Bürgerversammlung - Bürgermeister Klaus Thoma berichtete über den Stand der geplanten Erweiterung Gewerbegebiet erregt weiter die Gemüter

Von 
Birger-Daniel Grein
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Großes Thema in der Bürgerversammlung in Unterwittbach war erneut die Planung zur Erweiterung des Gewerbegebiets. © Birger-Daniel Grein

Zentrale Themen der Bürgerversammlung Unterwittbach waren erneut die geplante Erweiterung des dortigen Gewerbegebiets sowie der Verkehr.

In der Bürgerversammlung notiert

In einer einleitenden Präsentation stellte Bürgermeister Klaus Thoma die aktuellen Entwicklungen und Projekte in Unterwittbach vor.

2017 hat das Dorf 226 Einwohner (Vorjahr 204). Es gab dort 2017 einen Sterbefall aber keine Eheschließungen und Geburten.

Der Unterwittbacher Hermann Rösch wurde im vergangenen Jahr für sein ehrenamtliches Engagement geehrt. Der ehemalige Landwirt engagiert sich in der naturnahen Landschaftspflege, ist Ratgeber und Helfer in Kirche, Feuerwehr und Gemeinde, Pflegt das Pfarrergrab und ist aktives Mitglied im Männergesangverein.

Als umgesetzte Maßnahmen im Ort nannte Thoma unter anderem die Sanierung und Versetzung des Bildstocks an der St 2315, Maßnahmen im Bereich der Wasserversorgung und Entwässerung und ein Kleinkindspielgerät für den Unterwittbacher Spielplatz. Thematisiert wurde auch die Brückeninstandsetzung an der St 2315, die Folgen für die Bürger und die Maßnahmen eingegangener Beschwerdepunkte zu beheben.

Aktuell gibt es im Dorf zwei leerstehende Einfamilienhäuser und insgesamt acht Häuser mit Leerstandrisiko, da sie nur noch von einer oder zwei Personen über 70 Jahren bewohnt werden.

Weiter ging er auf die Schließung von Baulücken sowie die Flächen im Neubaugebiet Sandspitze im Dorf ein.

Der Informationsabend zur „Bürger-Solar-Anlage“ Unterwittbach durch die Firma Main-Spessart-Solar findet am 14. Mai in der Bürgerstube statt.

In der Bürgerdiskussion wurde unter anderem darum gebeten, im Neubaugebiet Sandspitze auch Seitenwege im Winter zu räumen. Thoma erläuterte die rechtlichen Vorschriften zur Räum- und Streupflicht für die Gemeinden und bemerkte, es handle sich um ebene Strecken, die nicht geräumt werden müssen. Man werde die Sache aber noch mal prüfen.

Der Kritik eines Bürgers, die Bevölkerung werde vom Gemeinderat nicht gehört, entgegnete Thoma mit der Aufzählung der vielen Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung, die es in der Marktgemeinde gebe.

Vorgeschlagen wurde weiterhin, dass die Marktgemeinde leerstehende Gebäude im Ortskern kauft. Ebenso kam die Frage, ob im Dorf weitere Wohnbauflächen ausgewiesen werden können. Thoma erklärte, hier spielten auch finanzielle Aspekte eine große Rolle. Wegen der Innenentwicklung bemühe man sich, in Förderprogramme aufgenommen zu werden.

Umgesetzt wird die Idee, die Sitzungstermine des Gemeinderats in das Gemeindeblatt aufzunehmen.

Weiterhin wird man veranlassen, dass das Material, das aus den Gräben in der Flur geholt wird, dort abgelegt wird, wo es niemanden stört.

Geprüft werden die beiden Gedenktafeln der Kriegsgefallenen an der Unterwittbacher Kirche, da diese laut Bürgern beschädigt sind

Von einer Einwohnerin wurde angeregt, am Spielplatz von Unterwittbach noch eine Kleinkindschaukel anzubringen. Thoma griff die Idee auf.

Schade fanden Eltern zudem, dass die große Rutsche dort nur gut funktioniere, wenn sie nass sei.

Gefragt wurde weiterhin nach einem Sonnenschutz am Spielplatz am Main in Kreuzwertheim. Thoma erläuterte, die ursprüngliche Planung habe man wegen zu aufwendiger Statikberechnungen verworfen. Ab diesem Sommer soll ein Sonnensegel über den Kleinkindbereich gespannt werden.

Auf Nachfrage erklärte Thoma, die Mülleimer an den öffentlichen Bänken würden einmal die Woche gelehrt. Man werde aber dem Bürgerhinweis nachgehen, dass einige von ihnen überquellen. bdg

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Unterwittbach. In der Bürgerversammlung Unterwittbach am Dienstag in der dortigen Bürgerstube wurde deutlich, dass die geplante Erweiterung des Gewerbegebiets bei vielen der Einwohner große Sorgen verursacht. Sie befürchten eine deutlich geminderte Lebensqualität durch die Folgen neuer Gewerbeansiedlungen.

Bürgermeister Klaus Thoma versuchte, deutlich zu machen, dass der Gemeinderat alle Belange gründlich abwiegt und die Sorgen der Bürger ernst nimmt. In seiner einleitenden Präsentation ging er auf die Eckpunkte und den aktuellen Stand des Erweiterungsverfahrens ein. Aktuell hat das Gewerbegebiet eine Fläche von 2,4 Hektar. Man hat für die weitere Planung festgelegt, die ursprünglich angedachte Erweiterungsfläche um 27 Prozent, das sind 5,7 Hektar, zu verkleinern. Damit würde im Bebauungsplan eine Gesamtgröße von 15,4 Hektar ausgewiesen.

Aktuell laufen die Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans und der Aufstellung des Bebauungsplans. In dessen Rahmen wurde bereits ein Lärmschutzgutachten erstellt, der Umweltbericht wird momentan geschrieben. Außerdem werden die Träger öffentlicher Belange mehrfach angehört. Das Verfahren der förmlichen Beteiligung erfolgt ab April 2018. Im Rahmen des Verfahrens wird zudem ein Gewässerentwicklungskonzept für den Wittwichsbach entwickelt.

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Die erste Bürgerfrage des Abends betraf dann gleich die Notwendigkeit der Erweiterung im Dorf. Thoma verdeutlichte, man könne Unternehmen, die ansiedeln oder erweitern wollen, keine Flächen mehr anbieten. Dies sei aber wichtig, um Arbeitsplätze in der Marktgemeinde zu schaffen und zu halten. Ohne diese sei eine Gemeinde wenig attraktiv. Ziel sei es auch, junge Leute zu halten oder zurückzuholen. Zudem sei die Gewerbesteuer eine nötige zentrale Einnahmequelle.

„In den letzten drei Jahren konnten bei uns 350 neue Arbeitsplätze geschaffen und besetzt werden.“ Im Fünfjahreszeitraum sollen es insgesamt 500 werden.

Arbeitsplätze statt Logistikzentren

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Der Gemeinderat wolle im Gewerbegebiet kleine und mittlere Unternehmen ansiedeln, die Arbeitsplätze bieten und keine menschenleeren Logistikzentren, dies werde man auch in den Bebauungsplanregeln festlegen. Auf weitere Fragen erklärte er, die Erweiterung betreffe kein natur- und wasserschutzrechtliches Gebiet und die topographische Lage sei günstig. Man wolle zudem möglichst viel Grün in das Gewerbegebiet bringen. So soll es um die Erweiterungsfläche herum, aber auch innerhalb Grünstreifen geben. Die genaue Größe der naturrechtlichen Ausgleichsfläche werde im laufenden Verfahren noch festgelegt.

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Man wolle aber einen Ausgleich im Gebiet, so dass der Landwirtschaft nicht noch mehr Flächen genommen wird. Möglich seien im Bebauungsplan zum Beispiel Regeln zur Dachbegrünung und zu Flächenbelägen, durch die Wasser versickern kann. „Wir als Bürger müssen darauf aufpassen, dass die Gestaltung des Gebiets so verträglich wie möglich erfolgt“, stellte ein Bürger fest, denn verhindern werde man die Erweiterung wohl nicht mehr können.

Entwicklung nach und nach

Weiterer Diskussionspunkt war die Dimension der Erweiterung. Laut Thoma gibt es schon einige Interessenten für die Flächen. „Die Entwicklung wird nach und nach und nicht ad hoc in wenigen Jahren erfolgen“. Die Investitionen für Flächenankauf und Erschließung seien notwendige Zukunftsinvestitionen. Die Erschließung soll abschnittsweise erfolgen.

Thoma meinte, er werde es als Bürgermeister wohl nicht mehr erleben, dass die gesamte Erweiterungsfläche voll wird. Es gehe hier um eine ganz langfristige Planung. „Die vier Abschnitte des Gebiets in Wibelbach entstanden in über 40 Jahren“, zog er einen Vergleich.

Zweiter großen Sorgenpunkt der Bürger war der Verkehr, der durch den Ort fließt. Man fürchte, dass dieser mit der Erweiterung weiter zunehmen wird. „Bereits jetzt fahren viele durch den Ort und und das zu schnell“, monierte ein Bürger.

Thoma erklärte, der Bauausschuss prüfe verschiedene bauliche Maßnahmen, um die Geschwindigkeit der Fahrzeuge im Ort zu verringern. Außerdem sei es möglich, den Schwerlastverkehr aus dem Ort auszuschließen. Die Zufahrten zur Erweiterung des Gewerbegebiets sollen nicht über den Ort erfolgen. Aus der Erfahrung heraus, bezweifelten die Bürger jedoch, dass sich der Zulieferverkehr an ein Verbot halten würde.

Gemeinderat Andreas Schmidt forderte die Bürger auf, die Kennzeichen von LKW, die sich nicht daran halten, zu notieren und sie an die Polizei zu melden. Wer einmal Strafe zahle, überlege sich, nochmals durchzufahren. Thoma erklärte durch entsprechende Beschilderung und Kontrollen wolle man zudem verhindern, dass Lkw-Fahrer im Ort parken, um zu schlafen.

In der Versammlung kam auch die Anregung, das Ortschild etwas nach hinten zu verlegen.

Die Wohnbebauung beginnt direkt am Schild. Um eine rechtlich verwertbare Geschwindigkeitsmessung zu erreichen, muss jedoch ein Abstand von 150 Meter zum Ortsanfang eingehalten werden. Somit sind verwertbare Messungen an den ersten Häusern nicht möglich. Eine deutliche Verbesserung der Verkehrssituation wünschten sich die Bewohner des Neubaugebiets Sandspitze. Dabei ging es um den Einbau von Schwellen für eine Geschwindigkeitsreduktion und Probleme mit dem Einhalten der Rechts-vor-Links-Regeln. Thoma versprach, der Bauausschuss werde sich den Themen annehmen.

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