Helden der Corona-Krise - Bäckereifachverkäuferin Ute Steffan bedient auch in der aktuell schwierigen Zeit weiter mit einem Lächeln – und zweierlei Paar Handschuhen „Unsere Kunden halten sich an die Regeln“

Von 
Melanie Müller
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Während die Kunden der Bäckerei Dietz-Thorwart in Hardheim das Team in der Backstube bei der Arbeit nicht zu Gesicht bekommen, stehen die Bäckereifachverkäuferin Ute Steffan und deren Kolleginnen im direkten Kontakt mit ihnen und bedienen sie – ausgerüstet mit „Geld“- und „Bedien-Handschuhen“ – mit frischem Brot und anderen Leckereien. © Melanie Müller

Zu den Menschen, die in der aktuell schwierigen Zeit ihren Job machen, gehört Bäckereifachverkäuferin Ute Steffan. Sie bedient weiter mit einem Lächeln – und zweierlei Paar Handschuhen.

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Hardheim. „Für mich sind unsere Angestellten Helden des Alltags, weil sie trotz der aktuellen Situation dafür sorgen, dass unsere Kunden täglich wie gewohnt unser Brot und andere Köstlichkeiten kaufen können“, hat uns Peter Thorwart schon vorab am Telefon erklärt. Wir haben nämlich bei dem Geschäftsführer der Bäckerei Dietz-Thorwart in Hardheim nachgefragt, ob wir mit einer seiner Bäckereifachverkäuferinnen sprechen dürfen, um über sie eine Geschichte für unsere neue Rubrik „Helden der Corona-Krise“ schreiben dürfen.

Ute Steffan begrüßt uns mit einem strahlenden Lächeln – wie auch an allen anderen Tagen, auch vor der Corona-Krise. Seit 2007 arbeitet die Gissigheimerin bei der Bäckerei in der Erftalmetropole. Ihre Lehre zur Bäckereifachverkäuferin hat sie vor 40 Jahren abgeschlossen. Sie beherrscht ihr Handwerk – und das wissen auch die Kunden zu schätzen.

Als wir ihr bei unserem Vor-Ort-Besuch erzählen, dass sie in unserer neuen Rubrik zu Wort kommen darf, erklärt sie uns mit einem Lächeln: „Das ist mein Job, und den mache ich, so lange ich kann“. Bescheiden fügt sie hinzu: „Es gibt viele andere Berufsgruppen, die viel mehr zu kämpfen haben als wir hier. Beispielsweise in den Krankenhäusern. Das sind wahre Helden.“

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Sie und ihre Kolleginnen, die im direkten Kundenkontakt stehen, hätten „Gott sei Dank genügend Abstand“. Nicht nur die Verkaufstheke mache dies möglich, sondern auch die Stehtische und die vielen Hinweise („Bitte 1,50 Meter Abstand halten!“), die ihr Chef aufgestellt und angebracht hat.

Klar habe auch sie Angst, sich zu infizieren. Sowohl im privaten Bereich, als auch im Geschäft. Man könne ja nie wissen, „ob jemand hereinkommt, der selbst nicht weiß, dass er sich mit dem Virus infiziert hat“.

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Die Frau von der Zeitung fragt nach, was „in Tagen wie diesen“ anders als sonst laufe. „Wir achten noch mehr auf Hygiene, als wir es sonst schon tun“, erklärt sie.

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Ihr Chef hat vorgesorgt, genügend Desinfektionsmittel besorgt und an den Waschbecken bereitgestellt. Darüber hinaus tragen Ute Steffan und die weiteren Kolleginnen im direkten Kundenkontakt nun zweierlei Handschuhe: ein Paar, um das Geld von den Kunden entgegenzunehmen („Geldhandschuhe“), und ein weiteres (das wird übergestreift), um die Backwaren in die Tüten zu geben – die dann dem Kunden über die Theke gereicht werden („Bedien-Handschuhe“).

Dass Letztere zum Einsatz kommen, sei besonders wichtig zum Schutz der Kunden, denn: „Dank der Handschuhe müssen Backwaren nicht mit der bloßen Hand angefasst werden.“ Außerdem orderte Peter Thorwart Masken für alle Mitarbeiter, die diese auf freiwilliger Basis tragen können. Zusätzlich wurden Plexiglasscheiben als „Spuckschutz“ für die Mitarbeiter und Kunden installiert.

„Es gab noch keine Diskussionen“

Apropos Kunden: Die werden schon vor der Eingangstüre darauf hingewiesen, dass sich „Bitte maximal drei Kunden im Laden“ aufhalten sollten. Ob das funktioniert? Ein klares „Ja“ ist die Antwort. Und Steffan fügt hinzu: „Unsere Kunden halten sich an die Regeln. Manchen fragen uns sogar, ob es uns gut geht.“ Und immer häufiger werde ihnen beim Verlassen des Geschäfts noch ein „Bleiben Sie gesund“ zugerufen. Wenngleich Steffan weiß: „Auch unsere Kunden haben Angst.“ Seit Beginn der Corona-Krise ist ihr aufgefallen, dass viele zurückhaltender geworden seien und auch weniger das Gespräch suchen würden. Und: „Die Leute kaufen anders ein“, wird sie nachdenklich. Zu Beginn hätten einige „extrem viel mitgenommen, um es zu bunkern“, vermutet sie. Das bestätigt uns auch ihr Chef, der hinzufügt: „Wir backen ja noch Drei-Pfünder-Brote. Die gehen nach wie vor.“ Ihm ist darüber hinaus aufgefallen, dass nun kaum ein Kunde den Laden verlasse, ohne ein Brot mitzunehmen. Auch jene nicht, die sich früher nur einen kleinen Snack gekauft hätten.

Großes Lob hatte Bäckermeister Peter Thorwart für die Kunden. „Es gab noch keine Diskussionen über die neuen Abstandsregeln. Alle sind verständnisvoll und halten sich daran.“

Und sein Team? Das ist seit Tagen im Schichtdienst im Einsatz. „Wir trennen akribisch zwischen Verkauf und Produktion.“ Sensible Bereiche würden ständig desinfiziert. „Meine Mannschaft ist toll und steht zu 100 Prozent hinter dem eingeschlagenen Weg.“

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