Jubiläum in Hardheim - Apothekenprivileg wurde der Gemeinde vor 175 Jahren verliehen / Erfa-Park-Apotheke existiert seit 40 Jahren Entscheidung mit weitreichenden Folgen

Von 
Torsten Englert
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Hardheim. Gerade in der heutigen Zeit der Corona-Krise wird deutlich, wie wichtig eine medizinische Grundversorgung vor Ort ist. In dem ehemaligen Marktflecken Hardheim haben die Verantwortlichen hier schon sehr früh darauf geachtet. So wurde von Eberhard von Hardheim (den Älteren) vor 710 Jahren, im Jahr 1310, bereits ein Spital als Vorläufer des heutigen Krankenhauses gestiftet.

Genehmigung mit Auflage

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Vor 175 Jahren, am 17. Januar 1845, erteilte das Ministerium des Innern in Karlsruhe das „persönliche Privilegium zur Errichtung einer selbstständigen Bezirksapotheke in dem Marktflecken Hardheim, Amt Walldürn, dem der erlangten Lizenz nach ältesten und bestprädestinierten Bewerber, Friedrich Schrickel von Karlsruhe, derzeit Apotheken-Verwalter in Neudenau“. Die Genehmigung war verbunden mit der Auflage, „dass die Apotheke mit der geeigneten der jetzigen Anforderungen an eine neue Apotheke entsprechenden, neueren Einrichtung hergestellt werde, und dass er dabei die Anordnungen der technischen Behörden zunächst des Physikats und General Apotheken Visitators zu befolgen habe“.

Nicht mehr nachvollziehbar

Was der Auslöser dafür war, dass das Großherzogliche Ministerium des Innern eine Konzession für eine neue Apotheke in Hardheim erteilen wollte, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Aufgrund der Bevölkerungszahlen und der wirtschaftlichen Entwicklung dürfte wohl der Gemeinderat von Hardheim um eine solche ersucht haben.

Der Gemeinderat von Hardheim bat am 10. Dezember des Jahres 1850 das Innenministerium in Karlsruhe, ein „Realrecht“ zu verleihen, um den Bestand der Apotheke für Hardheim auch in Zukunft zu sichern.

Mehrmals weiterverkauft

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Apotheker Friedrich Schrickel ersteigerte 1856 von der Gemeinde Hardheim einen Zimmerplatz „neben der Brücke an der Straße gegen Walldürn“. Ein Jahr später errichtet er auf dem Grundstück ein zweistöckiges Gebäude, in dessen Erdgeschoss die Apotheke eingerichtet und betrieben wurde. Nach seinem Tod verkauft seine Witwe Catharina am 1873 das Gebäude samt Apotheke an den ledigen Apotheker Franz Kachel aus Tauberbischofsheim. Nach dem frühen Tod von Kachel 1884 im Alter von 40 Jahren, verkaufte seine Witwe Babetta das Gebäude samt Apotheke, die inzwischen die Realgerechtigkeit hatte, 1886 an Apotheker Matthäus Huth von Heidingsfeld.

1889 verkauft

Bereits 1889 verkauften der Apotheker Matthäus Huth und seine Ehefrau Anna Maria das Gebäude und die Apotheke mit der Realgerechtigkeit an den ledigen Apotheker Otto Kuhn aus Amorbach. Nach seinem Tod folgt ihm als Apotheker sein Sohn Dr. Alfred Kuhn. Ab 1963 wurde die Apotheke an den Apotheker Franz Hinkel verpachtet und am 30. September 1979 geschlossen, da durch die neuen Baugebiete die Walldürner Straße als Standort unattraktiv geworden war. Mit der Eröffnung des Erfaparks, eines Einkaufszentrums im Herzen Hardheims, wurde am 20. Dezember 1980 die Erfa-Park-Apotheke durch Apotheker Bernhard C. Goldstein eröffnet.

In Gebäude integriert

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Das Einkaufszentrum, geplant durch das Hardheimer Bauunternehmen Bermayer im Rahmen der Sanierung des Gebietes „Hofacker“, fiel durch seine moderne Bauweise und die charakteristische Dachlandschaft auf, welche sich harmonisch ins Ortsbild einfügte. Die Apotheke wurde vom Atelier Bermayer als Muster- und Vorzeige-Apotheke konzipiert und auf 200 Quadratmeter Fläche großzügig eingerichtet. Sie wurde in das Gesamtgebäude integriert, liegt jedoch wegen der besseren Erreichbarkeit im Notdienst, gut sichtbar, im Außenbereich des Komplexes. Im Jahr 1991 erfolgten ein Umbau und Renovierung.

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In den nun 40 Jahren seit der Eröffnung haben sich das Produktsortiment und die Palette der angebotenen Dienstleistungen erheblich erweitert. Apotheker Bernhard C. Goldstein, der im Sommer seinen 70. Geburtstag feiert, stammt aus Frankfurt am Main. Er studierte in Würzburg von 1976 bis 1980 Pharmazie und legte 1980 sein Staatsexamen ab.

Nach nunmehr 40 Jahren wird er die Apotheke im Sommer einer Nachfolgerin übergeben, wird aber nach wie vor für eine Übergangszeit mitarbeiten und für die langjährige Kundschaft tageweise präsent sein.