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Am Walter-Hohmann-Schulverbund - 45 Kinder aus 16 Nationen werden in Vorbereitungsklassen unterrichtet / Integration in den Regelschulbetrieb

Die Schüler lernen Deutsch mit allen Sinnen

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ad
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Am Walter-Hohmann-Schulverbund werden 45 Kinder aus 16 Nationen in Vorbereitungsklassen unterrichtet. So sollen sie zeitnah in den Regelschulbetrieb integriert werden. © Adrian Brosch

Hardheim. „Deutschlernen mit allen Sinnen“ ist das Motto der Vorbereitungsklassen (VKL) des Walter-Hohmann-Schulverbunds. Hier werden derzeit 45 Kinder aus 16 Nationen unterrichtet – mit dem Ziel, sie relativ zeitnah in den Regelschulbetrieb integrieren zu können. Die Ukrainekrise äußert sich auch hier: Steigende Schülerzahlen, häufige Wechsel in den Klassengefügen und organisatorische Herausforderungen sind für die zwei Klassenlehrerinnen Jenny Köhler und Isabel Weidmann und ihre VKL-Kollegen nur drei Begleiterscheinungen des Krieges.

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Bis zum Schuljahr 2014/15 gab es in der Realschule gelegentliche Einzelstunden mit wechselnden Lehrkräften statt fester VKL-Klassenverbände. Das ist Vergangenheit: Seit der Neukonzeption bestehen zwei VKL-Klassen, wobei die von Isabel Weidmann betreute „VKL-Grundschule“ als Kurssystem organisiert ist. Das bedeutet, dass die (Stand April) offiziell 23 gemeldeten Mädchen und Jungen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, Russland, Togo, Thailand, Serbien, Rumänien, Polen, Kasachstan, Ungarn und inzwischen auch der Ukraine nicht fortlaufend in der Vorbereitungsklasse unterrichtet werden, sondern bereits von Anfang an in den Regelklassen integriert sind. In der VKL-Realschule unterrichtet Jenny Köhler derzeit 14 Anfänger und acht Fortgeschrittene aus der Ukraine, Russland, Syrien, Afghanistan, Mosambik, Brasilien, dem Iran, Irak, Rumänien, Kamerun und Kasachstan.

Das erste Jahr verbringt ein VKL-Schüler komplett in der jeweiligen Vorbereitungsklasse, im zweiten Jahr werden einzelne Stunden im Regelbetrieb besucht. „Während die Anfänger in der Realschule hauptsächlich die VKL besuchen, sind die Fortgeschrittenen nur noch bis zu acht Wochenstunden bei uns, manche benötigen nur noch zwei bis vier Stunden zur Übung des Satzbaus, der Grammatik sowie im freien Schreiben“schildert Jenny Köhler. Entsprechend werden die Stundenpläne mit den Regelklassen abgestimmt, um einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen.

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Die VKL-Klassen zielen besonders auf den Sprachunterricht ab: „Wir lernen Deutsch im Hören, Sehen, Lesen, Sprechen, Basteln und Spielen, also im Prinzip mit allen Sinnen!“, fasst Jenny Köhler zusammen. Ausgangspunkt ist das Alphabet: Ist es den Kindern vertraut, wird peu à peu aufgebaut. Gearbeitet wird hauptsächlich mit eigens erstellten und aus verschiedenen Vorlagen zusammenkopierten Materialien: „Es ist aufwendig und anspruchsvoll, zumal die Materialien individuell auf die Kinder abzustimmen sind“, schildert sie.

Hier fordere das von Kind zu Kind völlig unterschiedliche Leistungsniveau seinen Tribut: „Einige unserer Schützlinge sprechen schon recht gut deutsch und können daher in bestimmten Fächern wie Musik oder Sport die Regelklassen besuchen“, verdeutlicht Fachschaftsleiterin Jenny Köhler und spricht von „in beiden Klassen tendenziell stark steigenden Schülerzahlen“.

Dass jedes Kind einen anderen Wissensstand mitbringt, stellt die VKL-Lehrkräfte vor gewisse pädagogische Herausforderungen: „Es ist zum Beispiel durch die stetigen Neuzugänge unmöglich, ein gleichseitiges Lernlevel zu erreichen, letztlich werden fünf bis sechs verschiedene Level parallel zueinander in einer Klasse unterrichtet“, bemerkt sie. Ebenso sei die Klassengemeinschaft „dauernd in Bewegung“, wenngleich großer Wert auf eine gute Gemeinschaft und Erlebnisse wie Ausflüge gelegt wird. Schließlich wird den Kindern nicht nur schulischer Stoff vermittelt – die Vorbereitungsklassen sind auch bestrebt, im eigentlichen Sinne ihres Namens auf das Leben „vorzubereiten“. „Bei uns dreht sich viel um Alltagsbewältigung, die korrekte Organisation des Schulalltags und die Kommunikation“, zeigt sie auf, „Nahezu alle der Kinder kommen ohne Deutschkenntnisse in die Klasse, wodurch sie wenig über die Strukturen des Alltags in Deutschland wissen“. So werden von Anfang an das tägliche und pünktliche Erscheinen im Klassenraum, das Richten und Mitbringen benötigter Unterrichtsmaterialien und das Entschuldigen im Krankheitsfall geübt.

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Engagierte Ehrenamtliche

Wenngleich die Elternarbeit im VKL-Bereich laut Jenny Köhler „sehr schwierig“ sei, befindet man sich nicht allein auf weiter Flur: Bereits seit mehreren Jahren werden die Lehrerinnen in der Grundschule und seit diesem Jahr auch in der Realschule durch eine sehr engagierte Ehrenamtliche begleitet. „Seit kurzem gibt es einige weitere motivierte Helferinnen und Helfer, die uns ebenfalls sehr gut in einigen VKL-Stunden unterstützen. Sie sind ab und an im Unterricht dabei und nehmen einzelne Schüler heraus, mit denen sie individuell üben“, betont Isabel Weidmann. Weiterhin werden mittwochs und donnerstags jeweils einstündige Hausaufgabenbetreuungen durchgeführt, was durchaus gut funktioniere. Als gewissen Wermutstropfen sieht Jenny Köhler jedoch an, dass die bis dato hervorragend eingespielte Hausaufgabenbetreuung in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber (ehemalige Nike-Stellung) seit der Corona-Pandemie nicht mehr stattfinde. „Das ist für mich auch angesichts der zwischenzeitlich entspannteren Corona-Lage nicht mehr ganz nachvollziehbar, zumal es stets eine tolle Hilfe und Unterstützung für die Schüler war“, bemerkt sie. In der Vergangenheit freuten sich die Lehrerinnen dafür über den regen Einsatz von Bundesfreiwilligendienstleistenden im VKL-Bereich. „Das war bereichernd für alle und wäre auf Zukunft gesehen wieder eine wünschenswerte Unterstützung“, lassen Jenny Köhler und Isabel Weidmann wissen.

Aus der Ukraine befinden sich derzeit achtzehn Kinder in beiden Vorbereitungsklassen. „Sie kommen nach und nach in der Schule an und stehen im Zentrum vieler für sich bemerkenswerter Aktionen und Spenden, allerdings hätte man auch für Flüchtlingskinder aus anderen Ländern schon vor Jahren ähnliche Projekte durchführen können: Jedes Kind, das seine Heimat verlassen muss, hat Schlimmes erlebt. Leider geschah in den Vorjahren dahingehend wenig, vielleicht wird in Deutschland doch an bestimmten Stellen mit zweierlei Maß gemessen“, bemerkt Jenny Köhler. Abschließend machten beide Klassenlehrerinnen deutlich, dass alle neuen Schülerinnen und Schüler in der VKL herzlich willkommen sind. ad

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