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Wallfahrt - Külsheimer stellten traditionell Quartiere zur Verfügung

Freude über hunderte Pilger

Von 
Hans-Peter Wagner
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Pfarrer Joachim Seraphin und die Ministranten hießen die Pilger der Fußwallfahrt Fulda – Walldürn am Lehnfeldweg willkommen. © Hans-Peter Wagner

Külsheim. Hunderte Wallfahrer aus der Gegend um Fulda machen traditionell jeweils am Dienstag vor Fronleichnam bei ihrer Pilgerreise zum Gnadenort Walldürn Station in Külsheim. Nach coronabedingter Pause von zwei Jahren hieß es nun wieder: „Die Fuller kommen“.

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Etwa 170 Kilometer sind ab Fulda zu Fuß in mehreren Tagesetappen zu bewältigen. Beim Start in Fulda waren es 440 Menschen, in Külsheim trafen 360 Personen ein. Für die Wallfahrt war diesmal vorab ein Quartiernachweis nötig. Täglich erfolgten unterwegs Coronatests.

Jeder Gläubige geht bei der gemeinsamen Fußwallfahrt auch seinen eigenen, persönlichen Weg. Mit dabei sind die Sorgen und Nöte der Menschen und deren Bitten auf Besserung und/oder Hilfe. Unterwegs begegnen sich erfahrene Wallfahrer und Neulinge, Fremde und Freunde, die betend und singend, schweigend und im Gespräch mit den Mitpilgern Kilometer um Kilometer zurücklegen – bei jedem Wetter.

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Einer von ihnen war in diesem Jahr Martin. Wie er berichtete, habe es vielen leidgetan, dass sie 2020 und 2021 nicht an der Wallfahrt zum Heiligen Blut in Walldürn teilnehmen konnten.

Einzelne seien in diesen beiden Jahren die Wallfahrtsstrecke gelaufen, jedoch nicht in dem bekannten großen Verbund. Nun seien alle froh darüber, endlich wieder wallfahren zu können, seien trotz der Hitze frohen Herzens und frohen Mutes dabei.

Die Wallfahrt verbindet die Pilger untereinander und zudem die Wallfahrer mit den Gastgebern, die sie unterwegs beherbergen. Die Menschen helfen sich gegenseitig. So verbringen „die Fuller“ in der Brunnenstadt und in der Umgebung einen Abend und eine Nacht. Ingrid aus Schweinberg nahm diesmal zwei der Pilger auf, „auch einen Fahnenträger“. Sie ist bereits mehr als ein Dutzend Jahre während der Wallfahrt Gastgeberin.

Die Pilger wurden am Dienstagabend am Külsheimer Stadteingang mit dem Glockengeläut der katholischen Pfarrkirche St. Martin begrüßt. Pfarrer Joachim Seraphin und Ministranten hießen am Lehnfeldweg die Wallfahrer willkommen. In der Kirche erfolgte dann eine Andacht.

Der Pfarrer betonte, in Külsheim und Umgebung freue man sich auf das Wiedersehen nach zwei Jahren Pause. Man wolle um Segen bitten, der auf der ganzen Welt gebraucht werde, und um Frieden beten.

Kräftiger Gesang aus Hunderten von Kehlen erfüllte die Külsheimer Pfarrkirche. Gebete begleiteten die Wallfahrer auf ihrem Weg: „Gott, lass sie die Gegenwart Gottes erfahren, führe sie ans Ziel ihrer Wallfahrt“. Winfried Möller (Wallfahrtsleitung) sprach ein Gebet für die Gastgeber, alle gemeinsam beteten das „Vater unser“. Der Pfarrer lud die Pilger stellvertretend ein in die Häuser in der Brunnenstadt und drum herum.

Zu den Gastgebern gehörten auch Resi Semmler und Alfons Stang. Bei ihnen sind schon Jahrzehnte stets mehrere „Fuller“ im Haus. Sie erzählten im Gespräch mit den FN, wie sich solche kurzzeitigen Verbindungen zu gegenseitigen Besuchen auch persönlicher Art ausgeweitet haben.

Erika Grimm nimmt bereits seit 1968 Fuller bei sich auf. Zuerst waren es zwei, danach über Jahrzehnte hinweg jeweils eine zweistellige Anzahl („Höchstzahl 17“). Heuer sind es sieben Wallfahrerinnen und Wallfahrer. Wie sie berichtet, übernachtete in ihrem Haus einst Kreuzträger Otto Hochrhein, der sich um die Neulinge gekümmert hat. Damit habe sie „das reinste Vermittlungsbüro“ übernommen. „Die Wallfahrt gehört dazu“, betonte die Külsheimerin.

Beim Rückblick auf all die Jahre als Gastgeber der Pilgerinnen und Pilger ergänzte Erika Grimm schmunzelnd, dass sie, ihr Mann und früher auch die Kinder nie in den eigenen Betten geschlafen haben, wenn die Wallfahrer gekommen sind. „Und das gilt immer noch.“ Auf dem Speiseplan stehe immer „Wallfahrtssuppe unbedingt“, also Grünkernsuppe mit Markklößchen. Einmal habe sie diese nicht aufgetischt. Prompt habe ein damals 15-Jähriger aus Küllstett, inzwischen über 40 Jahr alt, erstaunt gefragt, wo diese verblieben sei. Seither gibt es jedes Jahr „Wallfahrtssuppe“.

Am Mittwochmorgen um 4 Uhr ging es für die Wallfahrerinnen und Wallfahrer auf die letzte Etappe auf dem Weg zum Heiligen Blut in Walldürn.

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