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Besonderer Geburtstag

„Eigentlich bin ich nur nach außen hin alt“

Nelly Hollerbach wurde 100. Kirchenchor brachte der Ur-Hardheimerin ein Ständchen dar

Von 
Ingrid Eirich-Schaab
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Nelly Hollerbach inmitten „ihres“ Chores. Der Kirchenchor St. Alban brachte der Ur-Hardheimerin anlässlich ihres 100. Geburtstag in Würdigung ihrer Verdienste ein Ständchen dar. © Alina Dahl

Hardheim. Das wünscht man sich: 100 Jahre alt zu werden und noch geistig absolut und körperlich durchaus fit zu sein. So wie Nelly Hollerbach, eine geschätzte Ur-Hardheimerin.

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Natürlich stellen sich in diesem hohen Alter einige kleinere Gebrechen ein: Das Sehen lässt nach und mit dem Hören klappt es auch nicht mehr so gut wie früher. Aber der Schalk sitzt ihr noch im Nacken – und ihren Humor hat sie auch nicht verloren. Und wenn Nelly Hollerbach, gut betreut von ihrer Tochter Luitgard mit Familie, dann in netter Gesellschaft ist und vielleicht noch ein Gläschen Ramazotti vor sich auf dem Tisch stehen hat, dann strahlt die Jubilarin und erinnert sich gerne an frühere Zeiten.

„Für ihr Alter noch fit wie ein Turnschuh“ titelten die Fränkischen Nachrichten am 11. April 2015 in einem Bericht. Und das trifft auch heute noch zu. Sicher, das Autofahren hat Nelly inzwischen vor zwei Jahren aufgegeben. „Aber der Mitsubishi Colt steht noch in der Garage und ich könnte ihn theoretisch nutzen“, wirft sie im Gespräch schnell ein. „Eigentlich bin ich nur nach außen hin alt. Im Herzen fühle ich mich jung wie eh und je.“

Auch in die Damengymnastikstunde des TVH geht sie mittlerweile nicht mehr. Fast 40 Jahre gehörte sie dieser Gruppe an. Daneben ist sie Mitglied der Frauengemeinschaft, gehörte der DRK-Tanzgruppe an und kegelte früher regelmäßig mit Freunden in Höpfingen.

Nelly Hollerbach ist der lebende Beweis dafür, dass gesellschaftliches und sportliches Engagement sowie Lachen nicht nur Freude machen, sondern auch jung erhalten.

Rekordverdächtige rund 80 Jahre, seit 1939, erhob Nelly Hollerbach ihre Stimme zur Ehre Gottes im Kirchenchor St. Alban Hardheim und war dort nicht nur eine wichtige Stütze im Alt, sondern regelmäßig auch für ihren eifrigen Probenbesuch ausgezeichnet worden.

Ihre Wärme, ihr Humor und das sympathisch-liebe Wesen machten sie bei Jung und Alt beliebt. Mit ihren markigen Sprüchen, ihrer erfrischend fröhlichen, unkomplizierten, stets freundlichen und verbindlichen Art baute sie Brücken zwischen den Menschen. Sie verstand es, angespannte Situationen mit ihrer spontanen, aber nie verletzenden Offenheit und Herzlichkeit zu entspannen,

Und so war es nicht verwunderlich, dass der Kirchenchor in fast kompletter Besetzung ihr zum 100. Geburtstag am Haus ein Ständchen darbot – „Zur Feier“, wie der gleichnamige Chorsatz aus „Iphigenie in Aulis“ von Christoph Willibald Gluck überschrieben ist. Sichtlich erfreut sang die Jubilarin diese ihr wohlbekannte Weise mit.

Am Vormittag hatte bereits Bürgermeister Volker Rohm ihr Glück- und Segenswünsche übermittelt.

„Im schwierigen Kriegsjahr 1939 bist Du dem Cäcilienverein beigetreten. Aus Deinen Erzählungen wissen wir, dass das Singen zu dieser Zeit für ein junges Mädchen die einzige Möglichkeit war, abends alleine wegzugehen“, blickte die Kirchenchor-Vorsitzende Irmgard Farrenkopf in ihrer Laudatio zurück. Von 1961 bis 1982 hat Nelly Hollerbach als Stimmführerin im Vorstand Verantwortung übernommen. In all den Jahren erfuhr sie zahlreiche Ehrungen, darunter die Ehrenmitgliedschaft und 2014 die Auszeichnung für 75-jährige aktive Zugehörigkeit.

„Ich hätte nie gedacht, einmal so alt zu werden“, bedankte sich die Jubilarin für das Ständchen unter der Leitung von Dirigentin Jutta Biller. „Mein Herz ist aufmerksam so wie immer, es erfasst alles und ist in Gedanken bei Euch, auch wenn Augen und Ohren nicht mehr so mitmachen, wie ich das gerne hätte.“

Und gemäß dem Titel des zweiten gesungenen Liedes „Wohlauf! Es ruft der Sonnenschein“ (Text von Ludwig Tieck) lud Nelly Hollerbach hernach die Sängerschar zu einem gemütlichen Beisammensein in ihren Garten ein.

Freie Autorin

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