Partnerschaft - Auch die Freunde der Külsheimer in der ungarischen Stadt Pécsvárad spüren in ihrem Alltag die Auswirkungen von Corona Telefonate statt persönlicher Treffen

Von 
Hans-Peter Wagner
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Normalerweise ist auf der Hauptstraße in Pécsvárad stark frequentiert. Denn hier sind in der Ortsmitte ein Gasthaus, Metzger, Bäcker, Gemüsehändler und Tabakladen angesiedelt. Momentan jedoch ist aufgrund von Corona nur sehr wenig los. © Mihály Baumann

Külsheim pflegt seit 1992 eine Partnerschaft mit der ungarischen Stadt Pécsvárad. Wegen Corona sind Besuche momentan nicht möglich. Die FN haben nachgefragt, wie dort die Lage ist.

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Külsheim/Pécsvárad. Die im Mittelalter gegründete Stadt Pécsvárad im Süden Ungarns hat über 4000 Einwohner und liegt knapp 1000 Kilometer von Külsheim entfernt. Durch die Pandemie hat sich auch in dieser Kommune das Leben stark verändert. Es wurden Anordnungen beschlossen, Empfehlungen ausgesprochen, die denen hierzulande gleichen oder ähneln. Bürgermeister János Zádori und Mihály Baumann, Präsident der deutschen Nationalitätenselbstverwaltung, erklärtem, das Vorgehen sei angemessen. Die Maßnahmen würden von den Bürgern geduldig akzeptiert.

Noch kein bestätigter Fall

Mitte April gab es in ganz Ungarn etwa 100 000 Covid-19-Fälle. Diese konzentrierten sich auf die Region um die Hauptstadt Budapest. In Pécsvárad wurde nach den Informationen von dort noch kein Fall bestätigt. Jedoch befinden sich knapp ein Dutzend Familien in offizieller, drei Familien in freiwilliger Quarantäne.

Arbeitnehmer, die aus dem Ausland nach Hause zurückkehren, können mitten im Ort im derzeit nicht bewohnten Jungeninternat Zimmer für zwei Wochen als Quarantäneunterkünfte nutzen. Der Vorteil dieser Lösung ist, dass sich der Rest der Familie weiter frei bewegen kann. Der Aufenthalt in dieser Art der Quarantäne wird von der Stadt Pécsvárad bezahlt. Für Lebensmittel muss man selbst aufkommen.

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In Pécsvárad gibt es fünf Ärzte. Vier sind über 65 Jahre alt und gehören somit zu der durch Corona gefährdeten Altersgruppe. Sprechstunden werden telefonisch umgesetzt. Die jüngere Ärztin wird zu den Fällen geholt, bei denen ein persönliches Gespräch nötig und möglich ist. Auch in Pécsvárad wird das Tragen von Mund-Nase-Masken empfohlen. Kontakte sollen nur mit einem Abstand von mindestens 1,5 bis zwei Metern erfolgen.

Die Apotheke ist ebenso wie die Lebensmittelgeschäfte ganztägig geöffnet. Die Läden sind alle offen, meist von 6 oder 7 Uhr bis etwa 15 Uhr. Menschen ab 65 Jahren wird empfohlen, nicht selbst einzukaufen, sondern diese Erledigungen mit Nachbarn abzusprechen. Und wenn Leute aus diesem Altersbereich doch einkaufen, so sollen sie das zwischen 9 und 12 Uhr tun. In der Zeit wiederum sollen die Jüngeren keine Geschäfte aufsuchen.

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In Külsheims Partnerstadt wurde geregelt, dass Ältere, die etwas benötigen, gut sichtbar eine rote Schleife oder ein rotes Band an ihre Haustüre hängen, damit Freiwillige ihnen helfen können. Allerdings hieß es, dass diese Möglichkeit wenig in Anspruch genommen werde. Denn die Senioren würden meist durch Verwandte oder Nachbarn versorgt.

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Gastronomische Betriebe dürfen offen haben, jedoch keine Sitzplätze anbieten. Sie geben Speisen und Getränke lediglich zum Mitnehmen aus. Im örtlichen Altersheim ist derzeit kein Besuch möglich, die Bewohner wiederum verlassen ihr Zuhause nicht.

Schule, Kindergarten und Stadtbücherei sind geschlossen, im Kindergarten besteht eine Notbetreuung. Die Schule ist zeitlich so wie in Deutschland geschlossen worden. Die Schüler in Pécsvárad erhalten ihre Aufgaben per E-Mail.

Viele Pécsvárader haben ihren Arbeitsplatz verloren, was der Gemeinde mittelbar zusätzliche Kosten verursacht. Auch werden zehn Prozent der Steuern der Kommune an die Regierung weitergeleitet. Indes verzichten alle Mitglieder des städtischen Repräsentantenrats, einem hiesigen Gemeinderat vergleichbar, auf ihre Honorare. Diese werden ein separates von der lokalen Regierung eingerichtete Konto übertragen, um mit dem Geld Bedürftigen zu helfen.

Pécsvárad, das zwei Kilometer vom Dombay-See entfernt liegt, ist normalerweise ein beliebtes Ausflugsziel. Das im 13. Jahrhundert errichtete Burgkloster gehört zu Ungarns bedeutendsten Baudenkmälern aus dem Mittelalter. Wie Bürgermeister Zádori erklärt, seien diese touristisch frequentierten Bereiche für auswärtige Besucher geschlossen, um übermäßige Massenbegegnungen und mögliche Infektionen zu vermeiden.

Zu ist auch die örtliche Kirche, es gibt momentan keine Gottesdienste. Jedoch hat in Pécsvárad ein Team dafür gesorgt, dass von hier aus über einen örtlichen Fernsehkanal von Karfreitag bis Ostermontag täglich ab 18 Uhr ein Gottesdienst gesendet worden ist.

Imre und Magdalena Gal, beide um die 80 Jahre alt, leben in Pécsvárad. Man suche sich in der derzeitigen Situation individuell Aufgaben, sagen sie. So unterstützt Imre Gal seinen Sohn in der Landwirtschaft. Er läuft zweimal am Tag zum eigenen Presshaus, um dort nach dem Rechten und nach den Schafen zu schauen.

Magdalena Gal unterstreicht, das Schlimmste sei für sie momentan, dass die Enkel und Urenkel nicht zu Besuch kommen sollen. Die jungen Leute hielten sich an die Empfehlungen, soziale Kontakte würden per Telefon gepflegt. Sie hätte ihre Familie gerne zu Ostern eingeladen und und bekocht.

Zsuzsanna Krug, Tochter der Eheleute Gal, hat viele der für diesen Bericht nötigen Informationen vermittelt und übersetzt. Sie wohnt mit in Eiersheim. Mit ihrem Mann und dem bald 16-jährigen Sohn Florian wollte sie in den Osterferien nach Pécsvárad fahren. Auch ein Enkelkind der Gals wäre aus der Schweiz angereist. Alle haben auf das Familientreffen verzichtet.

Partnerschaftstreffen

Kurt Krug, Mit-Koordinator der Partnerschaft Pécsvárad – Külsheim, hat das Ende August geplante Partnerschaftstreffen in Ungarn im Blick. Bislang gibt es 23 Anmeldungen aus der Brunnenstadt. Momentan „steht in den Sternen, ob der Besuch stattfinden kann“, so Krug.

Wie Zádori und Baumann abschließend betonen, dass sie viel an die Freunde in Külsheim denken, wenn sie Nachrichten aus Deutschland hören. Allen Külsheimern wünschen sie „eine gute Gesundheit“ sowie Ausdauer in dieser Zeit.

Külsheims Bürgermeister Thomas Schreglmann erwidert die Grüße. Mit Bedauern stellte er fest, dass das Partnerschaftstreffen im August wohl nicht stattfinden könne. Vielleicht sei eine Verschiebung auf Oktober möglich, wenn in Pécsvárad der „Mädchenmarkt“ stattfinde.