Junge Talente - Vincent Kern aus Freudenberg und Sofia Berger aus Miltenberg zeigen ihre Werke bis kurz vor Weihnachten in der Amtshausgalerie Wenn auf Papier Magisches entsteht

Von 
Elmar Kellner
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Freudenberg. Man hat schon manch schlechter, aber nur wenige besser besuchte Ausstellungseröffnungen gesehen in der Freudenberger Amtshausgalerie. Das ist umso bemerkenswerter, als dass die Namen der Künstler, deren Werke seit Samstag bis kurz vor Weihnachten gezeigt werden, außerhalb eines kleinen Kreises kaum bekannt sein dürften.

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Sofia Berger und Vincent Kern sind "Junge Talente", sie 16 Jahre jung und aus Miltenberg, er gerade einmal 13-jähriger Freudenberger und beide mit außergewöhnlichen Begabungen gesegnet. Gleiches gilt für Nils Bierwirth, 18-jähriger Gitarrist und Sänger, der die Vernissage musikalisch umrahmte. Alle drei trugen sie dazu bei, das Durchschnittsalter bei Veranstaltungen dieser Art deutlich zu senken. Aber sie waren bei weitem nicht die einzigen Jugendlichen an diesem Abend in der Amtshausgalerie.

"In der heutigen Zeit ist Kunst bereits Teil der schulischen Laufbahn und die Lehrer legen großen Wert auf die künstlerische Entwicklung ihrer Schüler", so Bürgermeister Roger Henning in seiner Begrüßung. Und vielleicht ein wenig zu optimistisch in dieser Hinsicht fuhr er fort, Kunstunterricht sei selbstverständlich und gehöre zur Bildung aller Schüler, unabhängig davon, welche Schulart sie besuchten.

Worauf es besonders ankomme sei, "dass junge Schülerinnen und Schüler ihre Talente frei entfalten und entwickeln können". Sie würden "um ihre authentische Ausdrucksfähigkeit betrogen, wenn sie sich an irgendwelche von Erwachsenen vorgegebene Normen halten müssten". Es gehe darum, sie zu einem eigenständigen Erfahrungsprozess anzuregen.

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Sie könne sich in das Leben und Schaffen der beiden Protagonisten einfühlen, stamme sie doch selbst aus einer künstlerisch vorgeprägten Familie, sagte die Galeristin Rita Stern, die die Einführung in die Ausstellung übernahm. Sie kenne den Prozess, ein leeres Blatt Papier vor sich zu haben, "die Gedanken treiben zu lassen und etwas Magisches zu schaffen.

Aus Gedanken entwickelt sich ein Bild und daraus Emotionen beim Betrachter", so die Rednerin. Jede Kunst schließe ein Handwerk ein und wo dieses aufhöre, beginne die Kunst. Vincent Kern habe vor etwa drei Jahren damit begonnen, mit Bleistift Persönlichkeiten auf Papier zu bannen, "ungeübt, aber mit talentierter Hand".

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Er folge keinem Vorbild, verfüge über einen freien Willen und eine eigene Identität. Wenn der junge Künstler sich Inspiration holt, dann aber von durchaus bekannten Namen: Gerhard Richter etwa, Karl Lagerfeld oder Pablo Picasso.

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Er habe ein Faible für schöne Gesichter, denen er Leben einhauche. Waren es anfangs vor allem die Mitglieder seiner Familie, die er porträtierte, so geht er zwischenzeitlich schrittweise in andere Richtungen. "Er skizziert viel, probiert gerne aus, lässt sich von neuen Materialien inspirieren." Es gelinge ihm bereits, das Wesen, die Seele der von ihm Porträtierten abzubilden. "Wir sind sehr gespannt darauf, was wir von ihm noch zu sehen bekommen werden."

Anders als von Vincent Kern wurden von Sofia Berger bereits Werke in einer Ausstellung gezeigt und gleich für eines ihrer ersten Bilder erhielt sie 2014 den Jugendkulturpreis des Landkreises Miltenberg. In ihrer Technik werde der Kern des eigenen Stils erkennbar. Neben der Malerei interessiere sich die junge Künstlerin auch für die Bühne und die Literatur. Angesichts der "Jungen Talente", so die Leiterin der Amtshausgalerie, Astrid Wulf, könne man voller Freude und Hoffnung in die Zukunft schauen.

Für die schönen Künste werde es immer einen Platz geben, solange sich junge Leute wie Sofia Berger und Vincent Kern damit beschäftigten.