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Erlichsgärten - Informationstafeln sollen die Wanderer auf die Einmaligkeit der Streuobstwiesen mit der vielfältigen Fauna hinweisen / Dickes Lob für Grundstückseigentümer und Bewirtschafter

Neue Infotafeln in Kreuzwertheim: Herausragende Bedeutung für den Naturschutz

Vertiefende Informationen für Wanderer und Interessierte entlang des Hauptweges durch das große Streuobstwiesengebiet sollen sensibel für die umgebende Natur machen.

Von 
Matthias Ernst
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Vier neue Infotafeln wurden entlang des Weges in den Erlichsgärten aufgestellt. Am Projekt waren unter anderem beteiligt (von links): Käferexperte Sebastian Vogel, Biodiversitätsbeauftragter der Regierung von Unterfranken Christian Salomon, Bürgermeister Klaus Thoma, ehemaliger „Bund“-Vorsitzender Ortsgruppe Kreuzwertheim Georg Wolpert, ökologischer Gebietsbetreuer Peter Merkert. © Matthias Ernst

Kreuzwertheim. Noch in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts sollten die Erlichsgärten einem großen Wohngebiet weichen. Nördlich des bisherigen Siedlungsgebietes wollte der Markt Kreuzwertheim auf der etwa 45 Hektar großen Fläche gerne wachsen. Das konnte der Bund Naturschutz (Bund) zum Glück unter Mithilfe der ganzen Bevölkerung verhindern, freut sich heute nicht nur der ehemalige Vorsitzende des Bund-Ortsgruppe Kreuzwertheim Georg Wolpert. Auch Bürgermeister Klaus Thoma ist stolz, dass die Ehrlichgärten heute „eines der größten zusammenhängenden Streuobstwiesengebiete des Landkreises mit fast 3000 Obstbäumen“ sind.

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Doch nicht nur die vielen Obstbäume sind eine Besonderheit, auch die vielen Tiere, egal in welcher Größe, sind herausragend. Christian Salomon, Biodiversitätsbeauftragter der Regierung von Unterfranken, berichtet bei einem Ortstermin, dass nicht nur über 100 verschiedene Apfel- und Birnensorten anzutreffen sind, sondern auch über 60 Vogelarten – darunter fünf Spechtarten und Trauerschnäpper – und über 100 Arten von Totholz bewohnenden Käfer findet man in den Ehrlichgärten. Nicht umsonst sind die Erlichsgärten ein Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000.

Das giftige Jakobskraut soll in einer freiwilligen Aktion am 14. Mai ausgestochen werden, damit seine Ausbreitung nicht noch mehr zunimmt. © Matthias Ernst

Um dieses „fast einmalige Gebiet“ (Thoma) noch sensibler durch die Bevölkerung erlebbar zu machen, hat der Markt Kreuzwertheim zusammen mit dem Naturpark Spessart, der Regierung von Unterfranken und vielen Grundstücksbesitzern und Nutzern vier Informationstafeln erstellen lassen, die vom gemeindlichen Bauhof nun an markanten Stellen aufgestellt wurden. „Sie dienen einerseits der Besucherlenkung und zur Information. Andererseits tragen sie dazu bei, dass dieses wertvolle Gebiet seine ihm gebührende Wertschätzung erhält“, sagte Bürgermeister Thoma beim Gang durch das Gebiet, der etwa zwei Kilometer lang ist. Noch nicht bestimmt sind die 705 Pflaumenbäume, die bei einer Streuobstkartierung in den Jahren 2018/19 erfasst wurden, fuhr er fort. Das soll das nächste Projekt werden, denn die „Quetschi“ sind ein Identifikationsfaktor des Markts Kreuzwertheim. „Ziel der Erfassung ist die Identifikation von Regionalsorten und Raritäten, um unser Streuobstgebiet dauerhaft zu erhalten, wie auch eine Förderung des Biotyps Streuobstwiese mit Streuobstbeständen“.

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Christian Salomon führte aus, dass die vier Tafeln aus den Sondermitteln zur Umsetzung der Bayerischen Biodiversitätsstrategie finanziert wurden. Dafür wurden 6500 Euro eingesetzt. Die Tafelträger selbst sind aus heimischer Eiche in der SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth erstellt worden, der Druck und das Layout übernahm die Firma Schleunung.

An den Inhalten haben maßgeblich der örtliche Historiker Manfred Schneider, der Käferexperte Sebastian Vogel, der Vogelexperte Hartwig Brönner und der Pomologe Steffen Kahl mitgewirkt. „Die Informationen machen die herausragende Bedeutung der Erlichsgärten für den Naturschutz, die Naherholung und Lebensmittelproduktion deutlich“, meint Christian Salomon. In den Erlichsgärten würden viele Naturschutz-Aktivitäten ineinander greifen. Zum einen seien es die Untersuchungen der Regierung von Unterfranken und des Naturpark Spessart zu Streuobst, Vögeln und Käfer in diesem Gebiet, die Streuobstpflege und Streuobstnachpflanzung durch den Markt Kreuzwertheim, den Naturpark Spessart und die MainStreuobstBienen eG. Und auch das Straßenbauamt in Würzburg beteiligt sich, denn es erhält eine größere Teilfläche als ökologische Ausgleichsfläche zur Rinderbeweidung und Streuobstpflege. „Es läppert sich“, fasste Salomon die unterschiedlichen Aktivitäten zusammen.

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Zusätzlich zu den großen Tafeln sind viele Obstbäume mit Sortenschildern gekennzeichnet und der Bund hat mehrere Reptilienhaufen angelegt, damit auch Kriechtiere wieder eine Heimat in den Erlichsgärten finden. Das freut auch den ökologischen Gebietsbetreuer Peter Merkert, der weiß, wie wichtig solche großen Flächen für die Biodiversität der Natur sind.

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Den wichtigsten Beitrag leisten im Gebiet, laut Salomon, allerdings die zahlreichen Eigentümer und Flächenbewirtschafter, die ihre Streuobstwiesen vorbildlich pflegen. Landwirte würden hierbei eine Förderung über das Bayerische Vertragsnaturschutzprogramm erhalten. „Ohne die Eigentümer und Nutzer hätten wir hier keine Bäume und Flächen mehr“, weiß Salomon genau. Er bot die Hilfe des Landschaftspflegeverbandes Main-Spessart an, um ungepflegte und verbuschte Grundstücke zu ertüchtigen. Entsprechende Maßnahmen sollen im Herbst und im Winter dieses Jahres stattfinden. Zudem will man einen Arbeitskreis oder Runden Tisch Erlichsgärten einrichten, um weiteren Bedarf abzustimmen und örtliche Maßnahmen gemeinsam weiterzuentwickeln.

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Salomon wies darauf hin, dass der Bund zusammen mit dem Naturpark Spessart und der Gemeinde eine Aktion zum Ausstechen des giftigen Jakobskrauts plant. Hierfür werden freiwillige Helfer gesucht. Am 14. Mai ab zehn Uhr ist Treffpunkt am „kleinen Gnadenhof“ am Ortsausgang Kreuzwertheim der St2315 Richtung Hasloch. Professionelle Ausstechwerkzeuge werden gestellt und auch für die kostenlose Verpflegung aller Helfer und Helferinnen ist gesorgt. Ende soll gegen 15 Uhr sein. Mitzubringen sind lediglich passende Handschuhe, ein Eimer oder Säcke sowie Sonnen- und Regenschutz. Rückfragen gerne per Email an Christian Salomon (Gebietsbetreuer Grünland im Naturpark Spessart): christian.salomon@naturpark-spessart.de.

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