Geschichte des Hardheimer Krankenhauses (Teil 2) - Wurzeln reichen bis ins Mittelalter zurück Krankenpflege hat eine lange Tradition

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Torsten Englert
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Seit 2015 erinnert eine Gedenkurkunde in der Krankenhauskapelle an die Gengenbacher Schwestern. © Elmar Zegewitz

Im Januar 1993 verließen die letzten drei verbliebenen Schwestern des Hardheimer Krankenhauses die Erftalgemeinde. Damit endete eine fast 120-jährige Tradition.

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Hardheim. Das Hardheimer Krankenhaus kann in diesem Jahr auf sein 710-jähriges Bestehen zurückblicken, denn die Wurzeln des heutigen Krankenhauses reichen bis ins Mittelalter zurück. Die Aufgaben der Spitäler basierten auf den Werken der Barmherzigkeit, wie beispielsweise Speisung, Aufnahme und Bekleidung der Armen und Beherbergung der Fremden. Aber auch die Pflege der Alten und Kranken, sowie die Bestattung der Toten.

Von 1856 bis zum Neubau des alten Gebäudes des heutigen Krankenhauses im Jahr 1899 diente das alte Marstallgebäude aus dem Jahr 1550 als Spital. Um die optimale Versorgung der Patienten zu gewährleisten hat sich der Gemeinderat von Hardheim im Jahr 1870 zur Übernahme der Krankenpflege um die Barmherzigen Schwestern bemüht.

Seine erste Anfrage richtete sich an das Ordenshaus zu Niederbronn. Wegen des ablehnenden Bescheides des Ministeriums des Inneren kam deren Anstellung aber nicht zustande. Der Gemeinderat wandte sich an Hochwürdigen Herrn Pfarrer Berger in Prinzbach als Vertreter der Anstalt der Barmherzigen Schwestern in Trettenhof bei Seelbach.

Religiöse Gemeinschaft

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Unter der Schirmherrschaft des Pfarrers schlossen sich am 2. Juli 1866 auf dem Lenzlishof in Seelbach Jungfrauen zu einer religiösen Gemeinschaft zusammen, mit dem Zweck der eigenen Vervollkommnung und zur Ausübung der Nächstenliebe durch Krankenpflege und Pflege der Kinder und Armen. An diesem Tage begann die Geschichte der Kongregation der Franziskanerinnen vom Göttlichen Herzen Jesu in Gengenbach.

Seit der Gründung dieser Gemeinschaft entsandte diese ausgebildete Krankenschwestern zunächst nach Todnau, Forbach und Zell im Wiesental. Die mit Herrn Pfarrer Berger geführten Verhandlungen hatten Erfolg.

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Zum 30. Oktober 1873 übernahm die „Kongregation der Franziskanerinnen vom Göttlichen Herzen Jesu“ in Gengenbach die Krankenpflege am Hardheimer Spital. Damit wurde Hardheim die vierte Station, die die Schwestern dieser Kongregation erhielt. Schwester Hyazinthe und Schwester Gertrud kamen am 30. Oktober 1873 zur Dienstübernahme nach Hardheim.

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Schwester Euphrasia übernahm ab 1. Dezember 1884 den Dienst einer Ortskrankenschwester im ambulanten Bereich. Sie hatte die Verpflichtung die armen Kranken in ihren Privatwohnungen zu verpflegen. Ein Entgelt durfte hierfür nicht angenommen werden. Diese ambulante Krankenpflege durch eine Ortskrankenschwester wurde ununterbrochen bis Anfang der 1990er Jahre fortgesetzt.

Die Anzahl der Schwestern aus Gengenbach vermehrte sich nach 1900 ständig. Im Krankenhaus selbst waren mit dem höchsten Stand 13 Schwestern tätig. Ferner war eine Kindergartenschwester, eine Nähschulschwester, eine Ambulanzschwester und später eine Seelsorgeschwester beim katholischen Pfarramt tätig. Hier ist Schwester Elfriede vielen Hardheimern noch in guter Erinnerung. Die Geschichte der Schwesternstation ist eng verknüpft mit der Entwicklung und Vergrößerung Hardheims. Im Jahr 1973 wurde die 100-jährige Tradition mit einem Festakt in der Erftalhalle gefeiert.

Ende aufgrund des Personals

Aufgrund der personellen Situation kündigte die Kongregation in Gengenbach zum Ende des Jahres 1992 den Vertrag. Mit den Schwestern Berga, Fides und Gerwalda verließen Mitte Januar 1993 die drei letzten verbliebenen Schwestern am Hardheimer Krankenhaus die Erftalgemeinde und eine fast 120-jährige Tradition ging zu Ende.

Im Laufe des Wirkens der Gengenbacher Schwestern in Hardheim war immer ein Wohlwollen des Gengenbacher Mutterhauses gegenüber den Bedürfnissen in Hardheim feststellbar. Der geführte Schriftwechsel war immer getragen von Verständnis und gutem Willen. Soweit es das Mutterhaus ermöglichen konnte, wurden die Schwesteranforderungen erfüllt. Bei den verschiedenen Verabschiedungen von Schwestern nach langjähriger Tätigkeit in Hardheim war stets ein gutes und harmonisches Zusammenarbeiten herauszulesen. Auch bei späteren Besuchen in Hardheim wurden sie freundlichst empfangen. Heute sind die Ordensschwestern noch immer gerngesehene Gäste in der Erftalmetropole.

In der Hardheimer Krankenhauskapelle erinnert bis heute ein altes Holzkreuz der Gengenbacher Schwestern vom Göttlichen Herzen Jesu aus dem Jahr 1873 an die fast 120-jährige Tradition. Im Juni 2015 wurde als Erinnerung noch eine Gedenkurkunde dazu angebracht.