Rückkehr der Zugvögel - Gefiederte Freunde kommen aus ihren Winterquartieren zurück und sind jetzt auch vom heimischen Fenster aus zu beobachten Frühmorgens ist das Gezwitscher groß

Von 
Susanne Marinelli
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Einige Akteure des Vogel-Konzerts (von links): Der Buchfínk, die Nachtigall und die männliche Mönchsgrasmücke stimmen in den Chor der gefiederten Freunde ein. © picture alliance / Felix Kästle

Momentan sind nur wenige Menschen im Freien unterwegs. Vögel werden es dagegen immer mehr. Denn viele gefiederten Freunde kehren aus ihren Winterquartieren in die Region zurück.

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Odenwald-Tauber. „Zuhause bleiben“ heißt wegen der Corona-Pandemie momentan für alle die Devise. Für etwas Abwechslung im räumlich beschränkten Alltag kann vor allem morgens ein Blick aus dem Fenster sorgen. Denn dann sind viele Vögel, welche die vergangenen Monate außerhalb Deutschlands verbracht haben, zu beobachten – und zu hören.

Wanderungen der Nabu-Gruppe

Ein Experte auf diesem Gebiet ist der Külsheimer Norbert Pahl. Seit 2010 gestaltet er als Nachfolger von Rudi Schneider die vogelkundlichen Wanderungen der Ortsgruppe des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu). Die hat seit 1990 bereits 714 Veranstaltungen dieser Art angeboten, berichtet er im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten nicht ohne berechtigten Stolz.

Eigentlich sollten in diesem Jahr 24 weitere vogelkundliche Wanderungen, an denen durchschnittlich zehn Frühaufsteher teilnehmen, stattfinden. Doch daraus wird nichts.

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Bislang fanden inklusive der traditionellen Saisoneröffnung am ersten Sonntag im März drei Treffen der Vogelfreunde statt. Alle weiteren bis Mitte Juli vorgesehenen Führungen hat die Ortsgruppe wegen der Corona-Pandemie aber vorerst abgesagt.

Dadurch ist es zwar nicht mehr möglich, die Vögel in der Gruppe zu beobachten. Doch jeder kann in seinem häuslichen Umfeld nach den Piepmätzen Ausschau halten.

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Schon seit einiger Zeit ziehen die Rotmilane über der Region ihre Kreise. Auch so manche Lerche, einige Bachstelzen, Zilpzalps und Mönchsgrasmücken sind bereits aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt. „Die habe ich schon gesehen“, freut sich Pahl. Bei der Mönchsgrasmücke zum Beispiel seien Weibchen und Männchen anhand ihrer Kopfplatte zu unterscheiden. Die „Damen“ tragen Dunkelbraun, die „Herren“ Schwarz.

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Sicherlich nicht mehr lange auf sich warten lassen nach Aussage des Vogelexperten die Gartengras- und die Dorngrasmücke. Und bald werden auch die Nachtigall-Männchen ihre Herzallerliebste mit ihrem wohlklingenden Gesang umwerben. Bei anderen Vogelarten singen wiederum beide Geschlechter, um einen Partner für sich zu gewinnen. Vogel-Männer möchten so auch ihr Revier gegen Nebenbuhler abgrenzen.

Morgendliches Vogelkonzert

„Im Moment singt so ziemlich jeder“, stellt Norbert Pahl begeistert fest. Gezwitschert wird schon am frühen Morgen in den höchsten Tönen. Die Amsel jubiliert sogar, bevor es hell wird. „Je später am Tag, desto stiller wird es“, weiß Norbert Pahl: „Ab etwa 10 Uhr ist es dann ziemlich ruhig.“ Und ab Mitte Juli werde von den Vögeln generell nur noch wenig zu hören sein. Denn „dann gehen sie in die Mauser und der Gesang ist Nebensache“.

Ihren Teil zum Vogelkonzert werden bis dahin auch die Schwalben beitragen. Mit ihnen rechnet der Külsheimer in den nächsten 14 Tagen. Anfang Mai kommen der Gartenrotschwanz, Pirol und Mauersegler angeflogen.

Interessant sind auch die Vögel, die sich in nächster Zeit zwar nicht in der Region niederlassen, aber über sie hinwegziehen werden. „Der Blick nach oben lohnt sich“, empfiehlt Pahl beispielsweise nach Weißstörchen oder Kranichen Ausschau zu halten – und die Ohren zu spitzen. Denn, so der Experte: „Kraniche trompeten regelrecht“.

Bei all den Neuzugängen sollte man auch die Vögel nicht aus dem Blick verlieren, die wie beispielsweise die Kohlmeise oder der Sperling das ganze Jahr über hier heimisch sind. Standorttreu sind auch viele Buchfinken. Sie gehören zu den so genannten Teilziehern, bei denen nur die Weibchen im Herbst in wärmere Gefilde ziehen.

Um allen Piepmätzen das Leben zu erleichtern, stellt Pahl für sie das ganze Jahr über Futter bereit. Denn, bedauert er: „Im Grunde finden die Vögel im freien Feld heutzutage nichts mehr zu fressen. Viele Feldvögel sind ganz dünn geworden.“ Deshalb bietet er ihnen beispielsweise Wildsämereien wie Hirse und Raps oder Sonnenblumenkerne an. Gerne angenommen würden auch Futter- oder kernige Haferflocken sowie Meisenknödel. Letztere sollten aber im Schatten hängen. Momentan nicht mehr so gefragt wie in den vergangenen Wochen seien dagegen Äpfel, welche Amseln im Winter sehr mögen.

Kein Brot füttern

Rein gar nicht zur Vogelfütterung eignen sich Lebensmittel wie etwa Brot, betont das Nabu-Mitglied: „Alles, in dem Salz drin ist, tut den Vögeln nicht gut.“

„Serviert“ werden sollte das Vogelfutter so, dass es nicht nass wird. Optimal eigne sich dafür ein Futterhaus oder eine Futtersäule, empfiehlt Pahl. Stehe ein trockener Platz zur Verfügung, können dort Sämereien oder Körner ausgestreut werden. Wichtig sei dabei, nicht zu üppig zu füttern und zu überprüfen, „dass das, was da liegt, auch gefressen wird“. Das zusätzliche Nahrungsangebot helfe den Zug- und standorttreuen Vögeln, nach dem weiten Flug beziehungsweise dem Winter wieder zu Kräften zu kommen. Das ist angesichts der anstehenden Brutsaison sehr wichtig.