"Kabarett im Alten Rathaus" - Inka Meyer präsentierte vor ausverkauftem Haus ihr Programm "Kill me, Kate!" Scharfzüngige Wortgewalt und Frauenpower

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Külsheim. Ein weiteres Mal "Kabarett im Alten Rathaus" in Külsheim hieß es am Samstagabend. Inka Meyer präsentierte vor ausverkauftem Haus ihr Programm "Kill me, Kate!", wortgewandt und scharfzüngig den Alltag sezierend, gleichzeitig für Rechte der Frauen streitend. Dem Publikum in dessen Gesamtheit gefiel der Abend, reichlich beifällige Bekundungen per spontanem Gelächter zeugten davon.

Inka Meyer brillierte mit scharfzüngiger Wortgewalt beim "Kabarett im Alten Rathaus" in Külsheim.

© Peter D. Wagner
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Die extrem hurtig plauschende Kabarettistin erwies sich als ein mit innerer Spannung gefülltes Bündel an Eindringlichkeit, brachte pointiert schauspielerische Mittel mit ein, unterstützte ihre sprachlichen Gebilde per Gestik und Mimik. Sie nutzte an Utensilien so gut wie nichts, strahlte auf der Bühne intensives Zugegensein aus, spielte gerne und gekonnt mit der Sprache an sich.

Szenen aus dem Leben

Die kabarettistische Fachfrau erzählt aus ihrem wirklichen und wohl auch fiktiven Leben, lässt sich natürlich auch über die Männer aus so wie über ihren Ex-Freund. Dieser wollte "weiter befreundet" sein", was Meyer diesen Kommentar entlockte: "Wenn Sie Ihren Hund einschläfern, gehen Sie mit ihm ja auch nicht mehr Gassi." Zudem gebe es Männer derart, dass nur ein Stoßgebet helfe: "Gott, wirf Hirn vom Himmel - oder Steine - Hauptsache, es trifft." Männer äßen deshalb ungern Obst, weil Adam und Eva deswegen aus dem Paradies geschmissen worden waren, Lebensgefährte komme von Lebensgefahr.

Das Publikum vernahm, Geschlechterunterschiede gebe es nur deren drei: "Frauen gehen weniger fremd, sind weniger aggressiv und Frauen werfen schlechter mit Bällen." Einer weiteren Studie sei zu entnehmen, Frauen bevorzugten die Mischung aus Macho und Softie, also den "Matschi". Meyer hielt auch ihren Geschlechtsgenossinnen den Spiegel vor, denn manchen Frauen sei Fettgewebe an den richtigen Stellen wichtiger als Hirngewebe. Gallig hörte sich auch an, dass frau lieber Daniela Katzenberger sei, wenn Feminismus das Aussehen von Alice Schwarzer bedeute.

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Gar ätzend geriet der von der Kabarettistin zitierte Schlussmonolog der Katharina aus Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung", welcher mündet in "wenn er's befiehlt, zum Zeichen meiner Pflicht, verweigert meine Hand den Dienst ihm nicht". Meyer torpedierte fürderhin solch Gedankengut aufs Schärfste und ließ ihren hypothetischen Gedanken auf Grundlage realer Fakten freien Lauf. Altersarmut könne behoben werden, wenn "Hells Omas" unterwegs seien, vollgedröhnt mit "Klosterfrau Melissengeist" und auf frisierten Rollatoren unterwegs.

Shakespeare allgegenwärtig

Die Frau aus München spricht wie ein Maschinengewehr, sowohl von der Schnelligkeit der Wortfolge wie von der Treffsicherheit der Pointen. Sie erweist sich als belesen in der Presse, zudem bibelfest und bewandert in der Literatur, vor allem bei Shakespeare. Meyer ist bissig dort, wo scharfe Pointen in den Saal hinein lodern, scharfsinnig da, wo es an feinen Wortgebilden zu feilen gilt, erzürnt dort, wo Frauen Ungerechtigkeit widerfährt. Die Tatsache, dass Männer und Frauen in der Bundeswehr gleichen Sold erhalten, lehre, wenn Frauen dasselbe Gehalt wollen wie Männer, müssten sie zur Waffe greifen.

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Meyer denkt nach, wie Werbung mit Hilfe Shakespeares Werke gehaltvoller werden könne. Hamlet könnte Pate stehen bei "Schleim oder nicht Schleim, das ist hier die Frage" für "Wick VapoRub", "Palmolive" wiederum könne eine Anleihe machen bei Macbeth und der Frage, was könne wohl "dies Blut von meinen Händen rein waschen".

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Die Kabarettistin beschreibt den Unterschied zwischen einer Tretmine und einem Schulorchester ("es gibt keinen, wenn man sie hört, ist es zu spät"), fabuliert über den umfangreichen E-Mail-Verkehr innerhalb der Eltern der Kindertheatergruppen wegen einer angedachten Bio-Kiste: Die Aldi-Gruppe möge "Schneewittchen" spielen ("da war ein Apfel auch gespritzt"), die Bioobst-Gruppe "Pinocchio" ("gibt es auch aus unbehandeltem Holz").

Die Kabarettistin arbeitet hoch konzentriert, lässt sich nicht stören von Geschmunzel, fröhlichem Gemurmel und Szenenapplaus, bestenfalls von Blitzlicht, streut einige Witze ein ("sagt das eine Wollknäuel zum anderen "mir geht's schlecht, ich hänge schon wieder an der Nadel""). Sie tangiert die sprachliche Gürtellinie nicht nur oberhalb (""Sex in the City"-Schuhe mit roter Sohle sind wie ein roter Pavianarsch"), wird manchmal etwas überdeutlich in den Wortspielen ("eine muslimische Fleischereifachverkäuferin ist eine Salamistin"). In der Zugabe nach einem Abend mit etwa zwei Dritteln wortgewandtem Kabarett und einem Drittel Gesellschaftskritik mit besonderem Fokus auf die Rechte der Frauen gibt die Protagonistin "Antworten auf nicht gestellte Fragen", auch jene nach dem Titel des Programms "Kill me Kate": "Wenn ich gesungen hätte, dann hätten Sie mich gekillt." Der Rest kulminiert in einen veritablen Werbeblock für eigene Produkte. pdw