Meilenstein in der Medizin - Vor 125 Jahren wurden die X-Strahlen in Würzburg entdeckt Dr. Wilhelm Conrad Röntgen hatte Kontakt nach Hardheim

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Torsten Englert
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Der Entdecker der X-Strahlen, Dr. Wilhelm Röntgen, hatte auch einen Draht nach Hardheim. Doktor Rudolph Hohmann war ein guter Bekannter.

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Hardheim. Ein Meilenstein in der Medizin war vor 125 Jahren die Entdeckung der X-Strahlen durch den Physiker Dr. Wilhelm Conrad Röntgen an der Universität in Würzburg. Nur wenige wissen, dass der Physiker Verbindungen zur Hardheimer Familie Hohmann hatte.

Karriere nicht vorhersehbar

Die wissenschaftliche Karriere war bei Röntgen keineswegs vorhersehbar. Er wurde am 27. März 1845 in Lennep bei Remscheid geboren, als Sohn des Tuchfabrikanten Friedrich Conrad Röntgen und seiner Frau Charlotte Constanze Frohwein. Aufgewachsen ist er ab 1848 in Apeldoorn in Holland, wohin sein Vater sein Geschäft verlegte.

Ab dem 16. Lebensjahr wechselte er auf die technische Schule in Utrecht, von der er jedoch wegen eines Zwischenfalls 1863 verwiesen wurde. In Utrecht begann er als Zuhörer ab 1865 zwei Semester Philosophie zu studieren und wechselte im Dezember an das eidgenössische Polytechnikum in Zürich. Zu seinen Lehrern zählte dort unter anderem der Physiker August Adolph Eduard Eberhard Kund.

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Am 6. August 1868 erhielt Röntgen das Maschineningenieur-Diplom und am 22. Juni 1869 die Doktorwürde der Philosophie. Im selben Jahr verlobte er sich mit der Gastwirtstochter Bertha Ludwig und heiratete diese am 19. Januar 1872 in Apeldoorn. Nach verschiedenen Stationen an Universitäten in Straßburg, Gießen und der landwirtschaftlichen Akademie in Hohenheim kam Röntgen am ersten Oktober 1888 an die Universität Würzburg und übernahm die Leitung des Physikalischen Instituts. Im Jahr 1894 wurde er der Rektor der Universität.

Die große Entdeckung

In Würzburg arbeitete er an verschiedenen Themen. Am 8. November 1895 machte er, bei Experimenten mit elektrischen Ladungen in einer nahezu luftleer gepumpten Glasröhre (Kathodenröhre), die große Entdeckung der X-Strahlen.

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Am 22. November 1895 gelang ihm die berühmte Röntgenaufnahme der Hand seiner Frau, auf der die Handknochen und der Ehering zu erkennen waren, und bereits am 28. Dezember erfolgte die vorläufige gedruckte neunseitige Erstpublikation als Mitteilung der Physikalischen-Medizinischen Gesellschaft Würzburg „Über eine neue Art von Strahlen“ von W. C. Röntgen. Am ersten Januar 1896 zog er den Physiologen Professor Adolf Fick hinzu, der als Mediziner Röntgen auf die diagnostischen Möglichkeiten aufmerksam machte.

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Dessen Neffe, Augenarzt Professor Dr. med. Adolf Gaston Eugen Fick, war ein Kommilitone von Dr. med. Rudolph Hohmann. Hohmann und Röntgen kannten sich durch die Familie Fick. Hohmanns älteste Tochter, Wilhelmine Eleonore, war in Würzburg zu verschiedenen privaten Anlässen bei Röntgen eingeladen.

Einer der Widerstandskämpfer

In Würzburg lernte sie 1891 ihren späteren Ehemann Hermann Ritter Mertz von Quirnheim kennen, mit dem sie sich 1892 verlobte und den sie 1899 in Bremen heiratete. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor; die Töchter Erika (1900 bis 1986) und Gudrun (1907 bis 1979), sowie der Sohn Albrecht (1905 bis 1944), welcher zum engsten Kreis der Widerstandskämpfer beim Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 gehörte.

Rudolph Hohmann wurde 1845 in Cassel als Sohn eines Kurhessischen Steuerinspektors geboren. 1864 legte er das Abitur an der Lateinschule in Frankenberg (Hessen) ab. Von 1864 bis 1867 erlernte er bei der Hofapotheke Arolsen die Pharmazie, anschließend folgten ein Medizinstudium in Marburg und Würzburg und Lehrkurse in Chirurgie in Wien, Heidelberg und München.

Als Kriegsfreiwilliger und Unterarzt nahm er am Krieg 1870/71 teil. Im Jahr 1873 erfolgten die Promotion, Approbation in Würzburg und eine kurze Tätigkeit in Wörth am Main. Die Eheschließung mit Emma Drube aus Arolsen fand ebenfalls 1873 statt.

Von 1873 bis Juli 1880 war Rudolph Hohmann praktischer Arzt in Hardheim und fungierte gleichzeitig als Spitalarzt im Hardheimer Krankenhaus. In dieser Zeit wurden die drei Kinder Eleonore, Caroline und Walter, der spätere Raumfahrtpionier, geboren. Anschließend zog die Familie nach Amorbach, wo Hohmann als Hofarzt im Fürstenhaus Leinigen tätig war.

1883 siedelte die Familie nach Port Elizabeth in Südafrika. Im Jahr 1914 reiste Hohmann allein nach Deutschland und wurde vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges überrascht. Er täuschte vor, drei Jahre jünger zu sein, damit er als Arzt eingezogen werden konnte.

Nach dem Kriegsende 1918 lebte er mit seiner Frau in Amberg bei seiner Tochter Eleonore, wo er am 10. November 1919 starb. Der verlorene Krieg, die verlorene Arztpraxis in Afrika, die Beschlagnahmung des gesamten Vermögens durch die Engländer und der schlechte Gesundheitszustand hatten den Lebenswillen des Arztes und Patrioten gebrochen.

Im Nachlass von Rudolph Hohmann befindet sich bis heute eine Erstpublikation von Röntgens „Über eine neue Art von Strahlen“ mit dem handschriftlichen Zusatz „mit einem gelungenen Versuch“.

Wie diese in die Hände Hohmanns kam, ist nicht bekannt, da er bereits seit zehn Jahren in Südafrika praktizierte. Wahrscheinlich bekam er diese bei einem der vielen Europa-Besuche, die ihn immer auch nach Würzburg führten, da sein Sohn, Walter Hohmann, das dortige Humanistische Königliche Gymnasium besuchte.