Corona-Pandemie - Mehr Kinder in der Notbetreuung als noch im Frühjahr 2020 / Kreative Ideen, um den Kontakt zu Kindern und Eltern zu halten Die Kleinen müssen auf viel verzichten

Turnen verboten, das tägliche Singen und die Geburtstagsfeiern fallen aus – der Alltag in den Kindergärten hat sich dramatisch verändert. Die FN haben bei Einrichtungen der Region nachgefragt.

Von 
Maren Greß und Nicola Beier
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Fünf Kinder sind im Schweinberger Kindergarten St. Josef für die Notbetreuung angemeldet, die nun auch altersübergreifend miteinander spielen. Betreut werden sie in der Regel von zwei Erzieherinnen. © Maren Greß

Neckar-Odenwald-Kreis. Sie werden in diesen Tagen häufig vergessen: die Kleinsten. Auch viele Kinder stellt die Corona-Pandemie auf eine harte Probe. Freunde treffen und spielen ist untersagt, die Eltern und Geschwister sind häufig die einzigen Spielpartner – außer die Mädchen und Jungen besuchen die Notbetreuung in den Kindergärten und Kindertagesstätten. Bei den verschiedenen Einrichtungen haben sich die FN umgehört und Eindrücke über diese besondere Zeit gesammelt.

„Nicht immer zufriedenstellend“

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Normalerweise toben im Schweinberger Kindergarten St. Josef täglich 16 Kinder, derzeit sind es nur fünf, manchmal sogar weniger. „Die Kinder kommen nur so, wie die Eltern arbeiten. Das heißt, an manchen Tagen sind wir auch nur mit zwei oder drei Kindern hier“, erklärt Kindergartenleiterin Iris Krug, die anfügt: „Die Notbetreuung ist für die Kinder nicht immer zufriedenstellend, da zum Beispiel der Freund zum Spielen nicht da ist, der Altersunterschied recht groß ist oder ein anderes Spielverhalten und andere Interessen da sind.“

Auf die wenigen Kinder, die in der Notbetreuung sind, kommen noch einige Einschränkungen zu, wie Iris Krug berichtet: „Das tägliche Singen, was bei uns eigentlich selbstverständlich war, fällt vollständig weg. Obwohl es zu unserem Alltag gehört. Geburtstage können nicht – wie gewohnt – gefeiert werden, da die Kinder kein Essen zum Austeilen von zu Hause mitbringen dürfen. Wir dürfen mit den Kindern nicht kochen, und auch das Turnen in der nahe gelegenen Turnhalle ist seit längerem nicht mehr möglich.“

Schwierig ist diese ungewisse Zeit auch für die Erzieherinnen. „Ängste bestehen darin, Corona ausgesetzt zu sein, ohne dass man sich hinreichend schützen kann. Wir haben keine Plexiglasscheibe, hinter die wir uns schützend stellen können. Unsere Arbeit besteht aus engem Kontakt zu den Kindern beim täglichen Miteinander. Wir tragen schon seit Anfang November auch im Umgang mit den Kindern Masken, was die Kinder nicht stört. Da Kinder jedoch auch von der Mimik des Gegenübers lernen, muss man langfristig beobachten, ob hier erhöht Defizite auftreten.“

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Um auch die Mädchen und Jungen, die derzeit zuhause sind, mit in den Kindergartenalltag einzubeziehen, bekommen die Kinder jede Woche eine „Corona-Post“ nach Hause geschickt. „Diese beinhaltet Material zu dem Thema, das wir auch mit den Kindern im Kindergarten erarbeiten, wie beispielsweise Experimente, Spiele, Fingerspiele, Märchen, Geschichten, Bastelarbeiten, Vorschulblätter und Gedichte. Die Rückmeldungen haben gezeigt, dass sich die Kinder immer sehr drauf freuen“, sagt Iris Krug.

Laternenumzug ohne Eltern

Solche Aktionen finden auch bei den Kindern der evangelischen Kindertagesstätte Regenbogen in Buchen große Resonanz. Im November fand ein Laternenumzug statt – jede Gruppe für sich und ohne Eltern, denn die Gruppen dürfen derzeit nicht vermischt werden.

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Für die bevorstehenden Fastnachtstage haben sich Leiterin Ulrike Link und ihr Team ebenfalls eine Aktion ausgedacht: „Wir machen eine Art Fastnachtsfeier. Kinder, die derzeit zuhause sind, bekommen eine Tüte mit Luftballons, Süßigkeiten und Konfetti. So wollen wir wieder Kontakt mit ihnen knüpfen, und sie wissen lassen, dass sie nicht vergessen werden“, erklärt Link.

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Von den üblichen 70 Kindern besuchen gerade etwa die Hälfte – also rund 40 Mädchen und Jungen – die Notbetreuung. „Es sind aber nicht immer alle da, sondern das variiert“, sagt Leiterin Ulrike Link, die anfügt: „Wir haben einen hohen Anteil an berufstätigen Eltern, beispielsweise Ärzte, Krankenschwestern, aber auch viele Lehrer.“

Im ersten Lockdown habe es verschiedene Systeme gegeben. „Anfangs durften beispielsweise nur Familien die Notbetreuung in Anspruch nehmen, wenn beide Elternteile einen systemrelevanten Beruf hatten. Irgendwann reichte ein Elternteil aus, am Ende mussten sie nur noch ,unabkömmlich’ sein“, erklärt die Erzieherin. Deswegen sei die Anzahl der Kinder sehr unterschiedlich gewesen. Trotz der Umstände würden die Kinder die Situation gut meistern. In der Gruppe gibt es für sie kaum Einschränkungen, außer dass die Gruppen nicht mehr vermischt werden dürfen.

„Wir sind ein Familienzentrum. Normalerweise gibt es viele Angebote mit den Eltern. Das ist für uns das Schwierigste, der Austausch mit den Eltern fehlt. Aber wir Erzieher machen immer das Beste daraus“, schildert sie die Sorgen und Ängste ihres Teams.

Anmeldung im Frühjahr über Stadt

Im Kindergarten St. Georg in Walldürn sind normalerweise 112 Kinder täglich zu betreuen – aktuell werden 15 Kinder in der Notbetreuung versorgt, wie Leiterin Sonja Huslig erklärt. Dies könne sich jedoch täglich ändern, da Eltern ihre Kinder zu jeder Zeit in die Notbetreuung geben und wieder abholen können. Die Anmeldung dafür lief im vergangenen Frühjahr noch über die Stadt Walldürn, nun können die Eltern ihre Kleinen mit der Begründung, zur Arbeit zu müssen, jederzeit abgeben. Die 15 Kinder sind auf sieben Gruppen verteilt und werden dort von jeweils einer Betreuerin versorgt. „Dabei werden die AHA-Regeln beachtet, und die Kinder denken schon von selbst ans Hände waschen und Abstand halten“, verrät die Kindergartenleiterin. Die Gruppen dürfen sich auch untereinander nicht vermischen, damit das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich bleibe. Deshalb wird ein Stundenplan erstellt, damit sich die Kinder beim Spielen im Hof nicht über den Weg laufen.

Gerade die Kommunikation mit Eltern und Kinder läuft aktuell nicht so gut. Wenn jetzt die Gespräche für die Grundschulanmeldungen anfangen, sei das ein großes Problem. „Wir wissen nicht, ob sich Kinder noch mal verändert haben, in der Zeit, in der sie zuhause waren. Und auch die Gespräche mit den Eltern laufen entweder per Telefon oder Videokonferenzen ab“, erklärt Sonja Huslig. Das sei ein großer Mehraufwand für die Erzieherinnen.

Doch die Kindergartenleiterin sieht auch etwas Positives, trotz des Lockdowns: „Die Eltern sind sehr vernünftig und verständnisvoll in Bezug auf die aktuelle Situation“, zeigt sich Huslig sehr dankbar für das Miteinander.

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