„Vermüllter“ Kompost - Gespräch mit Vertretern des Kompostwerkes Bauland und dessen Betriebsstelle Schweinberg / Maßnahmen gegen Geruchsbelästigungen In der Biotonne landet zu viel Restmüll

Von 
Ingrid Eirich-Schaab
Lesedauer: 
Abfuhr einer Biotonne: Die flächendeckende Umsetzung des neuen abfallwirtschaftlichen Standardsystems im Neckar-Odenwald-Kreis wird im Frühjahr erfolgen. In den Pilotgemeinden ist es bereits umgesetzt. © KWiN

Vermüllter Kompost – drei Komponenten spielen hier zusammen: Die Arbeitsweise im Kompostwerk, die Entsorgung und die Müllsortierung durch die Bürger.

Daten und Fakten

Das Kompostwerk Schweinberg ist ausgelegt für eine Durchsatzleistung von 35 000 Tonnen pro Jahr Biogut. Dabei handelt es sich um überwiegend getrennt gesammelten Biomüll aus den Haushalten verschiedener Landkreise in Baden-Württemberg. Es sind dies im Wesentlichen die Stadt Heilbronn, der Neckar-Odenwald-Kreis, der Landkreis Ludwigsburg, der Rhein-Neckar-Kreis und Stuttgart. Eine Änderung oder Erhöhung der Biogutmenge ist nicht vorgesehen.

Zusätzlich genehmigt worden ist 2016 die Annahme und Hygienisierung (biologische Behandlung von nicht gefährlichen Abfällen bei 60 Grad Celsius zum Abtöten der Keime ) von zusätzlichen 15 000 Tonnen Grüngut im Jahr von den Grüngutplätzen des Neckar-Odenwald-Kreises. i.E.

AdUnit urban-intext1

Schweinberg. In einem ersten Bericht zum Thema „vermüllter Kompost“ schauten sich die FN im Kompostwerk in Schweinberg um und sprachen mit den Verantwortlichen, auf welche Weise sie versuchen, in der Niederlassung des Kompostwerks Bauland (KWB) das Problem zu handhaben. Im Folgenden widmen sich die FN den anderen beiden Komponenten, der Entsorgung des Bioguts durch die Müllabfuhr und der Befüllung der Biotonnen durch die Bürger.

Im Gespräch mit Andreas Achauer, einem der beiden Geschäftsführer der Kompostwerk Bauland GmbH & Co. KG (KWB) mit Hauptsitz in Pfaffenhofen bei Heilbronn, zu der das Schweinberger Kompostwerk gehört, und dem dortigen Betriebsleiter Alexander Weber äußerten diese Wünsche und Vorstellungen von den Pflichten und Aufgaben sowohl der Bürger als auch der Müllentsorger.

„Erziehung“ der Bürger ist wichtig

„Wir haben als Verarbeiter immer den Schwarzen Peter“, klagt Weber. „Wir bekommen immer mehr Druck, aber das Material wird dadurch nicht besser (siehe Bericht vom 19. Juli 2019). Siebe mit niedrigerer Lochung wie 12 bis 15 Millimeter könne das Werk nicht einsetzen. „Ein Übermaß an Zucker bekommt man ja auch nicht mehr aus dem Kaffee heraus“, beschreiben Weber und Achauer bildlich die Situation.

AdUnit urban-intext2

Ihrer Ansicht nach sind in diesem Zusammenhang auch die Müllentsorger und die Bürger gefordert. Denn viel zu viel Restmüll landet in der für Grün- und Küchenabfälle vorgesehenen Biotonne.

„Es gibt moderne Systeme, mit Hilfe derer mindestens 50 Prozent des Biomülls reduziert werden können, weil Fehlwürfe ausbleiben.“ Und zwar durch „Erziehung“ der Bürger.

Einsatz von Detektoren

AdUnit urban-intext3

So verbesserte sich beispielsweise im Main-Tauber-Kreis die Qualität deutlich durch den Einsatz von Detektoren. Diese werden zur Überprüfung der Biotonne direkt beim Einsammeln an den Entsorgungsfahrzeugen angebracht. Die Detektoren funktionieren im Prinzip wie eine Personenschleuse bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen.

AdUnit urban-intext4

Im Main-Tauber-Kreis ist es auf diese Weise gelungen, 20 bis 30 Tonnen Störstoffanteil pro Tour mit 1000 Tonnen „herauszufischen“, so der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs Main-Tauber-Kreis in einem Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. In der Summe sind dies zwischen 640 und 860 Mülltonnen pro Woche, die stehenbleiben, weil sie falsch befüllt sind.

Lag der Störstoffanteil anfangs noch bei 25 Prozent, so sank er nach Einführung der neuen Technik auf fünf Prozentpunkte. Dadurch sanken auch die Kosten für die Verbrennung des sogenannten „Siebüberlaufs“ in einer Müllverbrennungsanlage.

„Ein weiteres mögliches System ist der Einsatz von Infrarot, das alle Fehlwürfe erkennt“, fügt Andreas Achauer an. Es wäre seiner Ansicht nach sinnvoll, wenn die Landkreise bei der Ausschreibung der Biomüllabfuhr fordern, dass alle Fahrzeuge mit Detektoren ausgerüstet sein müssen. „Natürlich kostet das System Geld und die Abfallgebühren werden steigen.“

Aber so sei es auch zu erklären, warum ausgerechnet Stuttgart als Großstadt den reinsten Bioabfall hat ganz im Gegensatz zu eher ländlichen Regionen. Im Neckar-Odenwald-Kreis ist geplant, alle Lkw mit einem Detektionssystem für Falschbefüllung auszustatten (siehe unten stehendes Interview mit Martin Hahn).

Für ganz wesentlich halten es die Kompostwerkbetreiber, „dass die Bürger mitgenommen werden und genau wissen, in welcher Tonne sie welchen Abfall entsorgen müssen“.

Sorgfältige Trennung

So haben Kunststofftüten im Biogut absolut nichts zu suchen. Ebensowenig Glas, Blechbüchsen und Verpackungen in jeglicher Form. Selbst Biomüllbeutel auf Maisstärkebasis, die vorgeben, kompostierbar zu sein, gehören dazu. Sie lösen sich nicht in der vorgegebenen Zeit und unter den vorherrschenden Prozessbedingungen auf.

„Zeitungspapier ist auch ganz schlecht“, meint Achauer, „aufgrund der Schadstoffe in der Druckerschwärze.“ Er empfiehlt Papiertüten als „sinnvollste Variante“. Außerdem plädiert er für eine wöchentliche Leerung der Biotonnen in den heißen Monaten. Das werde schon so erfolgreich im Main-Tauber-Kreis und in der Stadt Heilbronn gehandhabt.

Autor