Die Anfänger der Hardheimer Fastnacht (Teil II) - Gründung der Fastnachtsgesellschaft erfolgte am 19. Januar 1953 Der Beginn der „Hordemer Wölf“

Von 
Torsten Englert
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Beim großen „Gaudiwurm“ 1957 der „Hordemer Wölf“ waren neben dem Ritterpaar (Theophil Leiblein und Ingrid Seeber) auch die „Bischemer Kröten“, die Walldürner „Affen“ und die Buchener „Huddelbätze“ (Bild) mit von der Partie. © Thorsten Englert

Hardheim. Vor 90 Jahren fand in Hardheim der erste Kindermaskenumzug der „Ersten Hardheimer Karnevalsgesellschaft“, welche 1930 gegründet wurde, statt. In dieser Karnevalsgesellschaft waren auch jüdische Mitbürger von Hardheim aktiv. Während der Nazi-Diktatur in der Zeit des Dritten Reiches blieben zwar die Frohnatur und Narretei erhalten, die Karnevalsgesellschaft musste jedoch wieder aufgelöst werden. Im Jahr 1949 gab es die erste „Faschingszeitung“, welche vom „Turnverein 1895“ herausgegeben wurde und der erste Maskenball unter dem Motto „Wenn wir wollten, wie wir können!“ im Hotel „Erftal“ wurde wieder abgehalten.

Eine willkommene Abwechslung

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Auch nach den Entbehrungen des Zweiten Weltkrieges und der harten Arbeit des Wiederaufbaus in Deutschland hatten die Menschen ihren Humor und ihre Fröhlichkeit nicht verloren. Das Feiern der Fastnacht war eine gute Gelegenheit, die Sorgen und Nöte des Alltages zu vergessen.

Daher dauerte es nicht lange, bis eine Fastnachtsgesellschaft in Hardheim wiedergegründet wurde. Am 19. Januar 1953 fand in der Gaststätte „Zum Deutschen Hof“ unter dem Motto „Es wird was gemacht“ eine Versammlung statt, bei der die 24 Anwesenden Heinz Bernhard, Oskar Großkinsky und Josef Grininger als kommissarischen Vorstand wählten. In der Generalversammlung vom 2. Mai 1953 wurde das Führungstrio bestätigt. Als Name wurde die Bezeichnung „FG Hordemer Wölf“ in Anlehnung an Ritter Wolf, den Erbauer des Hardheimer Schlosses, gewählt. Eine Rathauserstürmung und ein Umzug am Fastnachtsdienstag mit 26 Wagen und Gruppen waren die Höhepunkte. Das Narrenlied von 1953 lautete: „Hei, hei, hei mer hewe Faschenoocht / wie die Blecker, wie die Kröte und die Affe. / Hei, hei, hei wer hätt denn des gedoocht / dass in Horde aa noch Leit sin wu des schaffe.“

So manche Anekdote ist aus den ersten Jahren des Bestehens der Hardheimer Fastnachtsgesellschaft überliefert. Über vieles kann der heutige Leser nur schmunzeln oder den Kopf schütteln. In die Geschichte der Hardheimer Fastnacht ist der Rosenmontagsball des Jahres 1960 eingegangen, als ein Gericht über dessen Abhaltung entscheiden musste.

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Vieles hat sich verändert, und die Toleranz hat zu einem erfreulichen Miteinander geführt. Die (Bütten-)Reden der inzwischen ehemaligen Hardheimer Pfarrer Franz Lang und Andreas Rapp gehörten zu den Höhepunkten der Prunksitzung. Viele Namen sind untrennbar mit der Hardheimer Fastnacht der Nachkriegszeit verbunden, ebenso gibt es bis heute die Erinnerung an legendäre Veranstaltungen wie beispielsweise die „Italienische Nacht“.

Bis heute bieten die „Hordemer Wölf“ ein attraktives und abwechslungsreiches Fastnachtsprogramm, zu dessen Höhepunkten neben der Prunksitzung der große „Gaudiwurm“ am Fastnachtssonntag gehört.

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Mit ihren Veranstaltungen, die online auch in Zeiten von Corona stattfinden, trägt die FG zum regen Vereinsleben in Hardheim bei. Mit ihrem „Ritterpaar“ vertritt ein originelles Repräsentantenpaar Hardheim weithin über die Grenzen der Gemeinde hinaus.