Waldumbau

„Wir setzen in Zukunft auf Eichen“

Kreuzwertheims Gemeinderat informierte sich vor Ort über den Zustand des Waldes und der Biotope

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Der Gemeinderat Kreuzwertheim informierte sich in Wiebelbach über den Zustand des Waldes. Revierförster Gregor Wobschall stand Rede und Antwort. © Grein

Kreuzwertheim/Wiebelbach. Bei der Gemeinderatssitzung am vergangenen Freitag drehte sich alles um das Thema Wald und dessen Entwicklung in der Zukunft.

Die Sitzung begann mit einer Waldbegehung im Bereich des Industriegebiets Wiebelbach. Revierförster Gregor Wobschall gab vor Ort interessante Informationen, zeigte Folgen des Klimawandels auf und beantwortete Fragen.

Zuerst wurde das erweiterte Biotop im Bereich des Schotterparkplatzes begutachtet. Im Sommer herrscht dort laut Wobschall viel Leben. Das Feuchtbiotop entstand auf staunassem Boden. Es umfasst eine Fläche von etwa 0,5 Hektar auf einer Länge von 300 Meter. Das Anlegen wurde, so der Revierförster, von der Firma Jewa finanziert. Die Biotope biete Lebensraum für viele Arten unter anderem Amphibien, Libellen und Käferarten. Im Schilfbereich fänden sich zum Beispiel viele Erdkröten. Da es dort so gut funktionierte, habe man vor, eine Insel in der Mitte eines der Biotope als Erweiterung zu schaffen.

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Weiter führte er aus, die Menschen müssten sich erst an den Anblick der Totholzhaufen im Bereich gewöhnen. Für die Natur seien diese sehr wichtig. Beispielsweise versteckten sich in ihren Lücken Amphibien, um zu überwintern. Zudem gebe das Totholz beim Verrotten Nährstoffe ab, erklärte er. Im Biotop werden noch heimische Pflanzen gesät, so dass eine Insektenweide um die Wasserflächen herum entsteht. Auch diese hatte die Firma gespendet.

Die leichte Neigung des Geländes ermögliche einen Verbindungsfluss zwischen den Biotopen. Zur Bedeutung des Biotops erklärte er zudem: „Amphibien brauchen temporäre Gewässer.“ Diese seien hier vorhanden. Gemeinderat Jan Klüpfel regte an, Informationsschilder zur Bedeutung des Biotops aufzustellen. Wobschall berichtete, dies sei bereits geplant. Ärgerlich fanden die Räte, dass sich im Biotop Müll von Nachbargrundstücken finden.

Bei der anschließenden Waldbegehung erklärte Wobschall den aktiven Waldumbau. Kiefern nehme man zurück und fördere Buchen. „Wir gehen vom Nadel- zum Laubholz, da letzteres beständiger gegen die Klimaerwärmung ist.“

Man müsse mit den Maßnahmen Gas geben, denn das Kiefernsterben nehme immer mehr zu. „Ich halte es für sinnvoll, dem Laubholz zu helfen, damit der Umbau schneller geht.“ Für den zukünftigen Bestand setze man auf Buchen und Eichen.

Kiefern mögen keine Hitze

Vor 20 Jahren habe es im Gebiet etwa ein Drittel Laubbäume und den Rest Nadelbäume gegeben. Aktuell sei es etwa je die Hälfte. Kiefern kämen mit der Hitze nicht gut klar, erklärte er den Grund für das Absterben. Er erinnerte daran das der Spessart ursprünglich ein Laubwald war. Nadelhölzer hätte später der Mensch eingebracht.

Außerdem wolle man so oft wie möglich auf Naturverjüngung des Waldes setzen. Vorteil sei, es ist kostenlos und es entstehe eine Vielfalt, die sich der Klimasituation anpasst. Diskussion gab es bei Begehung um stehendes Totholz.

Wobschall erklärte, das Risiko von herunterfallenden Ästen auf den Weg sei eine waldtypische Gefahr. Man schaffe es nicht, alles Totholz aus dem Wald zu entfernen. Er verwies auf Biotopbäume. Diese werden wirtschaftlich nicht mehr genutzt und dürfen eines natürlichen Todes sterben und zerfallen. Sie sind für den Artenschutz besonders interessant. Für ihren Erhalt gebe es Fördermittel, so Wobschall.

Rat Michael Huth verwies darauf, dass stehendes Totholz Unfallbringer Nummer eins bei Waldarbeiten in Bayern sei.

Die Gefährdung durch stehendes Totholz müsse man als Gemeinde nicht unterstützen. Wolle man stehendes Totholz haben, müsse man auch bereit sein, die Mehrkosten für die zusätzliche notwendigen Maßnahmen zu tragen, die in diesem Fall zur sicheren Waldbewirtschaftung durchzuführen sind.

Fortgesetzt wurde die Sitzung im Feuerwehrhaus Wiebelbach. Wobschall ging dort auf die Folgen des Klimawandels für den heimischen Wald ein. Dazu griff er auf verschiedene Statistiken über Regenmenge und Temperatur zurück, die weniger Niederschlag und höhere Durchschnittstemperaturen zeigten. In Franken sei die Regenmenge 2022 mit 55 Liter pro Quadratmeter deutlich unter dem Durchschnitt von 1991 bis 2020 (185 Liter pro Quadratmeter) gelegen. Problem sei das fehlende Wasser vor allem in der Vegetationsperiode. Durch die Klimaveränderung nehme die Widerstandskraft der Bäume ab und die Vitalität der Schadorganismen zu.

Zielsetzung sei daher der Waldumbau mit standortgerechten heimischen und nichtheimischen Laubbaumarten sowie angepasste niedrige Wildbestände für eine gemischte Naturverjüngung.

Fichten kämen bei einer Jahresdurchschnittstemperatur von 9,5˚C an ihre Grenze. Auch die Waldkiefer käme bei steigenden Durchschnittstemperaturen an ihre Grenzen. Seit 2018 und den folgenden Dürrejahren habe das Absterben Fahrt aufgenommen. Daher müsse man den Waldumbau Richtung Laubwald voranbringen.

Gute Prognose für Esskastanie

Die Rotbuche werde auch beim zukünftigen Klima in Bayern vorkommen, führte er aus. Auch die Traubeneiche habe noch eine relativ gute Prognose. „Daher setzen wir noch auf Eichen.“ Sehr gute Prognosen gebe es für die Esskastanie. Daher wolle man mehr von ihrer Art pflanzen.

Bürgermeister Klaus Thoma erklärte, es sei im Interesse des Gemeinderats, dass der Wald zu einem klimaangepassten Wald umgebaut wird. „Machen Sie in diesem Sinne weiter“, wandte er sich an Wobschall. Die Gemeinde unterstütze den Waldumbau. Man müsse auch an nachfolgende Generationen denken.