Ehemaliges Kasernenareal - Gemeinderat befürwortete Entwurf des Bebauungsplans und fasste erneut Beschluss zur Auslegung Wohnbebauung in urbanem Gebiet des Gewerbeparks II

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hpw
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Külsheim. Der Külsheimer Gemeinderat beschäftigte sich in seiner Sitzung am Montag in der Festhalle intensiv mit der Aufstellung des Bebauungsplans für das Gewerbe-, Industrie-, Sondergebiet und ein urbanes Gebiet im Gewerbepark II. Das Gremium stimmte dem Entwurf bei vier Gegenstimmen und zwei Enthaltungen zu.

Im Gemeinderat notiert

In der Sitzung des Külsheimer Gemeinderats am Montag informierte Bürgermeister Thomas Schreglmann, dass die Kommune künftig beiden Hausbanken für Einlagen Verwahrentgelt zahlen müsse, auch Strafzins genannt. Die Stadt liege über dem Limit, weil einige Großprojekte noch nicht angelaufen seien.

In seiner jüngsten nichtöffentlichen Sitzung hat der Gemeinderat beschlossen, die Liegenschaft des katholischen Kindergartens in Külsheim samt Mesnerhaus zu kaufen. Die Kirchengemeinde möchte Planungssicherheit. Der Besitzübergang mit Nutzen und Lasten soll erst mit dem Tag des vollständigen Auszugs des Kindergartens erfolgen.

Auf Anfragen der Bürger hieß es, dass der Anteil der Fichte im Stadtwald Külsheim derzeit sieben Prozent beträgt. Für eine „Forstrettungskette Wald“ gebe es aktuell in Baden-Württemberg im Gegensatz zu Bayern keine Förderung vom Land. hpw

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Wie Irene Trabold vom Bauamt erläuterte, habe sich das Gebiet seit Aufgabe des Bundeswehrstandorts und dem Erwerb des Kasernenareals durch die Stadt 2007 zum attraktiven Gewerbestandort entwickelt. Im Laufe der Jahre seien bei einer Gesamtfläche von 53 Hektar bereits rund 22 Hektar an Firmen verkauft, etwa elf Hektar an Gewerbebetriebe vermietet worden. Das Areal sei als Sondergebiet ausgewiesen.

Im Jahr 2009 sei ein Bebauungsplan aufgestellt worden, so Trabold, um das Ganze mit dem Baurecht in Einklang zu bringen. Aufgrund gravierender Änderungen sei dieses Verfahren aufgehoben worden. Im März 2013 beschloss der Gemeinderat, für das gesamte einstige Kasernenareal einen Bebauungsplan für ein Industrie-, Gewerbe- und Sondergebiet aufzustellen. Nach weiteren Verfahrensschritten hätten alle weiteren Bauvorhaben baurechtlich genehmigt werden können.

Es habe sich aber bereits damals abgezeichnet, dass sich eventuell erneute Änderungen ergeben könnten. Deshalb sei das Bebauungsplanverfahren nicht zu Ende gebracht worden. Dadurch sei die Weiterentwicklung des gesamten Areals jedoch nicht behindert worden. Inzwischen habe die Verwaltung über die Möglichkeit einer Wohnnutzung nachgedacht, so wie dies schon 2013 vom Regierungspräsidium Stuttgart angeregt worden sei.

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Trabold verwies auf die sehr hohe Nachfrage nach Bauplätzen im privaten Bereich in den vergangenen Jahren. Das habe den Gedanken verfestigt, eine Wohnnutzung im Gewerbepark II zuzulassen. Damit könnten Außenbereichsflächen geschont und vorhandene technische Infrastruktur genutzt werden. Mitte 2019 habe der Gemeinderat den entsprechenden Entschluss gefasst.

Planung überarbeitet

Wie die Verwaltungsmitarbeiterin erklärte, könne nach Rücksprache mit dem Landratsamt am bestehenden Verfahren weitergearbeitet werden. Es sei jedoch ein erneuter Auslegungsbeschluss zu fassen. Der bestehende Bebauungsplanentwurf sei überarbeitet, die Wohnbauplanung ausgereift und eine erneute flächenbezogene Schallimmissionsprognose mit Emissionskontingenten erstellt. Der bestehende Umweltbericht sei nochmals überarbeitet worden und eine artenschutzrechtliche Beurteilung erfolgt. Die Rednerin ging ausführlich auf die Gebietsaufteilung mit den vorgesehenen Nutzungen ein. Sie listete dabei ein eingeschränktes Industriegebiet, ein Gewerbegebiet, eingeschränkte Gewerbegebiete, Sondergebiete für Sportplatz und Sportanlagen, je ein Sondergebiet Feuerwehr und für großflächigen Einzelhandel, öffentliche Verkehrsflächen und urbane Gebiete auf. Die gesamte Erschließung mit Abwasser, Wasserversorgung, Gas-, Stromversorgung und Straße sei im gewerblichen Plangebiet bereits ausreichend vorhanden. Für die Löschwasserversorgung werden vorhandene unterirdische Tanks zu Löschwasserbehältern umgerüstet. Nur im urbanen Gebiet im Bereich der Wohnbebauung müsse noch eine Wohnstraße gebaut werden.

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Zum Naturschutz, so Trabold, habe eine Eingriffs- und Ausgleichsuntersuchung ergeben, dass ein erhebliches Defizit bestehe. Dieses müsse vor Satzungsbeschluss ausgeglichen werden. Die Umsetzung könne nach Baufortschritt erfolgen. Die artenschutzrechtliche Beurteilung sei erfolgt, ein Ergebnis liege noch nicht vor.

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Bürgermeister Thomas Schreglmann meinte, insgesamt komme man ein ganz großes Stück weiter, erreiche eventuell die Zielgerade des Konversionsprozesses. Martin Winkler zeigte sich mit den Plänen zumeist einverstanden. Allerdings sah er die Wohnbebauung zu nahe am Industriegebiet.

Gegenargumente

Matthias Berberich argumentierte, früher habe man das Gewerbe aus dem bewohnten Bereich herausgenommen. Es sei „nicht nachvollziehbar“, dass jetzt ein Wohngebiet im Gewerbegebiet entstehen solle. Er werde nicht zustimmen. Auch Stefan Grimm rieb sich an dem Gedanken, neben ein Gewerbe- ein urbanes Gebiet zu setzen. „Urbanes Gebiet“ sei „kein Wohngebiet“, alles sei schwierig zu verstehen.

Matthias Ruff sah manches zu schwammig formuliert, „urban“ gehöre genauer ausgewiesen. Insgesamt sei der Vorschlag eine gute Idee. Sebastian Seitz zeigte sich „grundsätzlich positiv eingestellt“ und hiterfragte die fußläufige Erreichbarkeit. Schreglmann ergänzte, am früheren Soldatenheim sei eine solche Anbindung möglich. Stefan Adelmann sah mögliche Konflikte zwischen Nachbarn wegen entstehenden Lärms. Berberich formulierte diesen Gedanken so: „Ärger ist programmiert.“

Der Gemeinderat befürwortete den Entwurf des Bebauungsplans bei Enthaltungen von Alfred Bauch und Stefan Grimm sowie Gegenstimmen von Stefan Adelmann, Matthias Berberich, Martin Winkler und Lars Wölfelschneider. Die Verwaltung wurde mit der öffentlichen Auslegung beauftragt. hpw