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In Hardheim - Vor 120 Jahren wurden die Kreuzweg-Stationen aufgestellt / Bildhauerdynastie Bernhard ist seit 1780 in der Erftalgemeinde ansässig

Kreuzigungsgruppe eine Besonderheit

Von 
Torsten Englert
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Hardheim. 1901, also vor 120 Jahren, wurden durch die katholische Pfarrgemeinde die Kreuzwegstationen aufgestellt. Eine Besonderheit ist hierbei in Hardheim, dass anstelle der zwölf Station eine Kreuzigungsgruppe durch die alteingesessene Hardheimer Bildhauerfamilie, die Brüder Karl und Franz Bernhard, errichtet wurde.

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Im Zuge des Bahnlinienbaus von Walldürn über Höpfingen nach Hardheim wurden einige Stationen entlang des neu angelegten Weges versetzt. Die Flächen wurden der Pfarrgemeinde von den Grundstückseigentümern kostenlos überlassen. Bei der Neuausrichtung der Kreuzwegstationen wurde von der Familie Müller von der Steinemühle der sogenannte Ölberg 1911 errichtet. Heute beginnt in Hardheim üblicherweise der Kreuzweg, der volkstümlich als Stationenweg bezeichnet wird, am Ölberg der Familie Müller.

Die vor 120 Jahren aufgestellte Kreuzigungsgruppe unterhalb der St. Josefskapelle in Hardheim. © Claus Bernhard

Sowohl von privater Seite als auch von der Kolpingfamilie Hardheim und dem Museumsverein Erfatal wurden die Kreuzwegstationen im Laufe der letzten 120 Jahre instandgesetzt. Zu erwähnen ist hierbei, dass durch die Kolpingfamilie über 30 Jahre Stationenpatenschaften bestanden haben, die sich um die Pflege und Reinigung kümmerten.

Für die Kreuzigungsgruppe kamen zwei Steinarten zum Einsatz. Zum einen der Hardheimer rote Sandstein aus dem „Bernhardsbruch“ (seit etwa 1785 besaßen die Bernhards einen Steinbruch beim Grafenholz im heutigen Zweiten Sandweg), und zum anderen ein leicht zu behauender Kalkstein, genannt Savonnières aus Lothringen in Frankreich. Der Sockel der Kreuzigungsgruppe und das Kreuz sind aus Sandstein und die Figuren, der Christus-Korpus und Maria und Johannes aus Savonnières.

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Die Bildhauerdynastie Bernhard stammt aus der Herrschaft Kronburg bei Memmingen und ist seit 1780 in Hardheim ansässig. Der Stammvater war der Maurermeister Josef Anton Bernhard (1752-1797), der aus Wagsberg im Allgäu zuwanderte. Dessen Enkel Franz Ignaz Bernhard (1824-1875) war ebenfalls Maurermeister und Steinhauer. Dessen Söhne Karl Ludwig, Johann Wilhelm, Josef Valentin und Franz Alois lernten alle einen Steinberuf. Außerdem gab es noch die Töchter Luise, Anna, Sophie und Therese.

Nach dem Besuch der Volksschule und der Lehre im elterlichen Betrieb gründete Karl Ludwig Bernhard (1861-1916) im Jahre 1888 ein „Bildhauer- und Grabstein-Geschäft“, welches seinen Standort am Doggenbrunnen Nr. 1 hatte. Nachdem sein jüngster Bruder Franz Alois (1869-1940) im Jahre 1897 seine Meisterprüfung im Steinbildhauer-Handwerk abgelegt hatte, trat auch er in den „Betrieb“ Gebrüder Bernhard ein.

Die Firma florierte, es folgten Aufträge für Grabsteine und Grabeinfassungen, Kriegerdenkmale, Feldkreuze, Bildstöcke, Brunnen, Altäre, Figuren und Portalwappen. 1902 erhielt die Firma bei der Gewerbeausstellung in Mannheim für den für die Hardheimer Pfarrkirche gefertigten Herz-Jesu-Altar eine „Silberne Medaille“. Aus vermutlich wirtschaftlichen Gründen trennten sich 1904 die Brüder geschäftlich, da inzwischen zwei große Familien ihr Auskommen aus dem Geschäft bestreiten mussten. Karl Ludwig führte das Geschäft in Hardheim fort. Franz Alois Bernhard eröffnete in Buchen ein eigenes Geschäft („Werkstätte für Denkmalkunst“) und legte damit den Grundstein für die Firma „Bernhard Stein- und Metallkunst“. Bis heute gingen aus der Nachkommenschaft von Franz Alois Bernhard sieben Steinmetze und Steinbildhauer hervor.

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