Geschichte des Hardheimer Krankenhauses (Teil 1) - 710-jähriges Bestehen in diesem Jahr / Ehemals Waisenhaus und Herberge für Obdachlose Die Wurzeln reichen bis ins Mittelalter

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Torsten Englert
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Das Gemälde von Erhard Schindler, welches etwa 1955 entstand, befindet sich im Nachlass des ehemaligen Verwaltungsleiters Erich Erbacher. © Torsten Englert

Das Krankenhaus Hardheim kann auf eine 710-jährige Geschichte zurückblicken. In der aktuellen Lage ist es für die Bevölkerung wichtiger denn je.

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Hardheim. Gerade in den derzeit schwierigen Zeiten der Corona-Pandemie weiß die Bevölkerung von Hardheim „ihr Krankenhaus“ besonders zu schätzen. Es hat sich im Nachhinein herausgestellt, dass der einstimmig gefasste Grundsatzbeschluss des Hardheimer Gemeinderats in seiner Sitzung vom 26. Januar 2009 für die Selbstständigkeit des Krankenhauses Hardheim und für den Weiterbestand als ein Belegkrankenhaus mit den Fachrichtungen Chirurgie, Innere und Gynäkologie, um die medizinische Grundversorgung in Hardheim und seiner Umgebung sicher zu stellen, richtig war. Vermutlich würde es das Haus in Anbetracht des Defizits der Neckar-Odenwald-Kliniken sonst heute nicht mehr geben.

Zukunft langfristig sichern

Mit dem Wechsel des Verwaltungsleiters von Ludwig Schön zu Lothar Beger wurden vonseiten des Gemeinderats frühzeitig wichtige Entscheidungen wieder in die richtigen Bahnen gelenkt, um die Zukunft des Krankenhauses langfristig zu sichern, welches in diesem Jahr auf immerhin 710-jährige Geschichte zurückblicken kann.

Nach dem Niedergang des römischen Imperiums wurde in Klöstern das Wissen der Antike über die Heilwirkung von Kräutern und Pflanzen, sowie die Zubereitung von Arzneien weiter aufbewahrt und gehütet. Benedikt von Nursia (um 480 bis 547 nach Christus) gründete 529 auf dem Monte Cassino bei Neapel das erste Kloster des Abendlandes.

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Dem klösterlichen Spital sollte als Ausgangspunkt anstaltlicher Wohlfahrtspflege während des gesamten Mittelalters ein hervorragender Platz zufallen. In den Anfängen der Hospitalgründungen beschränkte sich die Gruppe der Aufnahme auf die Armen, Altersschwachen, Kranken, Gebrechlichen, Obdachlosen und landfremden Reisenden. Später erweiterte sich das Aufnahmespektrum. Mit der Entwicklung der mittelalterlichen Stadt zu einer christlichen begann in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts eine stete Verbürgerlichung des städtischen Spitalwesens.

Stiftungsjahr 1310

Die Wurzeln des heutigen Hardheimer Krankenhauses reichen bis ins Mittelalter zurück. Vor genau 710 Jahren wurde von den Herren von Hardheim ein Spital gestiftet. Die Hintergründe für diese Stiftung sind nicht überliefert.

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Diverse Abschriften des im Original verlorengegangenen Stiftungsbriefs nennen als Stifter Eberhard von Hardheim (den Älteren) und als Stiftungsjahr das Jahr 1310. Das Hardheimer Spital diente damals als Kranken- und Waisenhaus, Alters- und Siechenheim, Armenhaus und Herberge für Obdachlose. Wie heute bekannt ist, hat Eberhard jedoch erst 200 Jahre später gelebt und war bei der Wiederbegründung des Spitals im 16. Jahrhundert beteiligt.

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Nachweislich muss die Gründung des Hardheimer Spitals vor 1325 erfolgt sein. Im Jahr 1332 bestätigt Bischof Wolfram von Würzburg die Gründung des Spitals durch die Brüder Werner und Reinhard von Hardheim. Da Werner um 1325 verstarb, muss die Gründung vorher erfolgt sein.

Im Jahr 1701 wird das Gebäude „Ried Nummer eins“ als Spital bezeichnet und die Brücke über die Erfa als Spitalbrücke. Das alte Marstallgebäude diente von 1856 bis 1899 als Spital.

Für den geplanten Neubau des Krankenhauses wurden am 24. August 1896 aus dem Grundstücksvermögen des Hospitalfonds 70 000 Reichsmark, vom badischen Staat 5000 Reichsmark und vom Kreis Mosbach 1600 Reichsmark als Zuschuss gewährt.

Im Jahr 1897 wurde mit dem Neubau des Krankenhauses am heutigen Standort in der Wertheimer Straße begonnen und am 25. Juni 1899 erfolgte die Einweihung.

Bezirksspitalverband gegründet

Zur Erhaltung des Krankenhauses wurde ein Bezirksspitalverband gegründet. Dem Verband gehörten folgende Gemeinden an: Hardheim, Bretzingen, Gerichtstetten, Höpfingen, Schweinberg und Waldstetten. Steinfurt und Pülfringen folgten erst 1947.

Das erste Statut wurde am 20. Oktober 1898 beschlossen und am 7. Februar 1900 vom Großherzoglichen Ministerium des Inneren in Karlsruhe genehmigt.

Während der Zeit des Ersten Weltkrieges wird das Krankenhaus als Lazarett genutzt und nach dem Krieg zum Erholungsheim ausgebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es auch im Hardheimer Krankenhaus einen Neuanfang: Kontinuierlich wurde die Einrichtung erweitert und dem neusten Stand der medizinischen Anforderungen angepasst. In zwei Bauabschnitten wird das alte Krankenhausgebäude erweitert und aufgestockt. Weitere Um- und Anbauten folgten, deren letzte Maßnahme im Jahr 2019 abgeschlossen wurde.

Seit der Gründung des Freundes und Förderkreis Krankenhaus Hardheim e.V. „Unser Krankenhaus“ am 13. Januar 2002 zeigt eine beachtliche Anzahl an Mitgliedern aus Hardheim und Umgebung, die Verbundenheit und Wertschätzung mit der Institution, die in der aktuellen Lage besondere Bedeutung für die Bevölkerung hat.