfranken in Lauda die Ausstellung "Ist zum Kotzen".

Aktionskreis Suchtprophylaxe feiert 30-jähriges Bestehen

  • Die Ausstellung "Ist zum Kotzen", die derzeit in der Kundenhalle der Sparkasse Tauberfranken in Lauda zu sehen ist, macht im Laufe des Jahres noch Station in den weiteren Geschäftsstellen. So vom 4. bis 29. Mai in Wertheim, vom 1. Juni bis 3. Juli in Bad Mergentheim und vom 7. September bis 9. Oktober in Tauberbischofsheim.
  • Im Rahmenprogramm findet am Donnerstag, 23. April, um 19.30 Uhr in der Laudaer Sparkasse der Elternabend "Chill mal 'n Meter" zu jugendlichen Lebenswelten und die Herausforderung für Erwachsene mit den Referenten Bernhard Bopp, Leiter der Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Caritasverbandes im Tauberkreis, und Gerhard Heine von der Suchtberatungsstelle im Kreis statt.
  • Das Thema "ADHS-Symptome, Ursachen und Behandlungsgrundsätze" behandelt Ernst Hartmann von der Erziehungsberatungsstelle des Caritasverbandes in Tauberbischofsheim am Mittwoch, 29. April, ab 19.30 Uhr in seinem Vortrag in der Sparkasse in Lauda.
  • "Saufen und Kiffen, bis der Notarzt kommt", unter diesem Titel läuft eine weitere Veranstaltung am Montag, 18. Mai, um 19.30 Uhr in der Sparkasse in Wertheim mit dem Referenten Dr. Freiherr von Lamezan von der Wertheimer Rotkreuzklinik. bix
AdUnit urban-intext1

Mit dieser aufrüttelnden Schau, die noch durch den Kreis tourt, feiert der Aktionskreis Suchtprophylaxe (AkS), das Netzwerk, das die verschiedenen Akteure auf dem Gebiet der Prävention in hiesigen Gefilden miteinander verbindet, sein 30-jähriges Bestehen.

Provokativ und plakativ

Bei mit Applaus förmlich überschütteter musikalischer Umrahmung durch ein Instrumental- und Gesangs-Trio der Kaufmännischen Schule aus Bad Mergentheim wies der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, Peter Vogel, darauf hin, dass es für das Geldinstitut keine Frage gewesen sei, diese Veranstaltung zum Jubiläum auszurichten. Vogel, der das Motto zwar durchaus provokativ, aber auf jeden Fall interessant und plakativ fand, hob hervor, dass man sich in diesem Umfeld regelmäßig sozialen Themen widme.

Als Beispiel nannte der Vorsitzende des Vorstands die bereits 2011 gezeigte Ausstellung "Alkohol - bunt statt blau", ehe er zum diesjährigen Angebot in der Kundenhalle besonders die Organisatoren Sandra Hügel vom Landratsamt und Gerhard Heine von der Suchtberatung in das Blickfeld rückte.

AdUnit urban-intext2

Nachdem der Sparkassen-Chef noch ein eigens für die Schüler aufgelegtes Büchlein ausdrücklich empfohlen hatte, würdigte Landrat Reinhard Frank den Besuch aus Berlin, dass er sich aus diesem Anlass die Zeit genommen habe, später noch unterstrichen durch ein Blumengebinde. Über ein afrikanisches Sprichwort spannte der Landrat danach den Bogen zur traurigen Tatsache, dass der Main-Tauber-Kreis bei der Einlieferung junger Menschen in die Kliniken - bedingt durch Alkoholexzesse - auf einem vorderen Platz rangiere. Gerade die Sucht im öffentlichen Raum gelte es anzuprangern, betonte Frank, der darauf aufmerksam machte, dass hier die Probleme recht frühzeitig erkannt worden seien.

Der Kreistag habe daher schon 1985 den Aktionskreis Suchtprophylaxe ins Leben gerufen, ein gut funktionierendes Netzwerk aus zahlreichen Teilen, wusste der Behördenleiter, der die einzelnen Institutionen aufzählte, bevor er über die Beauftragte im Amt, Sandra Hügel, noch mit Beispielen aus der Prävention aufwartete. Die Zeitspanne über 30 Jahre verdeutlichte ebenso der Vorsitzende des Fördervereines, Alois Gerig, der festhielt, dass man nicht dem Irrglauben unterliegen dürfe, im ländlichen Raum spielten etwa Drogen und Alkohol keine Rolle. Gerade innerhalb der Familien betrachte er es als wichtig, diese gesamte Bandbreite ernst zu nehmen, mahnte der Bundestagsabgeordnete, der alle Mitwirkenden für ihre ehrenamtliche Bereitschaft lobte, zu jeder Zeit die entsprechenden Hilfen anzubieten.

AdUnit urban-intext3

Nach einem kurzen Schwenk zu ihrem Kollegen, dem "ehrlichen Makler" MdB Alois Gerig, stellte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, klar, dass man auch ohne Alkohol richtig feiern könne. Das 30-jährige Bestehen bilde den perfekten Grund hierfür, zumal man auf eine bisherige "Super-Arbeit" zurückblicke, dokumentiert unter anderem durch etliche verliehene Preise und Auszeichnungen. Der Gast aus Berlin, seit gut einem Jahr im Amt, der den Begriffen Verantwortung und Vorbildfunktion eine große Wertigkeit einräumte, befasste sich dann näher mit der Praxistauglichkeit des Netzwerkes. Nach einem Abstecher zum jetzt gezeigten Projekt, entstanden 2002 in Lörrach und längst evaluiert, erläuterte die Repräsentantin der Regierung den Aufbau der Ausstellung "Ist zum Kotzen".

AdUnit urban-intext4

Das Augenmerk auf die über 2,6 Millionen Kinder richtend, die in Deutschland in suchtbeladenen Familien lebten, forderte Marlene Mortler dazu auf, nicht nur die Symptome zu behandeln, sondern sich vor allem mit den Ursachen zu beschäftigen. Als wichtig betrachte sie es, so die Hauptrednerin zur Eröffnung, dem Nachwuchs sowie speziell den 18- bis 25-Jährigen einen klaren Leitfaden an die Hand zu geben, der nichts beschönige. Beim Rauchen kristallisiere sich bereits ein Rückgang heraus, um so mehr Sorgen bereite dafür derzeit die Ausbreitung der synthetischen Drogen wie beispielsweise Crystal Meth, das direkt in die Abhängigkeit führe, ergänzte die Beauftragte, die abschließend ihre in Kolumbien gewonnenen Erkenntnisse auch in Hinsicht auf eine mögliche Cannabis-Freigabe in folgendem Satz bündelte: "Ich bin nun mal eben ein strikter Verfechter der Gesundheit." bix