1250 Jahre Uissigheim - Heinrich Stemmler und seine Frau Gisela haben auf elf mal elf Metern Maschinen und Geräte des landwirtschaftlichen Lebens aufbewahrt Ein Blick in den Alltag der Vorfahren

Von 
Hans-Peter Wagner
Lesedauer: 

Heinrich Stemmler (im Vordergrund) und Gisela Stemmler sind dabei, "Heiners Dorfmuseum" zum Jahreshöhepunkt Heimatfest "1250 Jahre Uissigheim" auf Vordermann zu bringen, damit die interessierten Besucher einen Blick in das Leben der Vorfahren tun können.

© Hans-Peter Wagner

Uissigheim. Das Heimatfest "1250 Jahre Uissigheim" am Samstag/ Sonntag, 13./14. Juni, kündigt sich in der Ortschaft in vielen unterschiedlichen Bereichen an. Die Menschen vor Ort arbeiten die geplanten Projekte für die vielen unterschiedlichen Stationen momentan aus. Dabei wird einiges neu gemacht, manches ausgebessert, anderes muss noch präsentabel hergerichtet werden. Letzteres gilt auch für "Heiners Dorfmuseum", das nach dem obligatorischen Winterschlaf nun wieder zum Leben erweckt wird.

AdUnit urban-intext1

"Heiners Dorfmuseum" ist benannt nach dem Uissigheimer Heinrich Stemmler. Dieser hat zusammen mit seiner Gattin Gisela ungezählt viele Maschinen und Gerätschaften aus dem landwirtschaftlichen und aus dem häuslichen Bereich aufgehoben und im Tannenweg 2 in Uissigheim in einer Scheune samt Übergang zum Wohnraum verwahrt. Die Beiden sorgen gemeinsam dafür, dass alles in Schuss bleibt, die ausgestellten Stücke sind zu 90 Prozent sogar noch funktionstüchtig.

Heinrich Stemmler hatte 1962 mit der Landwirtschaft aufgehört und dann eben alles aufgehoben, was seiner Zeit aktuell war. "Platz war da", sagt er und gesteht, bereits damals den Hintergedanken ge-pflegt zu haben, "dass mer do ebbs mecht". Mit Beginn des Ruhestandes im Jahr 2003 hatte sich Stemmler intensiver um die Sache gekümmert, die Gattin natürlich gleichberechtigt mit dabei.

Elf mal elf Meter

Beim jährlichen Uissigheimer Dorffest im August 2006 war schließlich zusammen mit der örtlichen Prominenz offizielle Eröffnung. Die zu dem Zeitpunkt gültige und etwas sperrige Bezeichnung "museumsähnliche Ausstellung mit Maschinen und Gerätschaften früherer Jahre in Haus und Hof" wich recht zügig dem prägnanten "Heiners Dorfmuseum".

AdUnit urban-intext2

"Die Scheuer hat elf mal elf Meter", berichtet Stemmler, ausgestellt ist auf zwei Ebenen und zur Verbindung zum Anbau des Wohnhauses wurde extra einen Durchbruch gemacht.

Die Landwirtschaft hatte das Leben in Uissigheim ebenso wie in Dörfern vergleichbarer Größe über Jahrhunderte hinweg entscheidend bestimmt.

AdUnit urban-intext3

Die in dem Dorfmuseum ausgestellten Gegenstände sind somit Zeugen einer Vergangenheit, die noch gar nicht so weit zurück liegt. Vor allem die reifere Jugend ist mit vielen der ausgestellten Gerätschaften sicherlich noch recht vertraut. Stemmlers erzählen, dass gut 80 Prozent dieser Gegenstände im eigenen Gebrauch gewesen sind.

AdUnit urban-intext4

So finden sich in "Heiners Dorfmuseum" eine Mähmaschine mit Handablage, ein Heu- und ein Mist-wagen, eine Vorrichtung zum Seile machen, diverse Pflüge, eine komplette Werkbank, Werkzeuge für die Arbeiten im Steinbruch oder im Wald, Holzbutten, Nabenbohrer und so weiter.

Einige Dinge hinzugekauft

Dazu kommen die Einrichtung eines Schlafzimmers ebenso wie alle sonstigen möglichen Utensilien aus dem häuslichen Bereich wie Kannen, Teller und Besteck früherer Jahre, Telefone und Bügeleisen, Badewannen und ein antiquierter Rollstuhl. "Einige wenige Gegenstände sind gezielt hinzu gekauft", unterstreicht Heinrich Stemmler, so eine Futterschneidemaschine und eine hölzerne Mistgabel, ein Pferdeschlitten und eine Windmühle, eine Strohschneidemaschine und eine hölzerne Walze. Eine einst angebotene Dreschmaschine konnte nicht mit aufgenommen werden, denn es gibt nun keinen Platz mehr für weitere größere Gerätschaften.

Menschen vom Ort und auch Auswärtige hätten Sachen beigesteuert, berichtet Gisela Stemmler, "manchmal haben die Leute einfach Sachen vor die Türe gelegt" und man wisse bis heute nicht, woher die Dinge gekommen seien. Gisela und Heinrich Stemmler haben alles so nötig im Laufe der Zeit in Schuss gebracht, die Funktionsfähigkeit erhalten. Sammeln und Ordnen, Aufbereiten, Säubern und Aufstellen hat eine ganze Menge an Arbeit und Zeit gekostet, doch das Ergebnis kann sich auf weit über 200 Quadratmetern Ausstellungsfläche durchaus sehen lassen.

Und da sind die vielen Wände gar nicht mit eingerechnet.

Gegenstände mit Geschichte

Der Staubsauger aus den 1960er Jahren funktioniert ebenso wie der alte Schlepper Baujahr 1959, "ein Deutz mit 25 PS". Heinrich Stemmler erzählt besonders stolz von einem "Holder"-Einachsschlepper ("elf PS") aus dem Jahre 1955, "besonders die Enkel sind begeistert", wenn man zu einer Fahrt aufbricht. Die beiden Stemmlers kennen zu fast jedem Gegenstand eine interessante Geschichte, wenn Gruppen das Dorfmuseum besichtigen, auch Schulklassen sind schon gekommen.

"Wir machen einen Großputz auf das Fest hin", beschreibt Gisela Stemmler das, was nach der Winterruhe in den Räumlichkeiten des Dorfmuseums in den nächsten Wochen an Arbeit ansteht. Man hatte vieles über Winter abgedeckt, "aber Staub kommt überall hin".

Ehemann Heinrich wird indessen testen, ob auch alles funktioniert. Es wird eine große Aufgabe für die beiden sein, alles wieder auf Vordermann zu bringen, damit die Gäste beim Jahreshöhepunkt Heimatfest "1250 Jahre Uissigheim" einen schönen Rundgang durch "Heiners Dorfmuseum" machen können.