Schule für Musik und Tanz im Mittleren Taubertal - Drei Aufführungen sind im März 2019 in Lauda geplant / Über 100 Akteure Großprojekt für Sänger aus der Region

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Peter D. Wagner
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June Weber aus Oberlauda und Thomas Nitschke aus Königshofen sind zwei der fünf Hauptsolisten beim Musical „Amazing Grace“ in Lauda. Im Vordergrund am Klavier Claudia Heidrich, Leiterin des Gesamtchors. © Peter D. Wagner

Bei der Schule für Musik und Tanz im Mittleren Taubertal laufen die Vorbereitungen für das Chormusical „Amazing Grace“ als erneutes musikalisches Großereignis der Extraart.

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Lauda-Königshofen. Bereits jetzt haben die Akteure von der Musikschule und Kooperationspartnern sowie zahlreiche Gesangssolisten damit begonnen, sich ambitioniert auf das Konzert und Schauspiel vorzubereiten. Zudem startete am vergangenen Montagabend die Probenphase für den großen Gesamtchor unter Regie von Claudia Heidrich, die ebenso Leiterin des Gospelchors der Schule für Musik und Tanz im Mittleren Taubertal ist. Nach dem fulminanten Erfolg des Pop-Oratoriums „Die 10 Gebote“ im Oktober 2011 laufen nun die Vorbereitungen für ein neues musikalisches Großereignis: das Chormusical „Amazing Grace“.

Neben dem Gesamtchor zählen das Orchester der Musikschule in Kooperation mit dem Martin-Schleyer-Gymnasium, eine sechs- bis achtköpfige Schüler-Lehrer-Band sowie ein kleiner Chor zu den mitwirkenden Ensembles. Gesangliche und schauspielerische Solistenrollen haben June Weber (Oberlauda), Niko Buck (Schöntal), Thomas Nitschke (Königshofen), Antonia Neumann und Ute Witte (beide Lauda). Zudem wird der große Gesamtchor zu den Aufführungen durch zwei Chöre aus Osterburken, wo das Musical bereits Ende April 2015 aufgeführt wurde, und aus Eisingen (Landkreis Würzburg) verstärkt. Für die Regie und Inszenierung zeichnet sich Alexa Hurka aus Bad Mergentheim verantwortlich.

Momentan sei nach Angaben von Edgar Tempel, Leiter der Schule für Musik und Tanz im Mittleren Taubertal, mit über 100 Akteuren zu rechnen. „Es dürfen jedoch sehr gerne noch mehr werden, denn es sind alle Chöre sowie begeisterungsfähigen Sängerinnen und Sänger aus der ganzen Region eingeladen, bei dem Großprojekt mitzuwirken und es maßgeblich mitzuprägen“, betont Tempel, der auch voraussichtlich die drei Aufführungen dirigieren wird.

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Das Lied „Amazing Grace“ zählt zu den weltweit berühmtesten Gospelsongs. Martin Luther King machte es neben „We shall overcome“ zur Hymne der Bürgerrechtsbewegung. Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 sangen es Christen, Muslime und Juden gemeinsam bei der Trauerfeier für die New Yorker Opfer. Die berührende Melodie komponierten unbekannte schwarze Farmarbeiter. Den Text schrieb 1773 der britische Sklavenkapitän John Newton. Das gleichnamige Musical „Amazing Grace“ erzählt die bewegte Lebensgeschichte Newtons und die Entstehung dieses Gospels.

Im späten 18. Jahrhundert wurden über elf Millionen afrikanische Männer, Frauen und Kinder als Sklaven verschleppt. Auf dem Rücken dieser Menschen wurde Großbritannien zur Weltmacht. John Newton war einer von vielen, die von der Sklaverei profitierten. Er machte als Sklavenhändler Karriere und stieg bis zum Kapitän auf.

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Als 1748 sein Schiff im Sturm zu versinken drohte, fiel er im Sturm auf die Knie und betete zu Gott, dass er ihn verschonen möge. Trotz seiner Hinwendung zu Gott dauerte es noch weitere 30 Jahre, bis Newton schließlich als Prediger erbitterter Gegner der Sklaverei wurde. 1773 schrieb John Newton die Hymne „Amazing Grace“.

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Als Priester gründete er eine christliche Gruppe politisch einflussreicher Anglikaner um den britischer Parlamentarier und Anführer im Kampf gegen die Sklaverei, William Wilberforce, die einen maßgeblichen Einfluss auf die Abschaffung der Sklaverei im Empire im Jahre 1833 hatte.

Das von dem norwegischen Komponisten Tore W. Aas (Musik) und von Andreas Malessa (Liedtexte und Drehbuch) verfasste Chormusical „Amazing Grace“ ist Teil der Aktion „Gospel für eine gerechtere Welt“, eine Kampagne von „Brot für die Welt“ und der Stiftung „Creative Kirche“. Sie ruft die rund 100 000 deutschen Gospelsängerinnen in 3500 Chören dazu auf, nach dem Motto „Singen, Handeln, Gospel leben“ Verantwortung für die Ärmsten zu übernehmen.

Das Musical stößt die Auseinandersetzung mit Ungerechtigkeit und Abhängigkeit in der globalisierten Welt im Allgemeinen sowie mit moderner Sklaverei im Speziellen an: Rund 27 Millionen Menschen leben heute als Sklaven, zum Beispiel durch Menschenhandel, Zwangsheirat und -prostitution oder Schuldknechtschaft.

Seine Uraufführung feierte das Chormusical im September 2014 in der Rothenbach-Halle in Kassel. Bei den ersten sieben bundesweiten Aufführungen begeisterten 3500 Mitwirkende rund 22000 Besucher.