Gerichtsverhandlung

In Külsheim: Streit unter Nachbarn eskalierte

Von 
Alfons Göpfert
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Wertheim/Külsheim. Ein jahrelanger Nachbarschaftsstreit in Külsheim ist im Mai 2022 eskaliert. Einer der Beteiligten sprühte dem anderen Tierabwehrspray ins Gesicht. Das führte unter anderem zum Brennen und zur Rötung der Augen.

Da dem Einsatz des Sprays keine Notwehrsituation zugrunde lag, erhob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung. So kam es jetzt zur Verhandlung beim Amtsgericht Wertheim.

Die Anhörung des Beschuldigten (71 Jahre, Rentner), eine Videoaufzeichnung vom Bereich zwischen den beiden Haustüren zum Tatzeitpunkt, die Befragung des Geschädigten (61 Jahre) und eines Polizisten brachten für die Staatsanwaltschaft den Tatnachweis. Das Gericht hatte aber weniger eine Bestrafung, sondern die Begründung eines dauerhaften vernünftigen Nebeneinanders im Sinn.

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Der Vorschlag, das Verfahren gegen Zahlung einer Geldbuße von 1500 Euro an den Kindergarten in Külsheim einzustellen, fand bei der Staatsanwaltschaft und nach Verdeutlichung der Beweislage dann auch beim Angeklagten Zustimmung. Ermahnungen des Gerichts gingen aber an beide Kontrahenten.

An diesem Abend im Mai ärgerte sich der Angeklagte an den Blättern vom Baum des Nachbarn. Sie lagen auch vor seinem Haus. Er kehrte sie vor die Haustür des Nachbarn. Als dieser öffnete, hatte er einen Stock dabei. Nach einem kurzen Wortgefecht erfolgte der Sprühstoß mit dem Abwehrspray in die geöffnete Tür ab.

In der Verhandlung erklärte der Beschuldigte vergeblich, er sei mit dem Stock zwei Mal geschlagen worden. Der Nachbar sagte, er sei Arbeitnehmer und könne nicht jeden Tag Blätter kehren.

Die Richterin betonte, das Laub vor die Türe des Nachbarn kehren, sei ebenso wie das Sprühen mit Abwehrspray nicht erlaubt. Andererseits könne auch ein Arbeitnehmer öfter kehren. Vor einem anderen Mesachen einen Stock zu erheben, gehöre sich ebenfalls nicht. An beide Kontrahenten gerichtet, erklärte sie: „Sie wohnen sehr nah beieinander. Da kann man nicht 100-prozentig auf seinem Recht bestehen. Und nicht hinter allem, was passiert, darf man einem bösen Willen des Nachbarn sehen.“