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Schutzengelfest - Kurzer geschichtlicher Abriss

Ursprung und Mittelpunkt

Von 
emü
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Gissigheim. Die Schutzengelkapelle ist Ursprung und Mittelpunkt der Feierlichkeiten rund um das Schutzengelfest, das im Laufe der Jahrhunderte zum Heimatfest sich herausentwickelt hat. Der Adelige Ortsherr Johann Philipp von Bettendorff wollte 1710 die Nichte seiner kurz zuvor verstorbenen Gemahlin von Frankenstein heiraten. Dazu brauchte er die Dispens von. Rom, die der Papst bei einer Gegenleistung gewährte. Diese Leistung erbrachte der Ortsherr durch den Bau dieser Kapelle mitten im Dorf, die er den Heiligen Philipp Neri und Ignatius von Loyola weihen ließ. Sie sind in der Fassade der Kapelle als lebensgroße Figuren aufgestellt. Die Kapelle sollte aber gleichzeitig eine herrschaftliche Gruftkapelle werden, worin die Adelsfamilie ihre Verstorbenen beisetzen sollte.

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Doch erlebte der Erbauer die Fertigstellung der Kapelle nicht mehr, denn er starb 1711 als General der pfälzischen Truppe auf einem Feldzug in Schlesien. In einer silbernen Schale wurde sein Herz in der neuen Kapelle beigesetzt. Insgesamt musste die Gruft siebenmal geöffnet werden, um Mitglieder der freiherrlichen Familie zur Ruhe zu legen. Aus Dankbarkeit für seine wundersame Befreiung aus türkischer Gefangenschaft, in die er 1738 geraten war, hat der Sohn des Erbauers, Christoph Friedrich von Bettendorff ein Jahr später diese Kapelle den heiligen Schutzengeln umgewidmet und das Schutzengelfest eingeführt. Hierzu hat er von Rom einen Ablass erwirkt und für weiteren Ausstattungen für dieses Fest gesorgt wie die Bestellung von Beichtvätern und deren Verköstigung. Vor allem hat er eine Jahresstiftung von 500 Gulden festgelegt.

Die Schutzengelkapelle ist Ursprung des Festes. © Edgar Münch

Im Laufe der Jahrhunderte wurde diese Schutzengelkapelle immer wieder auch als Pfarrkirche benutzt, da die Ortskirche am Berg im schwer zugänglichen Friedhof stand. In den fast 300 Jahren ihres Bestehens musste die Kapelle öfters renoviert werden. Aber immer wieder fanden sich Gissigheimer, die sich für den Erhalt dieses barocken Kleinods finanziell einsetzten und auch tatkräftig zu Werke gingen. Um 1841, nachdem der Ortsadel längst Gissigheim verlassen hatte, sollte die Schutzengelkapelle abgetragen und in Eubigheim, wo nun ein Abkömmling der Familie Bettendorff wohnte, neu errichtet werden. Wahrscheinlich aber ging es um die Jahresstiftung, die man sich einstreichen wollte. Die Gissigheimer aber zogen für den Erhalt ihrer Kapelle sogar zum Ministerium in Karlsruhe, wo für den Verbleib entschieden wurde.

Die letzte Außenrenovierung erfolgte 2012 zum 1000. Geburtstag. Damals wurde auch ein Freilicht-Theater „Der Schutzengel“ aufgeführt, das der Heimatdichter, Ehrenbürger und Mitglied der Akademie der schönen Künste in München, Wilhelm Weigand ,verfasst hatte. Eine Innenrenovierung erfolgte 2019. Seither ist sie ein wunderschönes barockes Schmuckkästchen und eine oft besuchte Gebetsstätte. Daher versteht man auch, wie tief verankert das Interesse der Bevölkerung an der Kapelle ist und wie sehr sie sich mit dem Schutzengelfest identifiziert. emü

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