Über 120-jährige Tradition - Fastentriduum der Seelsorgeeinheit Hardheim-Höpfingen im Madonnenland beendet Spirituelle Angebote in der Fastenzeit

Von 
Torsten Englert
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Das Logo der Seelsorgeeinheit Hardheim-Höpfingen im Madonnenland, welches die Emaus-Jünger darstellt, wurde zum Fastentriduum vor dem Altar aufgebaut. © Torsten Englert

Hardheim. Am Sonntag ging mit der dritten Fastenpredigt von Pfarrer Christian Wolff als Leiter der Seelsorgeeinheit Hardheim-Höpfingen im Madonnenland das diesjährige Fastentriduum zu Ende.

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Dieses Triduum, welches früher an Fastnacht abgehalten und deshalb als Fastnachts-Triduum bezeichnet wurde, hat in Hardheim eine lange Tradition. Das Wort Triduum beinhaltet lateinisch „tres“ beziehungsweise griechisch „treis“, was „drei“ bedeutet, und „dies“, welches „Tag“ bedeutet. Somit kann das Wort Triduum mit „dreitägig, an drei Tagen hintereinander“ übersetzt werden. Ursprünglich sollte im katholischen Glauben ein Triduum auf ein kommendes Ereignis oder ein Fest vorbereiten – das Hardheimer Triduum auf die kommende 40-tägige Fastenzeit.

Die Aufzeichnungen im katholischen Pfarrarchiv beginnen im Jahr 1897, als das Triduum vom 28. Februar bis 2. März stattfand. Es ist jedoch davon auszugehen, dass das Triduum in Hardheim eine längere Tradition hat. Der damalige Hardheimer Pfarrer Joseph Stephan schreibt in seinen Aufzeichnungen: „Früher blieben wir immer hinter 1000 heiligen Kommunionen zurück. Offenkundig haben die Predigten der hochwürdigen Kapuziner-Patres, die seit dem badischen Kulturkampf wieder zum ersten Mal hier auftraten, angegangen und gewirkt. Gott erhalte die segensvolle Saat.“

Ob es schon vor dem badischen Kulturkampf, der im Januar/Februar 1874 begann und 1880 endete, ein Triduum in Hardheim gab, geht aus den Aufzeichnungen nicht hervor.

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Von älteren Bürgern Hardheims war auch schon zu hören, dass das Triduum aufgrund eines Gelübdes nach einer überstandenen Notzeit zurückgeht. Dies ist jedoch nicht bewiesen und reine Spekulation.

Wegen des „neuen Zeitgeists“ wurde von dem damals neuen Hardheimer Pfarrer Johann Schäfer durch Beschluss des Pfarrgemeinderates das Triduum seit 1973 nicht mehr an den Fastnachtstagen, sondern am ersten Wochenende in der Fastenzeit gehalten; deshalb auch die bis heute verwendete Bezeichnung „Fastentriduum“.

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Auch in Zeiten, wo die Zahl der Kirchenbesuche rückläufig ist, haben die Predigten nichts an Aktualität und Interesse eingebüßt. Lediglich die Referenten sind in den letzten Jahren überwiegend die ortsansässigen Geistlichen und pastorale Mitarbeiter gewesen. Große „Spektakel“ wie der Besuch des Domkapitulars Hemmrich im Jahr 1919 wird es heute kaum mehr geben.

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Das Fastentriduum in diesem Jahr stand unter dem Motto der Emaus-Jünger, die auch im Logo der Seelsorgeeinheit dargestellt sind. Alle drei Fastenpredigten beschäftigten sich mit diesem Thema. Nicht nur die Gottesdienste waren gut besucht, beim Livestream am Aschermittwoch waren knapp 300 Aufrufe zu verzeichnen.

Die erste Fastenpredigt hielt an Aschermittwoch Gemeindereferentin Claudia Beger, die das Beispiel der Emaus-Jünger aufgriff, die auf der Flucht sind und Kraft schöpfen, um die Unsicherheit und die Situation auszuhalten. Parallelen zog Beger zur derzeitigen Situation. Die Fastenzeit sei auch der „Reset-Knopf“, um „herunterzufahren“ – und die Chance für jedermann, den eigenen, inneren Kurs zu überprüfen.

Gemeindereferentin Uschi Butterweck setzte sich in der zweiten Predigt am Freitag mit der Pastoralkonzeption und dem Leitbild auseinander, welches eine Zeit des Umbruchs, wie bei den Emaus-Jüngern, beschreibt. Danach setzte sie sich schwerpunktmäßig mit den Emaus-Jüngern und deren Begegnung mit Jesus auseinander und begab sich auf die Spurensuche nach Jesus im alten Testament.

In der dritten Fastenpredigt am ersten Fastensonntag setzte sich Pfarrer Christian Wolff mit der interessanten inneren Reise der Emaus-Jünger auseinander. Diese innere Reise führt sie durch die Wüste. Wüstenzeiten sind nach dem Pfarrer Krisenzeiten, wie die aktuelle Corona-Krise, in der die Menschen an innere Grenzen stoßen. Hier gibt es die guten Seiten im Menschen, die Pfarrer Wolff als „göttliche Funken“ bezeichnete, und den inneren Abgrund. „Der Glaube möchte befreien und Gott will die Menschen aus der Mittelmäßigkeit herausholen.“ Eine freiwillige „Wüstenzeit“ würde die Fastenzeit darstellen, die den Menschen zum freiwilligen Verzicht, zum Nachdenken anregen möchte.