Brennerei Jochen Hörner - Auszeichnung erhalten / 2018 wurde mit der Whisky-Herstellung begonnen / Ein Besuch in Dertingen Goldmedaillen für sortenreine Wildobstbrände

Von 
Ingrid Eirich-Schaab
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Jochen Hörner beim Brennen des Whiskys. © Ingrid Eirich-Schaab

Jochen Hörner strahlt: Wieder wurden drei seiner sortenreinen Edelbrände mit Gold und Silber ausgezeichnet.

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Dertingen/Gerichtstetten. Löhrpflaume, Oberösterreichischen Weinbirne, Schweizer Wasserbirne, Speierling und Elsbeere: Jochen Hörner, Hobbyweingärtner und begeisterter Produzent von hochwertigen, exclusiven Edelbränden, mag es am liebsten sortenrein. Und das mit wenigen Ausnahmen im Selbstanbau. Bevorzugt werden dabei alte, seltene und bedrohte Wildobstarten.

Die Anerkennung durch Fachleute krönt seine Bemühungen. Denn zum wiederholten Male wurden Destillate des als Rechtsanwalt mit Zweigstelle in Gerichtstetten tätigen Dertingers mit hohen Auszeichnungen prämiert: Für seinen Tresterbrand sprach ihm die Initiative „Bayern Brand – Wir brennen für Bayern!“ (Sitz Veitshöchheim) eine Silbermedaille zu. Gold gab es für die „Fässlesbirne“ und den Williamsbirnenbrand. „Gesamtbild solide und kräftig überdurchschnittlich“, bescheinigten die Prüfer.

Die Auszeichnungen erfüllen das Mitglied des Fränkischen Klein- und Obstbrennerverbandes Würzburg e.V. mit Stolz, sind aber auch hart erarbeitet.

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„Gerade das Experimentieren macht mir großen Spaß“, strahlt der 47-Jährige mit einem Seitenblick auf sein neuestes Hobby, die Jagd und den Wildtierschutz.

Als die FN dem Familienbetrieb in Dertingen einen Besuch abstatteten, wird gerade Getreide gebrannt, um den Brand zu Whisky zu veredeln – seit Mai 2018 neu im Programm.

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Gerne erläutert Hörner dem beeindruckten Gast, auf was es beim Einmaischen, dem Zusatz von gefriergetrockneter, vorgequollener Weinhefe, der Gärung, dem Malz, der Verzuckerungsrast und den erforderlichen Zwischenkühlungen, aber auch bei der Vor-, Mittel- und Nachlaufabtrennung ankommt. Das Grundwissen hat er sich bei einer Brennerei-Fortbildung an der Universität Hohenheim, bei Lehrgängen in Veitshöchheim und bei zahlreichen Seminaren auf der „Desta“ (Fachmesse in Volkach am Main) angeeignet.

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„Whisky entsteht durch Destillation einer Maische aus gemälztem Getreide“, erläutert der Fachmann. „Mindestens drei Jahre und 1 Tag muss dieser Brand in Holzfässern mit einem Volumen von höchstens 700 Litern lagern, bevor man ihn überhaupt Whisky nennen darf.“ Gerste, Dinkel, Roggen und Einkorn finden aktuell Verwendung.

„Dinkel – ebenfalls aus der Region, von Bernhard Meisel aus Gerichtstetten bezogen – ergibt einen sehr weichen, geschmeidigen Brand“, erwähnt Hörner auf dem Weg zum Lagerraum, wo sich die durchweg neuen Eichenfässer aneinanderreihen. „100 Kilogramm Dinkel ergeben eine Ausbeute von 60 Liter trinkfertigem Brand“.

Im Juli 2021 wird der erste Whisky auf Flaschen gefüllt. Dies ist dann der erste Dertinger Whisky. Auch einen Namen hat sich der Brenner ausgedacht. „Almond Hill“ in Anlehnung an „Mandelberg“ soll den lokalen Bezug herstellen. Der Name ist bereits beim Deutschen Patent- und Markenamt in München als Marke geschützt.

„Meine Intention ist es, alte, fast vergessene Obstsorten zu erhalten, zu ernten und zu brennen“, beschreibt Hörner im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten seine Intention. Inzwischen nennt er 300 Obstbäume, zahlreiche Johannisbeer- und Holundersträucher, sowie einige Weinberge sein Eigen: In Dertingen besitzt und bearbeitet er nebenberuflich in vierter Generation ein Weingut. Großvater Wilhelm Friedrich war nicht nur Winzer und Rebveredler, sondern auch Gründungsmitglied der Winzergenossenschaft Reicholzheim mit der Mitgliedsnummer 1.

Jochen Hörner befasst sich seit dem 14. Lebensjahr mit der Materie. 2007 übernahm er den elterlichen Betrieb und seit 2009 widmet er sich intensiv der Destillation von Edelbränden. Seine moderne Brennerei ist längst mit allen möglichen technischen Raffinessen ausgestattet und so konzipiert, dass schwere körperliche Arbeiten auf ein Minimum reduziert werden.

„Ziel ist es, nicht Alkohol, sondern Qualität zu produzieren“. So entstehen weiche Brände und Geiste mit fruchtigen Aromen. Die Früchte stammen allesamt aus der Region. „Schweizer Wasserbirnen sind im Neckar-Odenwald-Kreis stark verbreitet, die Fässlesbirnen kommen aus Schwarzenbrunn, nennt Hörner einige Beispiele.

Die Oberösterreichische Weinbirne, deren Brand vor einigen Jahren bereits prämiert wurde, stammt aus Waldstetten.

300 Liter darf Hörner im Jahr brennen. Die Produktpalette ist inzwischen auf rund 30 verschiedene Brände und Geiste (aus unvergorenen Früchten) angewachsen.

2020 wurden unter anderem wieder Schlehen und Elsbeeren als besondere Spezialitäten verarbeitet und destilliert. Die Destillate versprechen bereits heute wahre Gaumenfreuden und bereiten Hoffnung, dass sich die Medaillenjagd fortsetzt.

Und was wird die Zukunft bringen? „Eine Schottlandreise mit Besuch dortiger Whisky-Brennereien wäre schön. Aber diese wird aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie sicher noch länger auf der Wunschliste stehen bleiben.“

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