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In Rütschdorf - Familie Berberich gewährte Einblicke in ihre Arbeit / Informationen gab es nicht nur zu den neuen Stallungen / Imagegewinn für die Landwirtschaft ein Ziel

Strohschweine standen in Rütschdorf im Mittelpunkt

Die 900 Strohschweine der Familie Berberich in Rütschdorf fühlen sich „sauwohl“ in ihren neuen Stallungen. Das stellten die Besucher der „Gläsernen Produktion“ am Sonntag statt.

Von 
Adrian Brosch
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Interessant waren die Führungen mit Lukas Berberich, der den Besuchern unter anderem auch einen Blick in die neuen Stallungen gewährte. © Adrian Brosch

Rütschdorf. Insgesamt drei Führungen – coronabedingt in Kleingruppen und aus tierhygienischen Gründen auch nicht im Stall selbst – führten die zahlreichen Gäste im Rahmen der „Gläsernen Produktion“ auf dem Hof der Familie Berberich in Rütschdorf an die Lebensgewohnheiten der Strohschweine heran.

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Die Landwirtschaftsmeister Mathias und Lukas sowie der Techniker für Landbau, David Berberich, gingen dabei auch auf zahlreiche Fragen zu den Borstentieren, ihrer Lebensweise und den ab 2019 geplanten, schließlich im Sommer 2020 bezogenen Stallungen am Rande Rütschdorfs ein.

Tiergerechte Haltung

„Die neuen Räumlichkeiten gestatten eine tiergerechte Haltung“, erklärte Mathias Berberich und verdeutlichte, dass die Tiere rund um die Uhr und dank Überdachung wetterunabhängig ins Freie gelangen können. Sein Sohn Lukas betonte, dass man nicht weiter in die klassische, von Politik und Gesellschaft inzwischen auch nicht mehr unbedingt gewünschte Schweinehaltung investieren wollte: „Wir informierten uns im gesamten Bundesgebiet nach Konzepten“, schilderte er.

Der Schwerpunkt des Nachmittags lag auf der Verbraucherinformation, wie Marianne Berberich bestätigte: Sie sprach einerseits von einer „großen Freude“, aber ebenso von einem wertvollen Instrument zur Aufklärung. „Fleischproduktion ist nicht automatisch mit Industrie gleichzusetzen – genau das wollen wir hier demonstrieren“, informierte sie und sah den Nebeneffekt derartiger Veranstaltungen in „größerer Wertschätzung für Lebensmittel und bewussteren Essgewohnheiten“ sowie einem Imagegewinn für die Landwirtschaft. „Es geht auch um das Ablegen von Vorurteilen“, räumte sie ein.

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Ablegen von Vorurteilen

Dem schloss sich Eva-Maria Kötter vom mit einem gut frequentierten Informationsstand vertretenen Fachdienst Landwirtschaft, Hauswirtschaft und Ernährung des Landratsamts Neckar-Odenwald-Kreis an: „Es handelt sich um eine Form der Verbraucherinformation, die neben den klaren Vorzügen regional erzeugter Produkte auch Nachhaltigkeit bewirbt“, schilderte sie und verwies etwa auf kurze, daher klimafreundliche Transportwege und tiergerechte Aufzucht, was wiederum gut zum Stellenwert des 2019 als Bio-Musterregion zertifizierten Neckar-Odenwald-Kreises passe.

Als Leiter der Behörde kam Bernhard Heim auf die gegenwärtig nicht ganz einfache Situation der Schweinebauern zu sprechen. Zwischen 2003 und 2021 habe sich ihr Bestand allein im Kreisgebiet von einst 450 auf nunmehr noch deren 80 dezimiert – eine „bedauerliche Entwicklung, die sich in ganz Baden-Württemberg zeigt“.

Im Ganzen betrachtet habe die Schweinehaltung einen Rückgang um 30 Prozent verbucht; die Anzahl der Betriebe sank im selben Zeitfenster um 76 Prozent. Gerade angesichts jener Zahlen könne man durchaus von einer „existenziellen Krise in der Schweinehaltung“ sprechen, gegen die das Engagement der Familie Berberich jedoch ein umso markanteres Signal setze.

„Die neuen Stallungen erfüllen und übertreffen sämtliche Standards in bemerkenswerter Weise“, lobte Heim und bezeichnete die Berberichs mit den Eltern Marianne und Mathias sowie den Kindern Lukas, Anna und David als „tolles Familienteam“, das viel Zeit, Herzblut und Geld in ein „absolutes Vorzeigeprojekt für Region und Landwirtschaft“ investiert habe. In diesem Sinne erhoffte er rege Nachahmer auch zur Sicherstellung des Angebots hochwertiger Fleisch- und Wurstwaren, die man als Verbraucher „bewusst auswählen, kaufen und genießen“ möge – wenngleich nicht zu Dumpingpreisen: „Man kann auch Schweinefleisch guten Gewissens essen, sollte dafür jedoch tiefer in die Tasche greifen und regionale Produkte bevorzugen“.

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Nachdem Lukas Berberich das Bestreben zur landwirtschaftlichen Spezifizierung erläutert hatte, segnete Pfarrer Wolff die Räume. Auch Bürgermeister Volker Rohm, MdB Alois Gerig und Albert Gramling, Vorsitzender des Kreisbauernverbands zeigten sich begeistert.

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