Autokino Schweinberg - Rolf Miller gab „Obacht: Miller“ am Pfingstsonntag zum Besten / Anspielungen über Tennis und „Tour de France“ und politische Seitenhiebe Ein Füllhorn gelungener Gags

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Adrian Brosch
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Mit seinem aktuellen Programm „Obacht: Miller “ gastierte der gebürtige Walldürner Comedian Rolf Miller am Pfingstsonntag vor ausverkaufter Kulisse im Schweinberger Autokino am Sportplatz. © Adrian Brosch

Der gebürtige Walldürner Comedian Rolf Miller zog am Pfingstsonntag alle Register und begeisterte die zahlreichen Besucher im ausverkauften Schweinberger Autokino.

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Schweinberg. Die Gesellschaft ist noch nicht aus der Corona-Krise entlassen. Das Lachen hat sie aber nicht verlernt, wie Rolf Millers umjubelter Auftritt im Schweinberger Autokino am Pfingstsonntag bewies: Der gebürtige Walldürner zog während seines Programms „Obacht: Miller“ alle Strippen und riss sein Publikum selbst über Leinwand und UKW-Frequenz mit.

Nicht fehlen durften so illustre Gestalten wie Achim, Jürgen, Sergej, Filippo und alle anderen, mit denen das Leben trotz Corona „so vom Ding her“ doch „eiwandfrei“ verläuft.

„Hupkonzert“ statt Applaus

Den Applaus der Bühnenauftritte ersetzte heuer ein „Hupkonzert“, ehe Rolf Miller zur Sache kam: Nachdem er seinen Fans empfahl, in Zeiten des „Komavirus“ nicht alles zu glauben und so gut wie möglich weiter zu machen, erinnerte er an die neuesten Vorkommnisse im Delta zwischen Filippos italienischem Lokal und Sergejs Keller – beide Orte seien unlängst von der Polizei gestürmt worden.

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Aber was tun, wenn man Zeuge solcher Aktionen ist? „Da kannscht gucke, dass d’guckscht“, riet Miller – und sollte das nicht funktionieren, könne einem das Zeugenschutzprogramm eine neue Identität schenken.

Es gäbe ja genügend Flecken auf der Erde, „von denen keiner ahnt, dass es sie gibt“: Wie wäre es zum Beispiel mit Pülfringen oder Hornbach? Der Odenwald sei ja auch fürwahr „schön gemacht“, selbst wenn das Programm von „Hörsturz-FM“ ein Wiederhören mit einer „kolumbianischen Kreissäge“ namens Shakira verspreche.

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Aber auch ihr kann Rolf Miller durchaus Positives abgewinnen: „Rein optisch ist die Musik ja in Ordnung“, versicherte er treuherzigen Blickes.

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Nicht fehlen durfte – zumal in direkter Nachbarschaft zum Sportplatz – ein humoristischer Exkurs in die Welt des runden Leders. Nachdem der von Jürgen veranstaltete Public-Viewing-Abend das sportliche Bild „vom Verlust einer Niederlage“ gezeichnet und an „Paralympics für Gesunde“ erinnert hatte, erkannte Miller seine Leidenschaft für Uruguay: Einer der dortigen Spieler habe schließlich eine frappierende Ähnlichkeit „mit dem Sänger von Queen“. Und wie heißt der? Klarer Fall: Freddy Quinn!

Für Abwechslung sorge jedoch der brave Hund Achims, der seit seiner Prüfung einen Mundkorb benötige: „Ein ganz Lieber – er quält die Beutetiere nicht, weil er ja nicht mit ihnen spielen will!“, formulierte Rolf Miller einen würzigen Konter auf nicht angeleinte, „nur spielen wollende“ Vierbeiner.

Überhaupt sind Achim und Jürgen – „Brüder, wenn man’s genau nimmt“ – zwei interessante Gesellen mit einem nicht minder bemerkenswerten Freundeskreis. So wurde die brave französische Bulldogge von einem „Kumpel“ erworben, der hinter seinem Fachgeschäft für Darts-Zubehör mit Hunden handele.

Stadt sei „eiwandfrei“

Das tut er in der Stadt, in der man auf dem Weg zum Schloss allerlei Japaner besichtigen könne – kein Zweifel: Gemeint war Heidelberg. Auch so ein Thema für sich: „Vom Ding her“ sei die Stadt ja „eiwandfrei“, obwohl man vor 20 Jahren mit Achim und Jürgen dorthin fuhr, „wo man hingeht, wenn es mit Nachwuchs nicht klappt und man gesagt bekommt, es klappt nicht“.

Gekonnt spannte Rolf Miller den Bogen vom „Vonkel“ (Vater, der auch der Onkel ist) zur „Inzucht“ und dem „einäugigen Zwilling“ – mit Zunder, aber nie unter der Gürtellinie. Denn genau hier liegt seine Stärke: Er schildert alltägliche Begebenheiten, die jedem passieren könnten.

Auch die „ferngesteuerte Luftpumpe“, die als Kind verdroschen wurde und später den Beruf des Anwalts ergriff, kennt mancher so oder so ähnlich aus seinem weiteren Umfeld.

Nach gelungenen Anspielungen auf Tennis und die „Tour de France“ durften auch politische Seitenhiebe nicht fehlen: „Wenn Cem Özdemir Außenminister ist, dann ist Boris Becker Finanzminister“, hielt der Wortakrobat fest.

Aber die Hauptsache sei, dass Angela Merkel die Lage im Griff habe – ein Mann müsse schließlich tun, was er sagt, wenngleich Merkel „nicht mehr als Atom, Asyl und Corona tun musste“ und die Tagesschau immer nach dem gleichen Strickmuster mit Roland Koch, Angela Merkel und Donald Trump eine deutsche Antwort auf „Two and a half Men“ darstelle.

Es sei denn, Greta Thunberg protestiert unter dem Motto „Freibier For Future“ für den „Abiturnobelpreis“. Aber das Klima gab es schon immer – und das habe mit dem Freitag, so Rolf Miller, „vom Ding her“ gar nichts zu tun.

Denn im Grunde genommen verläuft das Leben trotz Corona doch „eiwandfrei“, solange gelacht werden kann. Und das taten die Besucher am Sonntag – kein Wunder bei einem Füllhorn gelungener Gags, pointierter Parodien und aktiver Anspielungen.