Unwetter in Höpfingen - Schon einmal vernichteten starker Hagelschlag und heftiger Regen die Ernte / Aufzeichnungen aus dem Jahr 1822 „Das Korn war ganz und gar verschlagen“

Von 
Adalbert Hauck
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Ausschnitt aus dem Übersichtsplan von der Gemarkung Höpfingen aus dem Jahre 1873. © Adalbert Hauck

Alles war schon mal da: Die „Ewige Wiederkunft des Gleichen“ ist ein zentraler Gedanke nicht nur in Friedrich Nietzsches Philosophie. Auch Unwetterkatastrophen gab es früher schon.

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Höpfingen. Im Nachgang zum Hagelunwetter am 11. Juni in Höpfingen und dem Besuch der Hagelschätzer am Montag kam bei den Gesprächen in Höpfingen immer wieder auf, dass man sich an so ein Unwetter mit Hagelschlag und in dieser Größe der Körner seit Menschengedenken nicht erinnern könne. „In den letzten 80 Jahren ist mir so etwas nicht bekannt“, hat man allenthalben im Ort gehört.

Diese Aussage hat Adalbert Hauck, Vorsitzender des Heimatvereins und gleichzeitig Bürgermeister der Gemeinde Höpfingen, dazu bewogen, mal nachzuschauen, ob nicht doch schon einmal so etwas Ähnliches vorgefallen ist.

Historischer Bericht

In den gemeindlichen Unterlagen ist jedoch in der Kürze der Zeit nichts zu finden. Dafür hat der Heimatforscher und spätere Ehrenbürger der Gemeinde Höpfingen, Oberstudienrat Heinrich Sauer (1905 bis 1991), Ettlingen, bereits im Dezemberheft 1935 in der Zeitschrift „Der Wartturm – Heimatblätter des „Vereins Bezirksmuseum Buchen“ und dann noch einmal im Heimatheft „Unsere Heimatgemeinde Höpfingen“ 1966 einen zeitgenössischen Bericht aus dem Jahre 1822 veröffentlicht. Dieser stammt aus dem Hausbuch der Familie Karl Schell (1910 bis 1984, Bürgermeister und Ehrenbürger der Gemeinde Höpfingen) und soll im Folgenden noch einmal wiedergegeben werden. In Klammern sind einige Anmerkungen und Erläuterungen zum besseren Verständnis gegeben: „1822 den 8ten May hat es ein Gewitter von Donner und Kissel (kieselgroße Hagelkörner) und Regen in unserer Gegend erstanden, so das es weit und breit alles sehr verdarb; besonders hier in Höpfingen und Waltdürn haben die Kissel das Korn ganz und gar verschlagen, das viele Äcker von lauterem (reinem, gutem) Korn muste umgeackert werden.

Das „Wasser vom 8. Mai“

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Das ist geschehen nachmittag zwischen halb zwey bis drey Uhr. Auch viel und zwar die meinste Krautgarten aus dem grund mitgenohmen, viele Acker mitgenohmen, das Wiesenthal bis an die Heuäcker (gemeint ist hiermit der Bereich des Urgrabens; siehe Bildausschnitt) überschwämt, die Steg und Brücken mitgenohmen und beschätig, das auch Menschen und Vieh in den nächsten Gegenden ersoffen sein. In kürzen ist es nicht zu schreiben.

War aber ein sehr Hitziger May, auch gar bald alles so, das man schon zu ausgang des May tollenkle (Wiesenklee) dörr gemacht wie auch Heu. Auch fingen die Trauben schon zu blühen an mit anfang des Juny, der Dinkel schoste, aber kein Regen mehr vom 8ten May bis anfang des Jully, doch nur gewitterregen.

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Die Winderfrucht als Korn wurde schon um Kiliani (8. Juli) geschnitten, der grüne Kern schon um Johani (24. Juni) gemacht, aber die Sommerbau waren sehr schlecht, weil kein durchrechen mehr kam; daher viel bragfeld öd liegen blieb.

Äußerst trockenes Jahr

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Bis den 15ten Jully blieb es trocken, den 15ten Jully und 16ten hat es gerechnet, danach wieder schön, bis den 26ten Jully ein gewitterregen. Schottenfrüchten gab es fast keine, haber (Hafer) wenig. Most gab es auch nicht zu viel.“

Leider haben die bisherigen Recherchen nach diesem Hausbuch in der Kürze der Zeit zu keinem Erfolg geführt. Aussehen und Verbleib des Hausbuches sind leider im Augenblick unbekannt.

Hausbuch verschollen

Auch die Kontrolle der Kirchenbücher von Höpfingen, Waldstetten, Walldürn und Hardheim hat nur einen einzigen Sterbeeintrag für den 8. Mai 1822 zutage gebracht. Hier verstarb eine 71-jährige Frau in Hardheim. Leider ist über die Todesursache nichts zu erfahren. Es könnte somit im Zusammenhang mit dem Unwetter vom 8. Mai stehen, muss aber nicht.

Der zeitgenössische Bericht aus dem Jahre 1822, der im Hausbuch der Familie Karl Schell niedergeschrieben war – Verfasser dürfte vermutlich der Urgroßvater von ihm, Josef Adam Schell, gewesen sein, der von 1794 bis 1846 lebte – enthält keine Angaben über weitere Schäden an Häusern, Dächern oder Fenstern. Dies liegt aber eher daran, dass alles Leben zu Anfang des 19. Jahrhunderts auf die Produktion von Lebensmittel ausgerichtet war und das persönliche Wohlergehen von dem Erfolg des Anbaus von Agrarprodukten in Abhängigkeit mit den Gegebenheiten der Natur gegeben war.

Der Bericht aus dem Jahre 1822 zeigt jedoch auf, dass das Unwetter vom 11. Juni 2018 kein einmaliger Fall in der Geschichte von Höpfingen war, sondern alles schon einmal oder so ähnlich geschehen ist, auch wenn man sich seit „Menschengedenken“ nicht mehr daran erinnert. Dafür gibt es glücklicherweise das geschriebene Wort. Was wieder einmal mehr aufzeigt, wie wichtig es ist, Dinge für die Zukunft und nachkommende Generationen festzuhalten und zu bewahren.