Volkstrauertag - Ansprachen von Bürgermeister Rohm und Kasernenkommandantin Major Carolin Bongartz in Hardheim Gedenkfeier wider das Vergessen

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Volkstrauertag: Allerorten gedachte man gestern der Gefallenen beider Weltkriege und der Opfer des Nationalsozialismus, von Willkür und Gewalt, wie hier in Hardheim in Kooperation mit der Bundeswehr.

© Elmar Zegewitz.

Würdig und gehaltvoll wie in vielen Gemeinden war in Hardheim die Gedenkfeier zum Volkstrauertag unter Mitwirkung der Bundeswehr.

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Hardheim. Zunächst gab es am Sonntagvormittag in der Friedhofskapelle eine Gedenkstunde. Daran schloss sich die Kranzniederlegung am Ehrenmal im Friedhof an.

Zum Programm gehörten sowohl Ansprachen von Bürgermeister Volker Rohm als auch von Major Carolin Bongartz. Daneben trugen eine Bläsergruppe der Musikschule Hardheim und der gemischte Chor des Gesangvereins "Liederkranz" unter der Leitung von Wilfried Bauch zur würdevollen Gestaltung bei. Eine Schülergruppe der Verbundschule Hardheim befasste sich zusammen mit ihrem Lehrer Joachim Gärtner unter dem Motto "138 von 55 Millionen" mit Zahl und Namen der jungen, aus Hardheim stammenden Weltkriegsgefallenen und stellten in Verbindung damit die Frage nach dem Warum. Wurden sie doch in ihrem jungen Leben aller Zukunftsperspektiven beraubt und fehlten darüber hinaus in ihren Familien, in Vereinen und im örtlichen Leben.

Bürgermeister Volker Rohm stellte in seiner mit der Begrüßung verbundenen Ansprache zunächst dar, dass es mehr als 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs für die jüngere Generation schwer oder gar unmöglich sei, sich den Auslöser der alljährlichen Feierstunde zum Volkstrauertag vorzustellen. Doch es gelte, daran zu erinnern, dass mehr als sieben Millionen Oper allein in Deutschland und über 55 Millionen Menschenleben in der gesamten Welt 1945 zu beklagen waren.

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Durch deren Tod sah Rohm viele Lücken gerissen. Deren gedachte man anfangs in Betroffenheit und Verbundenheit. Persönliche Schicksale der Zurückgebliebenen erfüllten mit Schmerz und Trauer. Doch inzwischen sah er "Gras über all das gewachsen".

Eine daraus erwachsene, positive Konsequenz sah er im Frieden und im inzwischen selbstverständlich gewordenen Bemühen in Deutschland, im Großteil Europas und in weiten Teilen der Welt um Völkerverständigung.

"Friedensmahntag"

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Andererseits verwies der Bürgermeister auf Krieg, Gewalt und Vertreibung, Terror und menschenverachtenden Umgang mit Schwächeren, mit Andersdenkenden und anders Gläubigen in der Gegenwart, so dass Berichte und Bilder über terroristische Anschläge, Gräueltaten, Flucht und Verzweiflung vielerorts auf der Welt immer wieder erschüttern. Dazu zählte Rohm auch die Tatsache, dass gemäß der Vereinten Nationen derzeit 65 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht vor Krieg, Gewalt, Unterdrückung, Hunger und Elend seien.

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Er erinnerte an eine Aufforderung des früheren Bundespräsidenten Theodor Heuss, dafür zu sorgen, dass Friede zwischen den Menschen und den Völkern herrsche.

Rohm leitete aus dem Volkstrauertag die Forderung ab, sich aus dem Vermächtnis der Toten und der Sorge um die Lebenden für den Fortbestand des Friedens einzusetzen. Der Volkstrauertag sei heutzutage ein "Friedensmahntag", der daran erinnern und ständig dazu ermahnen soll, dass die Menschen sich um den keineswegs selbstverständlichen Frieden ebenso bemühen müssen wie um Toleranz und Solidarität in der schnelllebigen Zeit. Sicherheit und Freiheit, nicht aber Trauer und Verzweiflung sollten die Welt bestimmen, so Rohm.

Major Carolin Bongartz von der Bundeswehr ging ebenfalls von der Bedeutung der Opfer des Zweiten Weltkriegs und dessen - insbesondere durch den Nationalsozialismus verursachten Folgen aus. Sie verwies auf die aktuellen Kriege und auch auf die Tatsache, dass Traditionen ihren Sinn verlieren, wenn Menschen mit diesen nichts anfangen können.

Sie betonte, dass der Tag an die Verpflichtung erinnere, sich für Frieden und Freiheit und für die Würde des Menschen einzusetzen. Dass dieser Tag auch für die Soldaten der Bundeswehr ein besonderer und bezüglich des Selbstverständnisses der Streitkräfte von Bedeutung ist, verdeutlichte sie mit ihren weitergehenden Gedanken. Es gelte daran zu denken, dass Menschen ihr Leben einsetzten. Und es gehöre sich, ihnen in Anbetracht ihrer Opfer ein ehrendes Gedenken zu bewahren.

Die Majorin sprach vom Volkstrauertag als einem "Tag der Dankbarkeit" - vor allem im Hinblick auf die Bewahrung des Lebens. Sie warnte davor, sich die Antwort leicht zu machen und sah die Bedeutung und den Wert des Tages darin, sich um Recht, Freiheit und um die Würde der Menschen zu bemühen, damit diese ohne Angst und Unterdrückung leben könnten. Denn darauf habe jeder von ihnen Anspruch und müsse dazu beitragen und helfen, diesen auch anderen zu garantieren, was keineswegs nur als soldatischer Dienst anzusehen sei. Es gelte dabei zu beachten: "Wer sich nie für andere einsetzt, kommt nie ans Ziel".

Kranzniederlegung

Nach dem gemeinsamen Weg zur Kranzniederlegung zum Ehrenmal übernahm die Musikkapelle Bretzingen unter der Leitung von Melanie Ehrenfried die weitere musikalische Gestaltung, unter anderem mit dem Lied vom "guten Kameraden" und der Nationalhymne zum Abschluss.

Bürgermeister Volker Rohm nahm das Totengedenken für die Opfer der Weltkriege sowie von Willkür und Gewalt vor und daran erinnerte, dass Geschichte schnell verblasse, wenn sie nicht Teil des eigenen Erlebens gewesen sei.

Denn "verblassen" bedeute "bald vergessen", was somit ohne Wirkung auf Herz und Verstand der nachfolgenden Generationen sei.

Zentrale Gedenkstunden bezeichnete Rohm als wichtig, damit sie Aufmerksamkeit und Geschichte lebendig halten und jüngere Menschen als kommende Generation davon ergriffen werden. Dies erhoffte er sich auch mit der Gedenkstunde in Hardheim zu erreichen.

Zusammen mit Major Carolin Bongartz nahm er die Totenehrung mit der Kranzniederlegung vor und bedankte sich für alle an der Vorbereitung und Mitwirkung der Beteiligten, namentlich auch bei den Mitarbeitern Robin Steinbach, Robby Schenkel und Heinz Herbst von Rathaus und Bauhof. Z