Studie - Damen besonders von prekärer Beschäftigung betroffen Der Mini-Job ist weiblich - Frauenanteil bei 79 Prozent

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Main-Spessart-Kreis. Im Kreis Main-Spessart haben Frauen eher unsichere Jobs. Sie arbeiten Teilzeit, haben nur einen Mini-Job oder sind Leiharbeiterinnen. 79 Prozent aller nicht-regulären Jobs im Landkreis wurden im vergangenen Jahr von Frauen erledigt.

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Ganz anders sieht es dagegen bei den Vollzeit-Stellen aus: Hier lag der Frauenanteil bei 26 Prozent. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit und beruft sich dabei auf eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zur "atypischen Beschäftigung". "Immer mehr Frauen haben unsichere und niedrig bezahlte Jobs. Das wird besonders im Alter zum Problem", sagt Ibo Ocak, Geschäftsführer der NGG Unterfranken.

Sie finden keine Vollzeitstelle

Besonders stark hat die Teilzeit-Beschäftigung bei Frauen zugenommen. Vor gut zehn Jahren arbeiteten im Landkreis Main-Spessart laut Studie noch etwa 5700 weibliche Beschäftigte in Teilzeit. Im letzten Jahr waren es bereits rund 9500.

"Es ist längst nicht so, dass alle Frauen freiwillig weniger arbeiten. Viele finden einfach keine Vollzeit-Anstellung- im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen", erklärt Ocak. Dies zeige, dass auf dem Arbeitsmarkt im Kreis Main-Spessart "grundsätzlich etwas im Argen liegt", so der Gewerkschafter. Gerade im Gastgewerbe, im Bäcker- oder Fleischer-Handwerk hätten weibliche Beschäftigte immer seltener die Chance auf einen regulären Job. Stattdessen setzten viele Chefs auf Mini-Jobs, um Steuern und Sozialabgaben zu sparen.

Folge ist Altersarmut

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"Die Folge ist Altersarmut. Schon heute haben viele Rentnerinnen damit zu kämpfen. Denn Frauen, die ihr Leben lang in prekären Jobs gearbeitet haben, bleibt nur eine Mini-Rente. Dazu kommen geringere Beiträge durch Elternzeit", sagt Ibo Ocak. Es sei nicht hinnehmbar, dass es ausgerechnet alleinerziehende Mütter so schwer hätten, wieder mit einem normalen Job ins Berufsleben zurückzukehren. "Viele bayerische Unternehmen denken bei einer Bewerberin automatisch an Teilzeit, Mini-Job und Befristung", beklagt der NGG-Geschäftsführer.

Ibo Ocak: "Frauen brauchen nicht mehr Jobs auf Zeit und Zitter-Verträge, sondern mehr reguläre Stellen, von denen sie gut leben können. Weniger Stunden zu arbeiten, muss ihre freie Entscheidung sein. Teilzeit und Mini-Jobs dürfen nicht zum Normalfall werden." Die aktuellen Zahlen seien ein Warnsignal an Arbeitgeber und Politik. Wer jetzt nichts unternehme, der riskiere eine neue "weibliche Armut". In Bayern waren laut Böckler-Studie 2014 rund 2,2 Millionen Arbeitnehmer atypisch beschäftigt- über 1,6 Millionen von ihnen waren Frauen. ngg