Im Gemeinderat behandelt - Aufgrund der positiven Entwicklung der Geburtenzahlen seien, so Bürgermeister Thomas Schreglmann, keine Schließungen von Kindergärten geplant Ausweitung des Angebots wird angedacht

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Hans-Peter Wagner
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Der Bauhof der Stadt Külsheim nimmt derzeit Arbeiten im Außenbereich des Kindergartens Uissigheim vor. © Hans-Peter Wagner

Zahlreiche Infos über die Kindergärten in der Gesamtstadt sowie eine Diskussion zur Bedarfsplanung für das Kindergartenjahr 2020/21 standen im Mittelpunkt der Gemeinderatssitzung.

Im Külsheimer Gemeinderat notiert

Die öffentliche Sitzung des Gemeinderates war die zweite unter Corona-Bedingungen. Auch das Dutzend Bürger hielt sich an die Vorgaben.

Für den stellvertretenden Rechnungsamtsleiter Christoph Kraft war es seine letzte Gemeinderatsitzung. Er verlässt die Stadtverwaltung in Richtung Grünsfeld.

Bürgermeister Thomas Schreglmann unterrichtete darüber, die Gemeindeprüfungsanstalt habe sich mehr als vier Wochen lang die Bauausgaben 2014 bis 2018 angeschaut. Sie habe nichts Wesentliches gefunden und lediglich vier kleinere Anmerkungen gemacht. Unter dem Strich werde dokumentiert, das Bauamt arbeite sauber und ordentlich.

Schreglmann sagte, bei den Sanierungsarbeiten in den Kindergärten würden die Brandschutzauflagen umgesetzt. In Eiersheim seien die Arbeiten Anfang bis Mitte Juni fertig, der Kindergarten könne vom Gemeindezentrum zurückkommen. Im Uissigheimer Kindergarten sei der Einbau der Fluchttüre gemacht, Trockenbauarbeiten stehen noch an. Für den Steinbacher Kindergarten seien Fluchttüren bestellt und würden ab Juni eingebaut. „Dann sind wir wieder auf aktuellstem Stand“, so der Bürgermeister.

Der Verwaltungschef ließ wissen, der Arbeitsstab Corona treffe sich weiter regelmäßig. In der Jugendmusikschule der Stadt könne es bei Streichern und Bläsern wieder losgehen, bei der musikalischen Früherziehung und den Ensembles gehe dies noch nicht. Die Stadtbücherei laufe auf Normalbetrieb, „hinter Plexiglas“. Die Praxis Dr. Volker Dietz habe vorübergehend für zwei bis drei Monate im Alten Rathaus in Külsheim eine Nebenstelle eingerichtet. Einfache Themen könnten durchgeführt werden, allerdings nach Terminvereinbarung.

Schreglmann gab eine Information der Volksbank Main-Tauber weiter, wonach der Kontoauszugsdrucker in Steinbach defekt sei und nicht ersetzt werde, weil sehr wenig nachgefragt. Bezüglich der Frostschäden am Hohen Herrgott sei Külsheim die Höhenlage ein bisschen zum Verhängnis geworden. Die E-Ladesäule an der Festhalle funktioniere wieder.

Der Bürgermeister freute sich, dass das Blockheizkraftwerk im Hallenbad 25/12 in Külsheim am 8. Februar bereits eine Million Kilowattstunden Strom erzeugt habe. Die Anlage laufe fast das komplette Jahr, habe mehr als 36 000 Benutzungsstunden und eine CO2-Einsparung gegenüber einem herkömmlichen Kraftwerk von gut 240 Tonnen erreicht.

Schreglmann gab bekannt, es gebe wieder einen aktiven Biber im Stadtgebiet. Dieser habe in Steinfurt am Katzenbach vier Dämme gebaut, verlegte Drainagen seien beschädigt, Äcker unter Wasser. Heiko Wolpert, quasi Biberbeauftragter der Stadt Külsheim, verwies auf den Konflikt mit der Landwirtschaft, auch seien Wege unterspült. Bei einem Vor-Ort-Termin seien Maßnahmen besprochen worden, wie die genannten Auswirkungen reduziert werden könnten. Es werde versucht, den Wasserstand dauerhaft niedrig zu halten, gleichzeitig könne der Biber bleiben.

Bei den Anfragen zeigte Alfred Bauch auf den Wohnmobilstellplatz in unmittelbarer Nähe, auf dem ge-sperrten Platz seien Camper. Schreglmann erklärte, die Sicherungen aus den Versorgungsstationen seien entfernt, alle Camper seien autark, was wiederum ginge.

Jürgen Goldschmitt wies hinsichtlich der im zweiten Quartal angedachten Überlegungen bezüglich der Urnengrabfelder hin, dass es das Instrument des vor dem Sommer Friedhofsausschusses gebe. Stadtkämmerin Elke Geiger-Schmitt informierte, der Ausschuss tage noch .vor dem Sommer.

Claudia Rösser hinterfragte wegen des Handyempfangs in Eiersheim, ob öffentliches WLAN einfach möglich sei. Der Bürgermeister meinte, dies sei eine Kostenfrage, „ich schwanke noch“. Wenn sich der Gemeinderat dafür entscheide, „dann ja“. Das Rechnungsamt werde eine Kostenaufstellung machen.

Reimund Imhof machte aufmerksam auf die Parksituation im gesamten Stadtbereich. Wo es einige Zeit relativ ruhig gewesen sei, scheine jetzt wieder „Parken frei“ zu gelten. Schreglmann sagte, bei konkreten Hinweisen werde dies an den Polizeiposten weitergegeben. Uissigheims Ortsvorsteher Klaus Kuß sagte zu dem Thema, wenn wie kürzlich zu lesen sei, dass in Külsheim ein alteingesessenes Geschäft schließe, solle man froh sein um jedes Auto, das in die Stadt fahre.

Bauch zollte dem zertifizierten Wanderweg LT6 „großes Lob“ hinsichtlich Führung, Beschilderung und wie dieser hergerichtet sei. hpw

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Külsheim. Bürgermeister Thomas Schreglmann äußerte zum Thema einleitend, die Geburtenzahlen hätten sich „einigermaßen positiv entwickelt“. Es gebe derzeit keine Schließungen von Kindergärten, es gebe Gedanken, das Angebot ausbauen. „Wir wollen ein breites Angebot für die Familien, die Nachfrage ist da“, beschied der Bürgermeister.

Christoph Kraft vom Rechnungsamt unterstrich, der sich seit 2016 verfestigende Trend bei den Kinderzahlen beruhe auf Geburten und auf der Zuweisung von Flüchtlingsfamilien. Über die Jahre hinweg komme bei starken Unterschieden jedes zweite bis jedes dritte Kind aus den Ortsteilen. Für 2022 sei mit etwa 282 Kindern im Stadtgebiet zu rechnen, welche für die Bedarfsplanung wichtig seien.

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Kraft ging auf die Umgestaltung der Betreuungsangebote in den letzten Jahren ein. Die Betreuung von Kleinkindern unter drei Jahren werde immer stärker nachgefragt, der Bedarf nach Ganztagsbetreuungsplätzen werde immer größer. Die einzelnen Ausbauschritte der letzten Jahre hätten sich alle als richtig erwiesen, seien schnell gut angenommen worden. Mittelfristig müsse ein weiterer Ausbau stattfinden, um den steigenden Kinderzahlen gerecht zu werden.

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Die Ausweitungen der Betreuungsangebote in einem sehr personalintensiven Bereich, so der Mann vom Rechnungsamt, hätten in den letzten Jahren einen durchgehenden Anstieg der Gesamtausgaben für den Kindergartenbetrieb bedeutet. Dieser liege in allen Einrichtungen zusammen 2020 bei erwarteten 1,8 Millionen Euro. Die Elternbeiträge trügen etwa 15 Prozent der Gesamtausgaben, die Beteiligung der kirchlichen Trägergemeinden zirka acht Prozent, der Landesanteil ungefähr 33 Prozent, der städtische Anteil bei rund 44 Prozent.

Kraft ging auf die eingerichteten Betreuungsformen inklusive entsprechender Zahlen ein und nannte in der Summe 206 Plätze. Speziell in der Kernstadt gebe es eine starke Belegung, im evangelischen Kindergarten eine genehmigte Überbelegung. Die Kapazität sei momentan sehr angespannt, sieben freie Plätze im gesamten Stadtgebiet seien hier fast gar nichts.

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Im laufenden Kindergartenjahr könne jedem Kind, für das eine Betreuung gewünscht sei, ein Betreuungsplatz angeboten werden. Im Wesentlichen besuchten die Kinder des Ortsteils den jeweiligen Kindergarten. Das Online-System zur Anmeldung habe sich insgesamt bewährt. 2018 seien Weichen im Rahmen einer Neukonzeption für die Zukunft gestellt worden. Diese gelte es Jahr für Jahr weiter abzuarbeiten und fortzuschreiben.

Besondere Belange

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Der Mann vom Rechnungsamt ging auf die besonderen Belange jedes einzelnen der sechs Kindergärten im Stadtgebiet ein. Bei seiner Übersicht der Einzelmaßnahmen benannte er den Bereich Krippe/Ganztagesbetreuung im Kindergarten Hundheim als im Mai 2019 fertiggestellt. An geplanten Maßnahmen stünden diese an: 2020 der Umbau des Gebäudes Bürgermeister-Kuhn-Straße 9 zum Interimsquartier für den evangelischen Kindergarten, 2021/22 Sanierung und Erweiterung des evangelischen Kindergartens Külsheim, 2021/23 Anbau an Gebäude Bürgermeister-Kuhn-Straße 9 für den katholischen Kindergarten Külsheim sowie 2023/24 der Neubau des Kindergartens Steinbach.

Kraft führte aus, die Freistellung einer Einrichtungsleitung, um sich auf zusätzliche Aufgaben konzentrieren zu können, sei ein entscheidendes Qualitätskriterium in der Kindertagesbetreuung und sehr aufwendig geworden.

Die Stadt Külsheim habe zusammen mit den Trägern der Kindertagesstätten in den letzten Jahren in mehrgruppigen Einrichtungen eine solche Freistellung der Einrichtungsleitung auf freiwilliger Basis vereinbart und selbst finanziert, die Freistellung sei zudem schrittweise erhöht worden. Über das „Gute-Kita-Gesetz“ flössen der Stadt Külsheim bereits 2020 Finanzierungsmittel der Leitungszeit mit zirka 75000 Euro per anno zu.

Der Mann vom Rechnungsamt sagte hinsichtlich der Beschlusslage über eine Mindestkinderzahl einzelner Kindergärten, zum Stichtag 1. März 2020 lägen alle Einrichtungen über dieser Zahl und auch ein Jahr später sei ein Unterschreiten nicht zu erwarten. Zu den Kindergartengebühren gebe es wenig Neues zu vermelden, die Öffnungszeiten blieben unverändert.

Umfangreiches Werk

Der Bürgermeister sprach treffend von einem umfangreichen Werk. Auf entsprechende Nachfragen aus dem Gremium war zu hören, dass einige wenige Kinder von außerhalb in Külsheimer Kindergärten gingen, für die andere Richtung gelte das Gleiche.

Die Tatsache, dass Kinder aus Flüchtlingsfamilien fast ausschließlich in den evangelischen Kindergarten in Külsheim gingen, hänge mit der Nähe der Flüchtlingsunterkunft zusammen und damit, dass für ältere Kinder kein Platz im katholischen Kindergarten sei. Die Finanzierungsmittel der Leitungszeit in Höhe von 75 000 Euro deckten die Vorgaben des Gesetzes ab.

Eric Bohnet ergänzte zur angesprochenen Freistellung der Einrichtungsleitung, es sei typisch, dass Kommunen Aufgaben erhielten, aber keine langfristige Finanzierung. Schreglmann pflichtete hier bei, Kommunen seien das letzte Glied in der Kette. Bohnet regte an, solche Verwaltungstätigkeiten durch „eine halbe Stelle“ aufzufangen, dies gemeinsam mit den kirchlichen Trägern umzusetzen, wolle man doch vorsichtig umgehen mit pädagogischen Fachkräften. Kraft meinte, dies sei bereits angesprochen worden.

Bohnet und dann auch Stefan Grimm hinterfragten die Zwischenlösung für die dritte Gruppe im evan-gelischen Kindergarten und die damit verbundene Bauverzögerung (Grimm: „ich glaube, wir haben etwas versäumt“). Der Bürgermeister sagte, die Verzögerung habe verschiedene Ursachen. Es gebe noch keinen Bebauungsplan, die Kindergartengenehmigung sei kompliziert, denn verschiedene Behörden müssten gehört werden. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie seien hinzugekommen, „wir haben ein zeitliches Loch“, man könne jedoch jetzt starten. Die dritte Gruppe sei in der Bürgermeister-Kuhn-Straße 9 voraussichtlich nicht hinzubekommen, Gedanken über Alternativen würden gemacht.

Claudia Rösser sprach grundsätzlich und bezüglich der Corona-Frage die Möglichkeit einer zusätzlichen Betreuung in Kindergärten an und ob diese von der Nachmittagsbetreuung und/oder Eltern geleistet werden könne. Schreglmann verwies darauf, dies sei rechtlich relativ schwierig. Kraft ergänzte, da müsse vom Gesetzgeber her etwas passieren.

Der Gemeinderat stimmte der Bedarfsplanung einhellig zu. Der evangelische Kindergarten in Külsheim wird ab September eine zusätzliche Gruppe mit Altersmischung ab zwei Jahren und verlängerter Öffnungszeit anbieten. Die gesetzlich vorgeschriebene Leitungsfreistellung wird bis spätestens 31. August 2021 umgesetzt.