Gemeindewald Hardheim - Erneuerung der Forsteinrichtung steht an / Gemeinderat stimmte den vorgelegten Eigentümerzielen zu „Natur gibt letztlich den Takt vor“

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Melanie Müller
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Bei einer Waldbegehung im Herbst gaben die Forstrevierleiter den Hardheimer Gemeinderäten einen Einblick in ihre Arbeit. © Melanie Müller

Hardheim. Die Erneuerung der Forsteinrichtung als Grundlage des Bewirtschaftungsplans des Gemeindewaldes Hardheim für die kommenden zehn Jahre steht an. Hierzu werden seitens des Waldeigentümers Rahmenbedingungen und Zielsetzungen formuliert, die neben den allgemeinen Grundsätzen der nachhaltigen und multifunktionalen Bewirtschaftung festgelegt werden sollen.

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Bei der Gemeinderatssitzung am Montag wurde das im Vorfeld mit der Forstbetriebsleitung Walldürn (FBL) und den Sprechern der Fraktionen erarbeitete Papier von Bürgermeister Volker Rohm und Oberforstrat Patrick Halbauer vorgestellt.

Öffentliche Bekanntgaben

Bürgermeister Rohm wies auf eine Mitteilung des Landeskommandos Baden-Württemberg hin: Die Bundesministerin der Verteidigung habe die im Januar 2019 getroffene Grundsatzentscheidung zur Wiederinbetriebnahme des Munitionslagers Altheim und des Materiallagers Hardheim jetzt mit konkreten Organisationselementen hinterlegt. Demnach werden im Munitionslager Altheim einschließlich der Bundeswehr-Feuerwehr rund 70 Dienstposten, im Materiallager Hardheim sogar rund 90 Dienstposten entstehen. Dadurch würden nicht zuletzt auch die Garnisonsstandorte Hardheim und Walldürn weiter gestärkt, so Rohm.

Erfreuliche Nachrichten habe es laut Gemeindeoberhaupt auch vom Regierungspräsidium Freiburg gegeben: So sei ein Antrag auf Zuwendungen für die nachhaltige Waldbewirtschaftung positiv beschieden und die Gemeindekasse mit 52 000 Euro bezuschusst worden. mem

Vom neuen FBL-Leiter gab es zunächst allgemeine Informationen zur Forsteinrichtung: „Im Laufe des 18. Jahrhunderts erkannte man, dass die Wälder Gefahr liefen, übernutzt und ausgeplündert zu werden.“ Eine ungeregelte, beliebige Waldnutzung sei nicht länger tragbar gewesen. So sei in Baden-Württemberg die Einführung eines geordneten Verfahrens zur Sicherung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung im gesamten öffentlichen Wald (Badisches Forstgesetz von 1833) beschlossen worden. Daraus entstand laut Halbauer eine forstliche Betriebsplanung: die sogenannte „Forsteinrichtung“.

Naturalplanung

Diese erfasse zunächst den Zustand von Bäumen und Waldflächen (Inventur). In einem zweiten Schritt kontrolliere sie, wie die zuletzt vereinbarten Maßnahmen umgesetzt wurden und ob die geplanten ökologischen und wirtschaftlichen Ziele im Wald (Vollzug) erreicht werden konnten.

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Auf Grundlage dieser Inventur- und Vollzugsergebnisse entstehe eine neue Naturalplanung für die nächsten zehn Jahre, so Halbauer, der aber auch zu bedenken gab, dass es in diesem langen Zeitfenster durchaus zu „klimatischen Unwägbarkeiten“ kommen könnte, denn: „Letztlich ist es die Natur, die den Takt vorgibt.“ Daher sei es „unser Anliegen, die Wälder klimastabil umzubauen“, so der Oberforstrat, der Kernpunkte der Eigentümerzielsetzung im Zuge der Erneuerung der Forsteinrichtung folgen ließ.

Kernpunkte

Die Zielsetzung des Waldeigentümers gibt die „Leitplanken“ vor, in denen sich die Forsteinrichtung bei der anstehenden Planung bewegt.

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Oberstes Ziel und Gebot ist die Beibehaltung der seit Jahrzehnten praktizierten multifunktionalen und nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder.

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In den vergangenen drei Jahren waren die Auswirkungen des sich verändernden Klimas auf den Wald für jedermann ersichtlich. In den kommenden Jahren wird es vor allem darum gehen, die Wälder weiterhin an die zu erwartenden klimatischen Verhältnisse anzupassen.

Durch den Anbau und die gezielte Förderung klimaresilienter Nadelhölzer, wie beispielsweise der Douglasie („Da spielte in der Vergangenheit monetär die Musik“), wird versucht, den klimabedingten Rückgang des Nadelholzanteils abzumildern.

Derzeit wird eine Naturschutzkonzeption für den Kommunalwald zwischen der Forst- und der Naturschutzbehörde erarbeitet. Diese wird dem Waldeigentümer in den nächsten Monaten zur Abstimmung vorgelegt. Die Konzeption zielt vor allem darauf ab, die durch die bisherige naturschonende und nachhaltige Bewirtschaftung geschaffene biologische Vielfalt zu sichern und weiter zu erhöhen.

Zur Erweiterung des Baumartenspektrums trägt die Waldeigentümerin erfolgversprechende Anbauversuche nichtheimischer Baumarten mit.

Der Wald als Stätte der sportlichen Betätigung und der Erholung hat auch durch die Begleiterscheinungen der Corona-Pandemie weiter an Bedeutung gewonnen.

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