Leserbrief - Zu „Gendern setzt sich durch“ (Fränkische Nachrichten, 30. Januar) „Damit hat man nun die Büchse der Pandora geöffnet“

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Leserbrief-Schreiber: Maximilian Hack
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Wir haben eine Bundeskanzlerin, eine Verteidigungsministerin, eine Bildungsministerin und eine Landwirtschaftsministerin. Meine Vorgesetzten an der Schule, in der Uni, auf der Arbeit, beim Hochschulradio und mein engster Freundeskreis sind zum Großteil Frauen.

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Ich muss schon sagen, dass es mir langsam auf die Eier*stöcke geht, wie sich die Feministen hierzulande anstrengen, Frauen immer noch in eine Opferrolle stecken zu wollen. Als ob die kleine Tochter nicht Tierarzt werden möchte, weil das Genus im maskulinen steht. So ein Bullshit. Sie wird es aus Überzeugung. Weibliche Vorbilder gibt es an jeder Ecke.

Ich glaube eher, die zunehmende Gleichberechtigung nimmt den Feministen allmählich ihre Nahrungsgrundlage. Jetzt stürzt man sich daher auf ein vollkommen unschuldiges Konstrukt, die Sprache. Das ist symptomatisch für die größte Seuche des 21. Jahrhunderts. Nein, nicht Corona, sondern der Moralismus.

Damit hat man nun die Büchse der Pandora geöffnet. Nicht nur, dass man die Sprache übermäßig sexualisiert, sie wird jetzt in ihrer historisch gewachsenen Grammatik politisiert.

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Man kann das Spielchen nämlich ganz schnell weitertreiben und nun fragen, welche Kategorien noch unterrepräsentiert sind und was das Grundgesetz dazu sagt. Wir denken an Religion, Migrationshintergrund, Hautfarbe, Alter, usw. und lasten alle sozial-politischen Probleme unserer Sprache an. Stets in dem Glauben, die Wirklichkeit würde sich dadurch ändern.

Es ist ein ideologischer Kunstgriff der feministischen Linguistik, zu behaupten, Frauen werden im generischen Maskulinum nicht mitgedacht. Man konstruiert stets irgendwelche kontextlosen Beispiele, aus denen man mit aller Dreistigkeit versucht, das sexistische Gedankengut heraufzubeschwören.

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Ein etwas anderes Beispiel dazu: Nehmen Sie sich Zeit. Denken Sie an irgendeinen Baum. Haben Sie einen? Gut. Und jetzt frage ich Sie : Haben Sie etwa nicht an eine Datenstruktur gedacht? Tja, dann müssen die Sprache und ihre Gedanken wissenschaftsfeindlich sein. Dass sie offenbar keinen Informatikunterricht in der Schule genossen haben, das ist zweitrangig. So funktioniert Genderwissenschaft.

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Über den Zusammenhang von Sprache und Realität vielleicht auch noch eine kleine politische Unkorrektheit. Wenn die These stimmen würde, dann müssten ja Gesellschaften, die ohne männliche Form auskommen, besonders gleichberechtigt sein. Im Türkischen gibt es aber keine männliche Form. So viel dazu. Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich schätze es, dass man durch die Thematik für Sprache sensibilisiert und gleichzeitig angehalten wird, über die Feinheiten nachzudenken. Allerdings sind die Schlüsse, die hier zu neuen Normativen erhoben werden, höchst problematisch. Will man ernsthaft behaupten in einem Sternchen werden weitere Geschlechterformen repräsentiert?

Also beim generischen Maskulinum ist das problematisch, dass die anderen Formen orthografisch nicht sichtbar sind, aber der Stern kann das auf einmal symbolisieren? Machen Sie doch mal ein Ratespiel mit ihren Verwandten. Die sollen schätzen, wie viele Geschlechter sich dahinter verbergen und wie die heißen. Inwiefern soll das gerecht sein?

Und wenn ich schon dabei bin, ich empfinde es als herabwertend, nur noch als „Studierender“ und nicht als „Student“ bezeichnet zu werden. Während ersteres mich auf meine Funktion herunterstumpft, ist letzteres eine Bezeichnung des Status, des immatrikuliert Seins. Ein feiner, aber semantischer Unterschied, der mir einfach abgesprochen wird.

Dass man obendrein Millionen verschossen hat, die ganzen Universitäten auf diesen seelenlosen und unpersönlichen Sprachgebrauch umzugestalten – geschenkt.

Notenabzüge für nicht gegenderte Arbeiten, obwohl im Grundgesetz die freie Äußerung in Schrift und Sprache verankert ist ? Ja, das gibt es tatsächlich.

Mein Fazit daher : Nur weil eine Ideologie sich als „geschlechtergerecht“ bezeichnet, hat das noch lange nichts mit Gerechtigkeit zu tun. Vielleicht sollten wir mal darüber nachdenken.