Vor 70 Jahren - An Karfreitag wurde Stadt an Amerikaner übergeben In Freudenberg fiel damals kein einziger Schuss

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Freudenberg. Es war die Nacht auf Karsamstag 1945, als deutsche Soldaten auf Furcht vor den herannahenden amerikanischen Truppen die Mainbrücke in Freudenberg sprengten. Auch der eiserne Steg bei der Schleuse ging in die Luft. Für das kleine Städtchen am Main war es sozusagen der Schlusspunkt des Zweiten Weltkrieges, knapp fünf Wochen vor der eigentlichen Kapitulation.

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Auf der Internetseite des Hobby-Geschichtsforschers Otto Karl Spengler aus Külsheim findet sich unter der Überschrift "Kriegsereignisse beim Einzug der Amerikaner ins Badische Frankenland" auch eine Schilderung der Geschehnisse in und um Freudenberg.

Zusammengestellt hat diese und andere Berichte aus jenen schicksalhaften Tagen offensichtlich Geistlicher Rat Pfarrer Leopold Rothermel, Dekan in Königheim. Denn in einem von ihm gezeichneten "Begleitwort", das den Texten vorangestellt ist, heißt es, das Erzbischöfliche Ordinariat in Freiburg habe nach Kriegsende die Dekanate aufgefordert, bei den einzelnen Pfarrämtern Erhebungen über etwaige Kriegsschäden an kirchlichen Gebäuden, Anstalten und sonstige Kriegseinwirkungen vorzunehmen.

Der Bericht aus Freudenberg setzt ein mit dem "furchtbaren Rückfluten deutscher Soldaten im ganzen Maingebiet" nach dem Rheinübergang der US-Truppen und deren Vormarsch Richtung Aschaffenburg, Lohr und Gemünden. "Das trostloseste Bild boten zurückwandernde Kriegsverletzte, die aus den Lazaretten der Bergstraße nach Freudenberg kamen, zum Teil zu Fuß, zum Teil mit Wagen."

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Eine am Montag der Karwoche eintreffende Pionierabteilung war mit der Sprengung der Mainbrücke beauftragt. "In der Nacht vom Gründonnerstag auf Karfreitag setzte in der Nähe von Freudenberg heftiges Artilleriefeuer ein, welches die herannahenden feindlichen Panzer beschießen sollte."

Einen Gottesdienst habe es an Karfreitag in Freudenberg nicht gegeben. Nachts, gegen 22.30 Uhr wurde dann die Brücke gesprengt, denn die amerikanischen Soldaten hätten bereits auf der bayerischen Seite gestanden. Sie zogen dann "über die Höhe gegen Wertheim und das Taubertal. In Freudenberg selber fiel kein Schuss".

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Nachdem die deutschen Soldaten sich zurückgezogen hatten, "wurde die weiße Fahne gehisst und die Stadt übergeben". Erste Panzerspähwagen der Amerikaner seien am Karsamstag durch den Ort gefahren.

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Ein Gottesdienst wurde erst wieder am Ostersonntag gefeiert, vorher sei dies, "wegen der Panikstimmung bei den Leuten unmöglich" gewesen. Zum Dank dafür, dass man von größeren Zerstörungen bewahrt wurde - nur "die Friedhofskapelle hat erheblichen Dachschaden erhalten, durch den Luftdruck bei Sprengung des Schleusensteges waren alle Fenster zerstört und die Türen eingedrückt" - veranstaltete die Gemeinde an Mariä Heimsuchung, das war damals am 2. Juli, eine Wallfahrt auf den Engelberg.

Der Bericht schließt damit, dass in der Nacht auf Karsamstag "eine halbe Stunde leichter Artilleriebeschuss in Boxtal und Mondfeld" zu verzeichnen gewesen sei, der aber nur geringe Schäden angerichtet habe. "Weitere Kampfhandlungen hat es nicht gegeben."

Die Verbindung über den Main hielt bis 1950 das Fährboot "Niegedacht" aufrecht. Am 28. November dieses Jahres wurde die neue Brücke dem Verkehr übergeben. ek