Kita-Eröffnung - Einrichtung in der ehemaligen „Galerie“ / Fünf staatlich anerkannte Erzieherinnen betreuen bis zu 20 Kinder „Artikus“ – mehr als nur ein Name

Von 
Renate Henneberger
Lesedauer: 
Musik ist eine Sprache, die Herzen berührt und die jeder versteht. Bürgermeister Frank Menikheim (mit Maske) wurde freundlich in den Kreis aufgenommen und fühlt sich sichtlich wohl. © Renate Henneberger

Mit der Eröffnung der Kita „Artikus“ in der ehemaligen „Galerie“ erweitert die Gemeinde Igersheim ihr Angebot der Ganztagsbetreuung von Kindern ab drei Jahren.

AdUnit urban-intext1

Igersheim. „Verflixt, wer ist denn dieser ,Artikus’“, denkt sich vielleicht mancher, wenn er den Namen zum ersten Mal hört. „Pate für eine Kindergartentagesstätte – und man kennt ihn nicht! Wie peinlich ist das denn.“ Ergebnislos verläuft die Recherche im Internet. Selbst „Google“ und „Wikipedia müssen kleinlaut passen. Carolin Sackmann, Leiterin der neuen Kita, schiebt einen Flyer über den Tisch und löst das Rätsel auf: Pfiffiges Gesicht, eine Hand zum Malpinsel geformt, Kasperlschuhe an den Füßen, der runde Bauch, die Weltkugel – dieses freundliche, bunte Bälle jonglierende Männchen, das ist „Artikus“.

Figur und Name verdanken ihre Entstehung dem Einfallsreichtum der Erzieherinnen. „Beides sagt im Grunde alles über unsere Kita aus“, erklärt die Leiterin, „über unsere Konzeption, über die Schwerpunkte, die wir setzen und über die Ansprüche, die wir an uns stellen.“ So stünde „ART“, für Kunst und Theater, „I“ für Igersheim, „K“ für Kultur, „U“ für Umweltbewusstsein und „S“ für Sport und Sprache.

Erziehung mit Kopf, Herz und Hand

Still, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, hat die Kita „Artikus“ vor einer Woche ihren Betrieb aufgenommen. Es ist keine Zeit für große Feiern. „Corona stellt uns vor große Herausforderungen und macht uns den Einstieg nicht leicht“, meint Carolin Sackmann mit Bedauern. Täglich müsse man einen Spagat vollführen, um einerseits die notwendigen Hygieneregeln umzusetzen und andererseits dem Bedürfnis der Kinder nach Nähe und Geborgenheit gerecht zu werden.

AdUnit urban-intext2

Carolin Sackmann fasst ihre Vorstellung von einer guten Erziehung zusammen: „Dazu gehören Kopf, Herz und Hand“. Fünf staatlich anerkannte Erzieherinnen betreuen die Kita „Artikus“ – vier als Teilzeitkräfte, eine in Vollzeit. Zwei von ihnen verfügen über die Qualifikation „Fachwirtin für Kindertageseinrichtungen“.

Mit dem Herzen sind sie alle dabei. „Die Kinder sollen sich bei uns willkommen und angenommen fühlen.“ Großen Wert werde auf guten Kontakt zur Schule, zu Senioreneinrichtungen, zum Bürgerhaus und zu den örtlichen Vereinen gelegt. „Es ist wichtig, dass die Kinder sich als Teil der Gemeinde verstehen, in die Gemeinschaft hineinwachsen, Wurzeln schlagen und ihre Heimat kennen und lieben lernen. Die Feier unserer traditionellen religiösen Feste ist fester Bestandteil des Jahres. Gleichzeitig sind wir offen für andere Glaubensrichtungen und Kulturen, für deren Feste und Rituale“.

AdUnit urban-intext3

„Die gute Auslastung der Kindergärten spricht eine deutliche Sprache: Igersheim ist eine familienfreundliche Gemeinde“, freut sich Bürgermeister Frank Menikheim. „Um auch in Zukunft allen Kindern einen Betreuungsplatz bieten zu können, hat der Gemeinderat im Dezember 2018 den Umbau des ehemaligen Restaurants ,Galerie’ zu einem eingruppigen Kindergarten beschlossen. Im Mai des folgenden Jahres wurde mit den Bauarbeiten begonnen.“

Modern und gut ausgestattet

AdUnit urban-intext4

Für 20 Kinder biete die Kita „Artikus“ Platz. Damit habe die Gemeinde ihr vielfältiges Betreuungsangebot um eine weitere moderne, gut ausgestattete Kindertagesstätte erweitert.

Eine Wohlfühlatmosphäre empfängt den Besucher, die durch die vorherrschenden Farbtöne, freundliches Blau und warmes Apricot, unterstrichen wird. Bis ins Detail liebevoll gestaltet ist die Garderobe im Eingangsbereich mit Sitzbank, Ablage und kleinen Schrankfächern – niedlich mit handgemalten Symbolen gekennzeichnet.

Mit wenigen Griffen umgebaut

Fast erwartet man, die Türe werde sich öffnen und die „Sieben Zwerge“ marschierten ein. Aber die sind schon da. Sie wirtschaften in der Miniküche, die mit wenigen Handgriffen zu einer Verkleidungs- und Theaterecke umgebaut werden kann.

Im angrenzenden Raum türmen sie Bauklötze auf und spielen „Memory“, sie kneten, formen, malen und klecksen nach Herzenslust in der „Zwergenwerkstatt“, dem sogenannten „Intensivraum“, und sie tummeln sich im „Bewegungsraum“.

Carolin Sackmann öffnet die Tür zum Schlafraum. Kinderbetten, wie die gesamte Einrichtung aus hellem Holz, warten auf die kleinen „Mittagsschläfer“.

„Jedes Kind hat sein eigenes Bett mit eigenem Bettzeug.“

Wo einst für die Gäste des Restaurants gekocht wurde, sitzen heute die Kinder beim Frühstück und Mittagessen, das aus der Küche des Seniorenheims „Phönix“ bezogen wird. „Wir achten auf gesunde Ernährung und bieten ergänzend zu den Mahlzeiten täglich frisches Obst an“, versichert die Leiterin.

Materialraum, Bürobereich sowie Sanitärraum vervollständigen die Ausstattung. „Bei uns bewegt sich etwas und wir wollen, dass sich unsere Kinder bewegen“, erklärt die Leiterin. „Uns steht die Kleinsporthalle zur Verfügung und – bis wir einen eigenen Spielplatz haben – der Außenspielbereich der Schule.“

Eine echte Multikulti-Gruppe

Sie kommen aus Ungarn, Litauen, Syrien und Russland. „Wir sind eine echte Multikulti-Gruppe“, lacht Carolin Sackmann. Berührungsängste mit den deutschen Kindern gäbe es keine. „Es ist uns ein besonderes Anliegen, dass alle Kinder – deutschsprachige wie Migrationskinder – bis zum Schuleintritt die deutsche Sprache richtig sprechen und verstehen können.“

Sieben Kinder, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, lachen und spielen miteinander. Im Spiel wächst Gemeinschaft, Fröhlichkeit und Ordnung. Carolin Sackmann ist überzeugt: „In der Kindheit wird das Fundament für ein gutes Miteinander und für eine friedlichere Welt gelegt.“

„Kinder fühlen sich hier wohl“

Bürgermeister Frank Menikheim zeigt sich nach dem Rundgang durch die Kita zufrieden. „Es ist ganz offensichtlich, die Kinder fühlen sich hier wohl.“ Es sei ihm ein Anliegen, dass die Kinder hier eine frohe, unbeschwerte Zeit erleben. „Sie sollen spielen, lachen, Zuneigung und Geborgenheit erfahren und ganz einfach Kind sein dürfen.“ Denn was wappnet besser für die Herausforderungen des Lebens als eine glückliche Kindheit „mit der man ein ganzes Leben lang aushalten kann“, wie es Jean Paul ausdrückt.