Historisches Spektakulum bei Josefsmarkt - Darbietung in „Hordemer“ Dialekt durch die Kolpingsfamilie Spiel um die Verleihung der Marktrechte

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Probe für das historische Spektakulum am Sonntag: Das Bild zeigt (von links) Daniel Roßmann, Rudi Gärtner, Norbert Englert und Hans Molzer. © Adrian Brosch

Hardheim. Wenngleich der Josefsmarkt neuerdings nur an einem Tag stattfindet, gehört das Spektakulum wieder zum festen Programm.

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„Do guck no, der Küfer Ignaz lösst eispanne: Der will nüber ins Mainzische, neues Werkzeug kaafe. Bei uns kriegt er jo nix, hot er g’sagt“: Ob 1763 diese Worte fielen und ob fehlende Einkaufsmöglichkeiten vor Ort der Grund für die Errichtung des Hardheimer Josefsmarktes waren, steht in den Sternen. Trotzdem – oder gerade deswegen – ist das durch die Laiendarsteller der Kolpingsfamilie seit 2000 jährlich präsentierte Josefsmarkt-Spektakulum nicht mehr wegzudenken.

Nach zwei eher lockeren Probeabenden im Pfarrheim und der Generalprobe, die im Grunde nur der Auffrischung der Texte dienten, da diese nach all den Jahren eigentlich aus dem Effeff „sitzen“, geben sich am Sonntag die bunt kostümierten Darsteller auf dem Schlossplatz die Ehre und zeigen, wie die Verleihung des Marktrechts sich damals hätte abspielen können.

Das Spektakulum war ursprünglich nicht für die Kolpingsfamilie gedacht: Zur 950-Jahr-Feier Hardheims ließen sich der frühere Grund- und Hauptschulrektor Siegfried Heilmann und sein Sohn Arnd die gewitzten und pointierten Dialoge einfallen und wandten sich an die Gemeindeverwaltung. Über Umwege landete das Konzept bei dem früheren Gesellenverein: „Wir wurden damals gefragt, ob wir uns eine solche Aufführung vorstellen könnten“, erinnert sich Ehrenvorsitzender Rudi Gärtner, der als Regisseur fungiert, Texte und Kostüme verteilt sowie die Probentermine organisiert.

Erste Aufführung im Jahr 2000

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Der Rest ist freilich Geschichte: Die erste Aufführung fand auf dem Pausenhof des Schulzentrums statt, ehe man bereits 2001 auf der Schaubühne im Alpengarten aufspielte: „Zu einem historischen Schauspiel passt eine historische Kulisse einfach besser“, ist Rudi Gärtner überzeugt. Nach fünfzehn Jahren wechselte die Gruppe den Ort erneut und präsentiert ihr Schauspiel nun seit 2016 auf dem Schlossplatz.

Die meisten Spieler sind dem Publikum bekannt, denn sie wirken teils schon lange in dem Ensemble mit: „Sicher auch deswegen, weil nur einmal im Jahr aufgetreten wird und kein hoher Probenaufwand erforderlich ist“, so Rudi Gärtner.

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Der im Manuskript stehende Text spielt streng genommen nur eine untergeordnete Rolle: Statt wortgetreuem Rezitieren der Dialoge wird oft „frei Schnauze“ gespielt. Als „heimatverbundene Hordemer“ schenken die Kolpingbrüder dem Dialekt volle Aufmerksamkeit, während launige Seitenhiebe ebenfalls zum guten Ton gehören. Was aber das Publikum nicht im Geringsten stört –: ganz im Gegenteil: „Wir haben treue Fans, die jedes Jahr wieder vor der Bühne stehen und unser Spektakel als absolutes Muss erachten, ohne das ihr persönliches Josefsmarkt-Vergnügen nicht beginnen kann“, weiß Rudi Gärtner.

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Die aktuelle Besetzung besteht aus Stefan Bäcker, Helmut Bopp, Adrian Brosch, Norbert Englert, Rudi und Renate Gärtner, Diakon Franz Greulich, Lothar Hauck, Hans Molzer, Alexandre, Gudrun und Thomas Ost, Daniel Roßmann und Rámon Perez. Eng verbunden mit dem Spiel ist auch der Name Wolfgang Daehre: 2009 verstorben, war er lange Jahre als Regisseur tätig. Damit ist die Liste der Darsteller aber noch nicht beendet. Auch der Odenwaldklub, die Feuerwehr und die Ministranten sind jährlich dabei, wenn Diakon Franz Greulich mit sonorer Stimme in der Rolle des Fürstbischofs eine noch heute viele Besucher aus nah und fern anlockende Botschaft verkündet: „Am 19. März eines jeden Jahres, am Tag des Heiligen Josef, Schutzpatron aller Werktätigen, darf ein Vieh- und anderer Markt mit allerlei Kurzweil in Ehrfurcht vor dem Namensgeber einschließlich gebührender kirchlicher Feier des Festtages und bei Beachtung des dadurch gebotenen Höchstmaßes an Sittsamkeit eingerichtet werden.“ ad