Fragen an den Igersheimer Bürgermeister - Frank Menikheim sieht die Aufgabe der Verwaltung zurzeit darin, Bürgern und Betrieben beratend zur Seite zu sehen „Besonnen und zupackend handeln“

Von 
Bettina Semrau
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Der Igersheimer Bürgermeister Frank Menikheim: „Ich bin froh und dankbar, dass eine große Hilfsbereitschaft vorhanden ist“. © Gemeinde igersheim

Große Hilfsbereitschaft und sehr gut funktionierende nachbarschaftliche Unterstützung prägen laut Bürgermeister Frank Menikheim den Umgang mit der Corona-Krise in Igersheim.

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Igersheim. In regelmäßigen Lagebesprechungen tauscht sich die Gemeindeverwaltung über die aktuellen Auflagen aus der Corona-Verordnung des Landes aus. Daneben müssen „alle anderen wichtigen Themen trotzdem weiterlaufen“, unterstreicht Menikheim.

Wie geht es Ihnen in der aktuellen Krise persönlich? Sind Sie vom Coronavirus bislang verschont geblieben?

Frank Menikheim: Danke, mir geht es gut und auch meine Familie ist wohlauf.

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Wie sehr nimmt Sie die aktuelle Situation beruflich in Anspruch?

Menikheim: Der Tagesablauf ist natürlich völlig verändert. Fast alle Termine sind abgesagt. Stattdessen gilt es, die vielen Informationen rund um das Thema Coronavirus zu verarbeiten und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.

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Wie geht es den Mitarbeitern Ihrer Gemeindeverwaltung und des Bauhofs? Sind auch hier schon Corona-Verdachtsfälle bzw. Krankheitsfälle aufgetreten?

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Menikheim: Ich bin sehr froh, dass wir bisher verschont geblieben sind und weder Verdachts- noch Krankheitsfälle zu verzeichnen haben.

Wie läuft die Krisenbewältigung in der Verwaltung? Welche Veränderungen haben sich im Rathaus, auch für Besucher, ergeben?

Menikheim: Zunächst haben wir – als sich abgezeichnet hat, dass Schulen und Kindergärten geschlossen werden – über das Wochenende und am folgenden Montag die Notfallbetreuung organisiert. Die Auflagen aus der Verordnung des Landes sind umzusetzen. Dazu finden regelmäßige Lagebesprechungen statt.

Wir haben ein gutes Team und ich bin sehr zufrieden, dass hier gleichermaßen besonnen und zupackend gehandelt wird. Das Rathaus ist für den normalen Besucherverkehr derzeit vorsorglich und als Vorsichtsmaßnahme geschlossen. Es ist sehr wichtig, dass die Verwaltung gesund und handlungsfähig bleibt. Selbstverständlich sind wir telefonisch und per E-Mail erreichbar. Bei wichtigen Angelegenheiten erhalten die Bürger auch einen Termin und können persönlich zum jeweiligen Ansprechpartner gehen. Ein Teil der Mitarbeiter arbeitet im Home-Office.

Was sind die größten Probleme und Aufgaben, die Sie und Ihre Verwaltung aktuell bewältigen müssen? Wie läuft die Kommunikation mit dem Gemeinderat?

Menikheim: Einerseits müssen die Aufgaben rund um die Corona-Krise bewältigt werden, andererseits ist auch darauf zu achten, dass alle anderen wichtigen Themen trotzdem weiterlaufen. Der Gemeinderat wird per E-Mail über die wichtigsten Dinge informiert.

Unsere letzte Gemeinderatssitzung wurde abgesagt. Mit den Fraktionssprechern habe ich im Vorfeld abgestimmt, dass einige unaufschiebbare Entscheidungen von mir im Wege der Eilentscheidung getroffen werden. Einen Beschluss haben wir auch im Umlaufverfahren herbeigeführt. Also: es gibt Mittel und Wege. . .

Die Gemeinde hat Hilfen für Privatpersonen organisiert. Gibt es auch Unterstützung für Unternehmen, Betriebe oder Selbstständige?

Menikheim: Vom Bund und vom Land wurden Unterstützungsprogramme aufgelegt. Unser kommunaler Wirtschaftsförderer und Kämmerer Matthias Edinger verschafft sich zur dynamischen Rechts- und Förderlage ständig einen aktuellen Überblick und unterstützt bei Bedarf. Ich sehe unsere Aufgabe als Gemeinde in dieser schwierigen Zeit vor allem darin, für unsere Einwohner und Betriebe erreichbar zu sein mit allen Fragen, bei denen sie nicht alleine weiter kommen. Die allermeisten kommen dank Internet-Infos, Verwandtschaft, Freunden, Dachverbänden und Partnern in Banken und Behörden gut klar und organisieren die Krise so, dass sie erträglich ist. Wenn das aber nicht geht, brauchen sie jemanden, der zuhört und mitdenkt, und weitere vielleicht noch denkbare Lösungen gemeinsam mit den Betroffenen sucht und die Möglichkeiten der Gemeinde hierfür auslotet. Dafür stehe ich als Bürgermeister und mein Mitarbeiter-Team jetzt vorrangig zur Verfügung, während der normale Verwaltungsbetrieb natürlich auch weiterlaufen muss. Begeistert bin ich übrigens von der anpackenden Kreativität der Igersheimer Betriebe, die weiterhin mit Lieferservice und angepassten Angeboten für die Bürger da sind.

Welche Herausforderungen sehen Sie auf die Gemeinde und Ihre Bürger zukommen, wenn die Ausgangsbeschränkungen bestehen bleiben oder sogar verschärft würden?

Menikheim: Ich bin froh und dankbar, dass eine große Hilfsbereitschaft vorhanden ist. Wir erfahren über die Organisatoren unserer Nachbarschaftsfeste von sehr gut funktionierender nachbarschaftlicher Unterstützung. Außerdem haben sich über unser Bürgernetzwerk und Facebook-Gruppen rund 70 Freiwillige gemeldet, die unterstützen wollen.

Auch die evangelische und katholischen Kirchen bieten Gespräche und Hilfe an. So konnte das Bürgernetzwerk (www.buergernetzwerk-igersheim.de) bereits wertvolle Partnerschaften vermitteln, bei denen Freiwillige je einen Hilfsbedürftigen unterstützen. Das spricht zum einen für gute familiäre Strukturen oder sonstige Netzwerke.

Aber ich bin auch überzeugt davon, dass manche Menschen noch keine Unterstützung haben und sich schwer damit tun, Hilfe anzunehmen und um Unterstützung zu bitten. Ich kann nur dazu aufrufen, dass diese Menschen sich öffnen und die Unterstützung der Freiwilligen annehmen.

Je länger die Ausgangsbeschränkungen bestehen bleiben, desto größer wird der Bedarf an Unterstützung werden. Ich bin aber sicher, dass wir diese gewährleisten können.

Die besonders ansteckungsgefährdeten Menschen sowie unser Gesundheitssystem sind auf unsere Solidarität und Vernunft angewiesen. Ich hoffe, dass wir alle das auch bei längeren Beschränkungen nicht vergessen werden.

Redaktion