Abwasserzweckverband Hardheim-Höpfingen - Erweiterungsbau im laufenden Betrieb / 13,2-Millionen-Euro-Projekt / Umfassende Sicherungsarbeiten notwendig Kläranlagenzufahrt muss verlegt werden

Nachdem schon einiges an Vorarbeit geleistet wurde, fand nun der offizielle Baubeginn der Erweiterungsarbeiten in der Kläranlage des Abwasserzweckverbands Hardheim-Höpfingen statt.

Von 
Melanie Müller
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Daniel Berger (links), neuer Leiter der Kläranlage in Hardheim, wird von seinem Vorgänger Rolf Kaufmann tatkräftig unterstützt. Das Bild zeigt sie vor dem in die Jahre gekommenen Klärbecken. Im Hintergrund laufen bereits die Erweiterungsarbeiten. © Melanie Mueller

Hardheim. Nach mehr als vier Jahren Planungs- und Ausschreibungsphase haben auf der Kläranlage Hardheim die Hauptbaumaßnahmen für die Erweiterung der mehr als 30 Jahre alten Einrichtung begonnen. Bereits im vergangenen Jahr fanden vorbereitende Arbeiten zum Hochwasserschutz statt.

Der Erweiterungsumbau ist aus mehreren Gründen notwendig

  • Erhöhung der Ausbaukapazität für die langfristige Strukturentwicklung im Einzugsgebiet des Abwasserzweckverbandes Hardheim-Höpfingen
  • Verbesserung der Wirksamkeit und Verbesserung der Abwasserreinigung zur Erfüllung steigender Umweltanforderungen, für Erhalt und weitere Verbesserung der Wasserqualität in der Erfa
  • Schaffung von Notfallreserven im Fall einer Havarie, Erhöhung der Betriebssicherheit durch Schaffung einer zweiten Reinigungsstraße
  • Vorbereitung der ab 2023 geplanten Sanierung und Erneuerung der seit 33 Jahren bestehenden Anlagenteile, Standortsicherung für zukünftige Erweiterungen, Hochwasserschutz durch Befestigung der Uferböschung der Kläranlage.
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Zum offiziellen Baubeginn trafen sich am Dienstag der Vorsitzende des Abwasserzweckverbands Hardheim-Höpfingen, Hardheims Bürgermeister Volker Rohm, dessen Stellvertreter, Höpfingens Bürgermeister Adalbert Hauck, Bernd Schretzmann in seiner Funktion als Geschäftsführer sowie der neue Leiter der Kläranlage, Daniel Berger, und Thomas Withopf (bautechnischer Bereich). Vor Ort waren darüber hinaus mit Florian Müller und Markus Posch Vertreter des Ingenieurbüros Klinger und Partner (Stuttgart) sowie mit Niko Asvestas und Stefan Kirbs Vertreter des Bauunternehmens Leonhard Weiss.

„Wir freuen uns, dass es losgehen kann – und dass alle Beteiligten da sind“, erklärte Verbandsvorsitzender Rohm. Es handele sich um ein „sehr großes Projekt“, in das man in den nächsten drei Jahren rund 13 Millionen Euro investieren werde. „Besonders reizvoll“ dabei sei, dass „wir im Bestand bauen müssen“, denn: „Die Klärarbeit wird weiter verrichtet.“

Es sei „ein Riesenprojekt für beide Gemeinden“, so Adalbert Hauck, und weiter: „Das geht nur gemeinsam.“ Lobende Worte hatte er in diesem Zusammenhang auch für das Ingenieurbüro Klinger und Partner: „Die kennen unsere Stärken und unsere Schwächen. Wir sind ein gutes Team.“ Mit Blick auf die rollenden Bagger fügte der stellvertretende Verbandsvorsitzende hinzu: „Es werden interessante Jahre.“

Beengte Verhältnisse

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Mit dem jetzigen ersten Bauabschnitt beginnen die eigentlichen Tief- und Rohbauarbeiten der Kläranlagenerweiterung. Zunächst muss aus Gründen der beengten Verhältnisse auf dem Kläranlagengelände die bisherige Zufahrt verlegt werden.

Bis Ende 2022 sollen ein neues kombiniertes Klärbecken sowie ein zusätzliches Betriebsgebäude (Gebläsestation) inklusive Notstromversorgung errichtet werden. Außerdem wird der Anschluss an die bestehenden Abwasserbecken durchgeführt. Auf dem Programm stehen weiter zahlreiche Kanal- und Leitungsarbeiten. Ab Mitte 2022 wird die Erweiterung dann auch ihre abwasserspezifische technische und elektrotechnische Ausrüstung erhalten, bevor der neue Anlagenteil in Betrieb gehen und anschließend die Sanierung des alten Beckens beginnen kann. Laut Plan soll die Durchführung des ersten Bauabschnitts bis Ende 2022 abgeschlossen sein.

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Im zweiten Bauabschnitt, der 2023 in Angriff genommen wird, soll das vorhandene Klärbecken umgebaut und saniert werden. Ende 2024 wird – nach derzeitiger Planung – die gesamte Erweiterung und Ertüchtigung der Anlage abgeschlossen sein.

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Für die jetzt beginnenden Arbeiten sind umfassende Sicherungsarbeiten notwendig: Aufgrund der Nähe zum Gewässer ist neben einer grundwasserdichten Baugrube für das neue Klärbecken auch die Hangsicherung zur L 521 (Miltenberger Straße) wichtig.

Aus Platzgründen muss die Kläranlagenzufahrt verlegt werden. „Platz“ ist auch das Schlagwort einer anspruchsvollen Baulogistik, da dieser zwischen Miltenberger Straße und Erfa nur sehr beschränkt für die Erweiterung zur Verfügung steht.

Insbesondere um den angrenzenden Naturraum nicht weiter zu beanspruchen sind technische Herausforderungen wie die Hangsicherung zu bewältigen. An der Schnittstelle zur Erfa gehört die naturnahe Sicherung der Uferböschung ebenfalls zum Bauvorhaben.

Die Kläranlage müsse während der Arbeiten natürlich komplett in Betrieb bleiben und ihre Aufgabe der Abwasserreinigung vollständig weiter erfüllen, was eine der größten Herausforderungen des Millionenprojekts darstellt.

„An die Kläranlage angeschlossen ist der Zweckverband tierische Nebenprodukte (ehemals Tierkörperbeseitigungsanlage). Von dort wird der Kläranlage konzentriertes Abwasser mit relativ hohem Verschmutzungsgrad über eine Druckleitung zugeführt“, so Volker Rohm. Der ZTN beanspruche rund die Hälfte der Kapazität der Kläranlage. Mit dem Großprojekt trage man auch zu dessen Standortsicherung bei.

Anschluss von Buch steht an

„Demnächst steht der Anschluss des Ahorner Ortsteils Buch an die Verbandskläranlage an“, erläuterte Bernd Schretzmann, Geschäftsführer des Abwasserzweckverbands Hardheim-Höpfingen, und fügte hinzu: „In diesem Zusammenhang ist künftig das Abwasser von 380 Einwohnerwerten mit zu klären. Die Verbandskläranlage nimmt damit über Kreisgrenzen hinweg eine überörtliche Funktion wahr.“

Eine intensive Begleitung der Baumaßnahmen durch die Naturschutzbehörden sei notwendig, nachdem sich im unmittelbar an die Kläranlage angrenzenden Uferbereich der Erfa ein Biber angesiedelt hat, „dessen Vergrämung unbedingt vermieden werden soll“.

Biber hat sich angesiedelt

Die einzelnen Maßnahmen, insbesondere Arbeiten im Böschungsbereich der Erfa oder in der Nähe des Uferbereichs, sollen in enger Abstimmung mit den Fachbehörden unter strenger Einhaltung der gewässerökologischen Belange stattfinden.

Die Kosten der Gesamtmaßnahme belaufen sich auf rund 13,2 Millionen Euro. Davon sind für den ersten Bauabschnitt rund zehn Millionen Euro veranschlagt.

Für die Durchführung der Arbeiten beziehungsweise für die Neubauteile stehen Mittel nach den Förderrichtlinien für die Wasserwirtschaft zur Verfügung. Die Zuwendung beläuft sich nach dem vorliegenden Förderbescheid allein für den ersten Bauabschnitt auf 6,85 Millionen Euro.

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