Bageno-Hauptversammlung - Agrarminister Peter Hauk sieht Politik in der Pflicht, Landwirten unter die Arme zu greifen / Kritik am Verhalten militanter Tierschützer, die sich illegal Zutritt zu Ställen verschaffen „Solch ein Verhalten ist nicht zu tolerieren“

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Klaus T. Mende
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Agrarminister Peter Hauk sieht die Politik in der Pflicht, Landwirten verstärkt unter die Arme zu greifen. In Igersheim kritisierte er das Vorgehen militanter Tierschützer, die sich illegal Zutritt zu Ställen verschaffen: „Dies ist nicht zu tolerieren.“ © Klaus T. Mende

Peter Hauk setzt sich vehement für den Erhalt einer flächendeckenden Landwirtschaft ein – und sichert den Bauern seine Unterstützung zu. Für seine Aussagen erhielt der Minister viel Applaus.

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Igersheim. „Ich sehe den Welthandel durch die USA derzeit akut gefährdet“, findet der Politiker bei seiner Visite im Rahmen der Bageno-Hauptversammlung deutliche Worte. Es sei noch nicht abzusehen, wohin der Weg führe – und die Folgen könnten auch den Agrarbereich spürbar treffen. Deswegen sei es erforderlich, rechtzeitig nach Mitteln und Wegen zu suchen, mit deren Hilfe mögliche Schäden abgemildert werden könnten. Daher sei es die Pflicht der Politik, die Landwirte in dieser schweren Zeit nicht im Regen stehenzulassen. „Landwirtschaft ist eigentlich längerfristig angelegt. Doch es wird immer schwieriger, sich am Markt zu behaupten“, so Peter Hauk. Um zumindest etwas optimistischer nach vorn blicken zu können, rät der Landwirtschaftsminister den Bauern, „eine Risikostreuung vorzunehmen“ und sich nicht auf einen Bereich zu beschränken.

Keine Lösung gefunden

Der CDU-Politiker ließ durchblicken, dass den Bauern in vielerlei Hinsicht die Daumenschrauben immer mehr angezogen würden – etwa beim Thema Ferkelkastration. Hier sei es versäumt worden, ein schmerzloses Verfahren zu finden, obwohl es dafür genügend Zeit gegeben habe. Auch die Thematik Kastenstände bereite vielen Betrieben Sorgen. Er setze sich mit seiner bayerischen Kollegin für längere Übergangsfristen bis 2038 ein – bisher ohne Erfolg. „Es muss aber eine Lösung her, die Investitionen müssen sich rentieren“, so Peter Hauk. Ansonsten verstärke sich der Strukturwandel auch im Ländle, und die Zahl der Schweine erzeugenden Betriebe nehme weiter ab. Drittes bedeutendes Thema sei das Kupieren der Schwänze, wo es ebenfalls nötig sei, schleunigst auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

Es hat sich noch keiner gemeldet

Hauk sieht die Politik in der Pflicht, auch den Rinderhaltern im Land unter die Arme zu greifen. Vor allen Dingen auch deshalb, weil der Milchpreis sich schon wieder in einem Bereich bewege, der für die Bauern kaum Gewinne zulasse. In diesem Zusammenhang prangerte er das Verhalten manch militanter Tierschützer an. „Wenn sie in fremdes Gut und Eigentum einbrechen, geht es ihnen nicht wirklich um Tierschutz“, kritisierte Peter Hauk. „Bei mir im Ministerium hat sich noch keiner gemeldet.“ Wieso warten sie Wochen und Monate, bevor sie illegal gemachte Videos und Bilder in die Öffentlichkeit bringen? „Hier geht es nicht wirklich um Tierschutz. Hierbei handelt es sich um Geschäftsmodelle zur Eintreibung von Spendengeldern. Solch ein Vorgehen ist nicht zu tolerieren“. Gleichzeitig riet er den Bauern, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, die Betriebe zu öffnen, um die Gesellschaft zu informieren und zu sensibilisieren.

Nicht nachvollziehbar

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Nicht nachvollziehen könne er als Minister auch die Kritik mancher Naturschutzverbände am Einsatz von Pflanzenschutzmitteln – diese Kritik verfehle nicht selten das Thema. „Kulturpflanzen sind keine Wildkräuter und brauchen Schutz, der nicht immer biologisch erfolgen kann.“ Und dennoch: Die Produkte und Lebensmittel seien völlig unbedenklich zu genießen, sie seien von einer sehr hohen Qualität und würden ständigen Kontrollen unterzogen. „Wir haben die besten Produkte weltweit.“ Er sehe sich als Gegenpol all jener, die den Einsatz solcher Mittel madig machten und damit einen ganzen Berufszweig stigmatisierten. Dies dürfe so nicht hingenommen werden, so Hauk unter dem Beifall seiner 500 Zuhörer.

Was den Klimawandel angehe, so sei es ebenso nicht zu akzeptieren, dass die Landwirtschaft hierbei unter Generalsverdacht genommen werde. „Wir dürfen hier nicht ständig über das Phänomen reden“, es müsse gelingen, konkrete Wege zu finden, um Abhilfe zu schaffen. Aufgabe der Politik sei es, all jenen Landwirten, die unter dem Klimawandel am meisten zu leiden hätten, finanziell unter die Arme zu greifen. Er plädiere dafür, verstärkt eine Risiko vorsorge zu treffen – gern auch mit Zuschüssen des Landes.

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Zu guter Letzt ging der Agrarminister des Landes Baden-Württemberg noch auf die aktuelle Problematik Afrikanische Schweinepest ein, von der Deutschland bislang noch nicht betroffen sei. „Wir arbeiten derzeit an einem Notfallplan“, so Peter Hauk abschließend. Zugleich müsse die Gesellschaft dahingehend sensibilisiert werden, keine Lebensmittel mehr in der Öffentlichkeit achtlos wegzuwerfen – vor allen Dingen, wenn sie aus dem osteuropäischen Raum seien. Ebenso müssten die Jäger mit ins Boot geholt werden, deren Bestreben es sein müsse, die Zahl der Wildschweine durch erhöhten Abschuss zu reduzieren. „Wir müssen energisch Prävention betreiben.“

Redaktion Mitglied der Main-Tauber-Kreis-Redaktion mit Schwerpunkt Igersheim und Assamstadt